Wir haben nachgefragt

Weihnachtsbeleuchtung: Das sagen die Verweigerer

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Schön, aber kostspielig: Der Finanzaufwand für den Lichterschmuck entlang der Königsstraße schlägt jedes Jahr mit rund 75 000 Euro zu Buche.

Kassel. Die einen zahlen, die anderen profitieren: Jedes Jahr gibt es unter Kassels Einzelhändlern Streit um die Finanzierung der Weihnachtsbeleuchtung in der Fußgängerzone.

Überwiegend sind es nach Angaben der City-Kaufleute die großen Filialisten, die für ihre Kasseler Geschäfte keinen Beitrag leisten. Die Einzelhandelsgemeinschaft hatte eine Liste mit den Zahlungsverweigerern der Saison 2011 öffentlich gemacht. Wir haben in den Unternehmenszentralen nach den Gründen gefragt und dokumentieren die Reaktionen:

Foot Locker: „Wir geben keinen Kommentar zum Thema“, sagte eine Sprecherin.

Orsay bittet für die Nichtteilnahme der Modekette„um Ihr Verständnis, da es sich hierbei nicht um unsere Strategie handelt“.

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Kosten für Beleuchtung: Händler sind sauer auf Filialisten

H&M teilte mit: „Ein Unternehmen unserer Größe muss grundsätzliche organisatorische Entscheidungen treffen, was Marketing und lokale Initiativen betrifft.“ Deshalb mache man bei lokalen Aktionen wie der Kasseler Weihnachtsbeleuchtung prinzipiell nicht mit.

Von 1982 hatte es im Vorjahr kein Geld gegeben, für dieses Jahr ist laut einer Sprecherin „noch nicht entschieden“, ob sich das Modeunternehmen beteiligt.

Bei Mobilcom-Debitel wisse man von dem Vorhaben der City-Kaufleute überhaupt noch nichts, sagte ein Sprecher: Bislang sei in keiner Kasseler Filiale des Handy-Anbieters „eine Rechnung für die Weihnachtsbeleuchtung eingegangen. Liegt uns eine entsprechende Anfrage oder eine Rechnung vor, übernehmen wir diese.“

Müller: Die Drogeriemarktkette hatte bereits vor Monaten an die City-Kaufleute geschrieben: „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir grundsätzlich ab 2012 keine Veranstaltungen, Events oder Aktivitäten an einzelnen Filialstandorten mehr unterstützen können.“

Rossmann betont, das für die Obere Königsstraße anders zu handhaben: „Die Rechnung 2012 ist bei uns am 30. November eingegangen und am 4. Dezember beglichen worden.“

Auch Fielmann „leistet gerne auch in diesem Jahr den vom Verein erbetenen Beitrag für die Weihnachtsbeleuchtung“, wie ein Firmensprecher sagte.

Unitymedia: „Wegen erpresserischer Methoden der City-Kaufleute machen wir seit 2010 nicht mit“, sagte Andreas Klausmann von der Hechinger Firma Kabelwelt, dem Franchisenehmer des Unitymedia-Shops an der Oberen Königsstraße. Es sei der Firma sauer aufgestoßen, dass erst die Rede von einem freiwilligen Beitrag gewesen, dann aber nur wenige Tage später eine Mahnung gekommen sei. „Wir wurden unter Druck gesetzt, dass unser Name in den Medien genannt werde“, sagt Klausmann; „als sich das im Vorjahr wiederholte, haben wir final auf stur geschaltet.“

Christ: Für die Juwelierkette sagte Bereichsleiterin Silvia Röth, sie wolle gern zum Thema Stellung nehmen – allerdings ausschließlich im persönlichen Gespräch und aus Termingründen nicht vor Freitag.

Runners Point: Für den Laufladen erklärte eine Sprecherin, die Filialleitung in Kassel habe sich gegen eine Beteiligung an der Festbeleuchtung entschieden, weil man „vor allem die Stadt Kassel in der Pflicht sehe, etwas zur Attraktivität und somit Belebung der Innenstadt beizutragen“. Da passiere „ohnehin schon wenig“, und wenn doch, würde dies „auf die Händler in Form von zusätzlichen Kosten abgewälzt“.

Das Stadtcafé wäre laut Geschäftsführerin Sarah Knichalla zu einem Beitrag bereit, „wenn die Beleuchtung als Leistung angeboten würde und wir dazu gefragt würden. Das passiert aber in keiner Weise – es kommt einfach eine Rechnung.“ Davon abgesehen stelle der Lichterglanz in der City für sie „eher einen Nachteil dar“, weil das Publikum dann eher auf den Weihnachtsmarkt gehe statt ins Café.

Die Sportarena, eine Tochter des Kaufhof-Konzerns, teilte mit, man habe „bereits vor Jahren entschieden, von Mitgliedschaften und / oder Kostenbeteiligungen abzusehen“. Aus Konzernsicht würden solche Interessen von der Galeria Kaufhof wahrgenommen, wo immer diese ebenfalls an einem Standort vertreten sei.

Von der Targobank am Opernplatz gebe es „aus Budgetgründen“ dieses Jahr kein Geld, sagte ein Firmensprecher.

Die DKV-Versicherung sieht sich von den City-Kaufleuten in deren Verweigerer-Liste zu Unrecht an den Pranger gestellt: Die Geschäftsstelle am Friedrichsplatz bestehe bereits seit 2010 nicht mehr, sagte der frühere Standortleiter Arnold Bachmann. Bis dahin habe die DKV regelmäßig bezahlt – obwohl die Beleuchtung „keinerlei wirtschaftlichen Nutzen“ für das Unternehmen gebracht hätte.

Bei der Gastronomiekette Alex und beim Mobilfunkanbieter Base baten die jeweiligen Sprecher um Verständnis, dass man keine zuständigen Mitarbeiter erreicht habe und somit die Anfrage nicht am Mittwoch beantworten könne. Überhaupt nicht reagiert haben die Unternehmen Bonita, Pimkie, Biba, Back-Factory, Tchibo und Gina Laura.

Von Axel Schwarz

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