Kasseler Bombardier-Werker beenden Großauftrag für die Deutsche Bahn

Die letzte 185er: Bombardier-Deutschland-Chef Klaus Bauer (links) und Werkleiter Steffen Riepe (rechts) übergaben die Lok symbolisch an Otto Niederhofer (Deutsche Bahn, Zweiter von links). Mit im Bild der Unterhaltungskünstler Sören Eiko Mielke in der Uniform eines Schaffners.

Kassel. Rollouts - so nennen die Bombardier-Werker in Kassel die feierliche Übergabe der ersten Zugmaschine eines neuen Typs - sind ganz überwiegend freudige und auch für gestandene Lokbauer immer wieder besondere Ereignisse.

Doch das gestrige Rollout war eher von Wehmut und Sorge geprägt. Denn übergeben wurde nicht die erste, sondern die letzte von 399 Loks der Bahn-Baureihe 185. Sie hatten den Bombardier-Beschäftigten seit 2000 die jährliche Grundauslastung gesichert. Und die 185-er, die erste elektrische Zweisystemlok moderner Prägung, bildete die Grundlage für die heutige Traxx-Familie. Das ist eine Plattform für eine Reihe verschiedener Zugmaschinen, die nach dem Baukastenprinzip gefertigt werden. Traxx verhalf dem Werk Kassel zu einer neuen Blüte und machte es zum größten und erfolgreichsten Lokbauer Europas.

Die 185er markierte eine neue Ära im Lokbau, bei dem bis zu 70 Prozent der verwendeten Bauteile gleich sind. Traxx-Loks gibt es für Gleich- und Wechselstromnetze, als Mehrsystem-Variante, die in bis zu sechs unterschiedlichen Netzen unterwegs sein kann, und mit Dieselmotor. Mittlerweile verkehren 1200 dieser Loks in 14 Ländern in Europa. Weitere 200 stehen in den Orderbüchern der Kasseler.

1998 hatte die Bahn 400 Loks der Baureihe 185 bestellt - der größte Auftrag für klassische Loks der vergangenen 60 Jahre in Deutschland. Dass es am Ende nur 399 wurden, liegt daran, dass eine Zugmaschine auf Kundenwunsch nachträglich als 101er ausgeliefert wurde. Das Gesamtauftragsvolumen belief sich auf gut eine Milliarde Euro.

Nun hofft Bombardier auf einen großen Nachfolgeauftrag der Bahn. Die will 200 Dieselloks beschaffen. Bombardier hat sich um den Auftrag beworben und macht sich mit den 750 Beschäftigten in Kassel große Hoffnungen darauf. Ob und wann bestellt wird, ist aber noch unklar.

In diesem Jahr will das Werk 130 Zugmaschinen ausliefern. 2009 waren es 150 und im Rekordjahr davor mehr als 200.

Von José Pinto

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