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Krauss-Maffei Wegmann baut – und stellt Weichen für Kapazitätserweiterung

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Krauss-Maffei Wegmann: Arbeit am  Gefechtspanzer Leopard 2 A7.
KMW-Flaggschiff Leopard 2: Die Türme kommen aus Kassel, montiert wird der schwere Gefechtspanzer in München. Bislang wurde der Leopard 2 in 19 Länder verkauft. Umstritten war das Geschäft mit Katar. © Thomas Hipp/KMW

Von der alten Ziegelmauer steht nur noch ein Rest, Kräne ragen neben einer Baugrube in die Höhe: Der Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) richtet die Produktion an seinen drei Kasseler Standorten in Rothenditmold und Nord-Holland neu aus.

Kassel - Alte Hallen müssen weichen, in den verbliebenen Gebäuden ist die Fertigung zusammengerückt. Zwischen Geschütztürmen, Kisten mit Metallteilen, Regalen mit zum Teil selbst gebauten Werkzeugen und meterlangen Stahlplatten, ist es eng.

Um Platz zu schaffen, ist ein Teil des Lagers eine Zeit lang in angemietete Hallen umgezogen. Im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Einen „hohen einstelligen Millionenbetrag“ investiert KMW nach Worten seines Geschäftsführers Axel Scheibel allein in die Gebäude, die mit Fernwärme und Solarkollektoren ausgerüstet werden sollen. Einschließlich der neuen Maschinen ist die Summe mehr als doppelt so hoch: „Damit sichern wir die Zukunft des Standorts nachhaltig“, sagt Scheibel.

Die Millioneninvestition schafft Raum für Kapazitätserweiterungen – und das dürfte sich bald auszahlen: Gerade genehmigte die Bundesregierung die Produktion von weiteren 100 Panzerhaubitzen für die Ukraine. Wesentliche Baugruppen für das schwere Artilleriesystem kommen aus Kassel. Außerdem baut das Unternehmen am Standort mit rund 1500 Beschäftigten unter anderem die Türme für den Schützenpanzer Puma und den Kampfpanzer Leopard 2. Auch der Brückenlegepanzer Leguan und die von KMW modernisierte Version des Raketenwerfers Mars entstehen hier. Hinzu kommt die Instandsetzung der Fahrzeuge.

Die Auftragslage nennt Scheibel „unverändert“. Der in Amsterdam ansässige Mutterkonzern KNDS bezifferte im Juni den gesamten Auftragsbestand im Konzern auf 10,7 Milliarden Euro. Ein Großauftraggeber ist die deutsche Bundeswehr, für die KMW den Puma auf den neuesten Stand bringt. Um die 100 Tage dauert die Aufrüstung eines Fahrzeugs. Über Kapazitäten macht das Unternehmen keine Angaben. Angesichts des Kriegs in der Ukraine gelten solche Zahlen als hochsensible Daten.

Aufträge aus dem Sondervermögen des Bundes, das Rüstungsausgaben von 100 Milliarden Euro vorsieht, schlagen sich in Kassel noch nicht nieder. Ein rasches Geschäft ist der Panzerbau ohnehin nicht. Allein die Lieferung des Stahls für die Fahrzeuge verlangt Vorlauf. Schon während der Produktion muss er zertifiziert werden. „Im Prinzip kaufen und reservieren wir Fertigungskapazitäten“ beschreibt Scheibel das Bestellverfahren bei den Stahlkochern.

Baustelle Krauss-Maffei Wegmann in Kassel.
Neue Hallen: KMW baut an den drei Standorten in Kassel. © Thomas Hipp/KMW

Vom Bürogebäude des Werks aus kann man hinüber schauen zu den Hallen des Geschäftspartners und Rivalen Rheinmetall. Bei einigen Projekten, so dem Puma und dem geschützten Radfahrzeug Boxer, arbeiten sie zusammen. Zudem ist der Düsseldorfer Konzern ein wichtiger Lieferant von Krauss-Maffei Wegmann. KNDS-Chef Friedrich Haun betont in Interviews gern die Kompetenz des Unternehmens als Systemhaus, was durchaus als Anspruch auf eine Führungsrolle im MGCS-Projekt gedeutet werden kann, der gemeinsamen Arbeit mit Rheinmetall an einem mit Elektronik vollgestopften Kampfpanzer, der das KMW-Flaggschiff Leopard sowie den französischen Leclerc der Konzernschwester Nexter ablösen soll.

Rund 350 Ingenieure und Entwickler beschäftigt KMW in Kassel. Sie arbeiten am „Gehirn“ der Panzer und der Waffensysteme. Die Algorithmen, die in Missionsfahrzeugen, etwa zur Aufklärung im Gelände auf den Rechnern laufen, entstehen hier. Künstliche Intelligenz sei ein Thema in der Gesellschaft, sagt Scheibel dazu. „Es ist eine Diskussion, der wir folgen.“

Die Arbeit an den tonnenschweren Fahrzeugen verlangt höchste Präzision – und hat zugleich Manufakturcharakter. Panzer sind Kleinserien: Die Streitkräfte der Abnehmerländer verlangen vielfache Varianten.

Von Barbara Will

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