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Kassel: Das letzte Wochenende vor dem Fest – Einkaufstour mit Stimmungsdämpfer 

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Von: Axel Schwarz

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Für viele die letzte Gelegenheit für Weihnachtseinkäufe: Am Samstag waren viele Menschen aus der weiteren Region auf der Oberen Königsstraße unterwegs, um Besorgungen für die bevorstehenden Festtage zu machen.
Für viele die letzte Gelegenheit für Weihnachtseinkäufe: Am Samstag waren viele Menschen aus der weiteren Region auf der Oberen Königsstraße unterwegs, um Besorgungen für die bevorstehenden Festtage zu machen. © Axel Schwarz

In Kassels Innenstadt prägte die Pandemie den Endspurt der Weihnachts-Besorgungen. Die Corona-Lage schlug vielen Kunden auf die Stimmung, voll war es dennoch.

Kassel – Es ist gar nicht so einfach in diesem Pandemie-Advent, das Publikum in Kassels Innenstadt in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Zwei junge Damen im City-Point geben am Freitag (17.12.2021) ihr Bestes. Kostümiert als Elsa und Anna, die Heldinnen aus dem Disney-Trickfilm „Die Eiskönigin“, streifen sie durch die Einkaufsgalerie und animieren die Kundschaft zu Selfies.

Gerade fehlt aber der Dritte im Bunde – wo ist Schneemann Olaf plötzlich hin? „Der macht gerade kurz Pause“, erklärt Elsa; das Kostüm des Schnee-Gesellen sei schon sehr schweißtreibend. Nein, von Winterzauber ist auch draußen bei nieselig-mildem Wetter wenig zu spüren.

Auf Selfie-Mission: Darsteller der Helden aus Disneys „Eiskönigin“ sind im City-Point unterwegs.
Auf Selfie-Mission: Darsteller der Helden aus Disneys „Eiskönigin“ sind im City-Point unterwegs. © Axel Schwarz

Vorweihnachtszeit in Kassel: „Die Menschen sind im Moment froh, wenn sie irgendwie durchkommen“

Kaum Betrieb herrscht am Freitagnachmittag an den meisten Weihnachtsmarktständen. Nur wo es Essen auf die Hand gibt, wird hier und da kurzzeitig maskenlos gemümmelt. Ein paar Meter weiter teilen zwei Stadtpolizisten Ordnungsrufe an Passanten aus, die sich im Fußgängerstrom ohne Maske bewegen. Menschen mit adventstypischen Einkaufstüten sind nur vereinzelt zu sehen.

„Die Leute sind vorsichtig und zurückhaltend“, sagt Hermann Thiel, der am Stand des Kochclubs Kassel am Fuß der Treppenstraße Dienst tut und anhand jahrelanger Erfahrung den Vergleich hat, wie Corona die Stimmung des Publikums dämpft. Die Umsätze mit Glühwein und Speisen, mit denen der Kochclub karitative Zwecke unterstützt, lägen weit unter der gewohnten Größenordnung, sagt Thiel. Jeder eile nur seinen Erledigungen nach, es fehle vielen die Muße für eine gesellige Pause – wofür Thiel andererseits auch Verständnis hat: „Die Menschen sind im Moment froh, wenn sie irgendwie durchkommen.“

Kassel: Rodelschlitten am Königsplatz sind dieses Weihnachten Verkaufsschlager

Für Kinder aber ist Weihnachten eben Weihnachten – so wie für die beiden Grundschul-Knirpse, die sich am Schaufenster von Drogerie-Müller die Nasen platt drücken und hingebungsvoll über einen Playmobil-Porsche fachsimpeln. Was beim Jungvolk dieses Jahr auf dem Gabentisch liegen wird, könnte hier und da auch von pandemiebedingt eingeschränkten Lieferkapazitäten abhängen. So sind hölzerne Rodelschlitten, die bei Samen-Rohde am Königsplatz stets der Saison-Renner sind, schon restlos weg. „Wir bekommen keinen Nachschub mehr,“ sagt Inhaber Frank Rohde.

Ob vor diesem Hintergrund auch noch jedes online georderte Geschenk rechtzeitig ankommen wird, darauf mag sich dann wohl doch nicht jeder verlassen. Als am Freitag mit Einbruch der Dämmerung die Königsstraße in weihnachtlicher Beleuchtung erstrahlt und immer mehr Menschen im Feierabend angekommen sind, steigen Publikums- und Tütendichte merklich an.

Einige gehen trotz Corona gern in Kassel shoppen: „Das macht man dann halt mit“

Und am Samstagnachmittag herrscht dann nahezu der gewohnte Einkaufstrubel eines vierten Adventswochenendes: Schlangen bilden sich nicht nur an den Zufahrten der Innenstadt-Parkhäuser, auch an den Impfstatus-Kontrollstellen vor Geschäften ist zeitweise Geduld gefragt. Wer da schon ein tagesgültiges Check-Bändchen vom Weihnachtsmarkt vorweisen kann, ist im Vorteil.

Auf Shopping-Tour: Silja Feldhaus (von links), Talitha Gante und Marleen Bublitz haben alle Geschenke beisammen.
Auf Shopping-Tour: Silja Feldhaus (von links), Talitha Gante und Marleen Bublitz haben alle Geschenke beisammen. © Axel Schwarz

Auf diese Kasseler Spezialregel sind Silja Feldhaus, Talitha Gante und Marleen Bublitz erst am Ende ihrer Geschenke-Shoppingtour aufmerksam geworden. Für die jungen Frauen aus Wolfhagen und Bad Emstal ist das Jahr für Jahr ein Event. „Das macht mehr Spaß, als wenn jede allein daheim vor dem Rechner sitzt und Bestellungen macht“, sagt Talitha Gante. Und die Sache mit den Masken und Kontrollen? „Nicht schlimm, das macht man dann halt mit.“ Vier Stunden waren die Freundinnen unterwegs, am Ende hatten sie alles zusammen und ziehen bei einer Pause auf dem Weihnachtsmarkt Bilanz.

Wenn man sich dort an den Glühweinständen umsieht, gibt es einen verlässlichen Indikator, dass es in diesem Advent verhaltener zugeht als in anderen Jahren: Die roten, gern auch mal blinkenden Weihnachtsmann-Mützen als Erkennungszeichen amüsierwilliger Weihnachtsmarktbesucher sind in dieser Saison nur sehr vereinzelt zu sehen.

Kassel: Einzelhändler sind mit Weihnachtsgeschäft überwiegend unzufrieden

Der letzte Samstag vor Weihnachten ist für den Einzelhandel traditionell der umsatzstärkste Tag im Weihnachtsgeschäft. Dieses sei von den Händlern lange als Lichtblick zum Jahresausklang erhofft worden, bisher jedoch enttäuschend verlaufen, klagt der Handelsverband Deutschland (HDE).

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Eine aktuelle Trendumfrage unter bundesweit 1000 Unternehmen habe ergeben, dass zwei Drittel aller Händler mit dem bisherigen Verlauf unzufrieden seien – in den Innenstädten hätten dies sogar 80 Prozent geäußert. „Ein großes Minus bei Umsätzen und Frequenzen“ habe sich von Woche zu Woche deutlicher gezeigt, so der HDE. (Axel Schwarz)

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