Untersuchung von Stadtplaner Tobias Schäfer

Wohnungssituation in Kassel: „Zuzug schwer möglich“

Tobias Schäfer

Kassel. Eine günstige Wohnung zu finden, ist in manchen Stadtteilen fast so schwierig wie in großen Metropolen. Wer eine Wohnung hat, zieht so schnell nicht aus. Es gibt kaum Fluktuation, etwa im Vorderen Westen.

Diese und andere Entwicklungen den Kasseler Wohnungsmarkt betreffend hat Stadtplaner Tobias Schäfer in seiner Masterarbeit an der Uni Kassel untersucht: In Kassel stehen durchschnittlich 3,1 Prozent aller Wohnungen leer. Damit liegt Kassel leicht unter dem Bundesschnitt von 3,3 Prozent.

„Sinkt der Leerstand zu sehr ab, funktioniert das Marktprinzip nach Angebot und Nachfrage nicht mehr“, so Schäfer. Er stützt sich in seiner Studie auf aktuelle Daten des Einwohnermeldeamts und der Zensusbefragung aus dem Jahr 2011.

Schäfer: „In Kassel haben wir bereits Stadtteile, in denen der Anteil an leeren Wohnungen so niedrig ist, dass ein Zuzug nur schwer möglich ist.“ Beispielsweise gibt es im Vorderen Westen Straßenzüge mit einem Leerstand von unter einem Prozent. Dagegen ist der Leerstand in Nord-Holland trotz eines starken Wachstums der Bevölkerung in den vergangenen Jahren relativ hoch. Er liegt zwischen fünf und sieben Prozent.

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Den „sehr niedrigen“ Leerstand im Vorderen Westen und in Wehlheiden findet Schäfer auffällig, da „in diesem Bereich ein großer Anteil der Wohnungen vermietet wird und nur wenige Wohnungen von Besitzern bewohnt sind“.

Auffällig sei auch der geringe Leerstandsanteil in Süsterfeld-Helleböhn. Der Stadtteil ist durch Baustrukturen des Wohnungsbauunternehmens GWH und durch Einfamilienhäuser geprägt. „Hier liegt der Leerstand deutlich unter der für eine Fluktuation am Wohnungsmarkt wichtigen Untergrenze von zwei Prozent.“

Schäfer geht davon aus, dass die Nachfrage nach kleineren Wohnungen steigt. Darauf deuten die seit Jahren in Kassel sinkenden Haushaltsgrößen hin sowie die vermehrten Zuzüge von Menschen im Alter zwischen 19 und 30 Jahren. Dies sind zum überwiegenden Teil Studenten. Junge Erwachsene suchten in den meisten Fällen urbanen Lebensraum in kleineren, preiswerten Wohnungen.

Zwischen 2001 und 2011 ist zwar in Kassel viel gebaut worden, aber mit einem hohen Anteil im Bereich größerer Wohnungen. Das mache deutlich, dass dieser Trend nicht erkannt und ihm keine Rechnung getragen wurde.

Stadt kann eingreifen

Vor allem Wohnungsbaugesellschaften verfügen über kleinere Wohneinheiten. Der sehr geringe Leerstand in deren Besitz weise auch auf eine hohe Nachfrage hin. Doch sei die Bautätigkeit von Wohnungsunternehmen in Kassel nur gering. „Dabei hat die Stadt Kassel mithilfe des städtischen Unternehmens GWG die Möglichkeit, direkt in den Wohnungsmarkt einzugreifen, das Angebot mitzugestalten und dadurch zu verbessern.“

Von Christina Hein

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