2061 wird Halleyscher Komet erneut zu sehen sein - Kasseler Astrophysiker bestimmt Moleküle im All

Weihnachtsstern kommt wieder

Der Stern von Bethlehem war ein Komet: Den Weihnachtsstern gibt es auch heute noch, alle 76 Jahre ist er von der Erde aus sichtbar. Das Foto zeigt das Gemälde „Der Stern von Bethlehem“ von Carl Spitzweg aus den Jahren 1870/72. Foto: Museum Georg Schäfer, Schweinfurt

Kassel. Zu Weihnachten ist wieder viel die Rede von ihm: Dem Stern von Bethlehem, der den Heiligen Drei Königen den Weg zur Krippe wies. Nun mag man die christliche Weihnachtsgeschichte glauben oder nicht, fest steht: Den Stern gab es wirklich.

Es handelt sich dabei höchstwahrscheinlich um einen Kometen, der bis heute seine Runden in unserem Sonnensystem dreht. Er ist bis heute regelmäßig von der Erde aus zu sehen – etwa alle 76 Jahre. Seine nächste Wiederkehr wird für 2061 erwartet.

Prof. Thomas Giesen vom Labor für Astrophysik der Uni Kassel hat den Weihnachtsstern bei seinem letzten Vorbeiflug 1986 mit eigenen Augen gesehen. Der Wissenschaftler spricht allerdings vom Halleyschen Kometen. Der Himmelskörper ist nach dem englischen Astronomen Edward Halley benannt, dem es bereits 1705 gelang, die Flugbahn des Kometen exakt zu berechnen. Er muss auch um die Zeit von Christi Geburt mit seinem langen Schweif am Himmel entlanggezogen sein.

Dreckige Schneebälle

Kometen kann man sich vorstellen wie einen „dreckigen Schneeball“, erklärt Giesen. Es handele sich um ein Gemisch aus Dreck, interstellarem Staub und sehr viel Wasser, das zu Eis gefroren ist und auch Kohlenstoff und Metalle enthält.

Welche Moleküle genau in den Kometen und überhaupt im Weltall vorliegen, ist noch weitgehend unbekannt. Diesem Rätsel sind die Kasseler Forscher auf der Spur.

Die Kometen sind für die Astrophysiker vor allem deshalb interessant, weil sie aus dem Urnebel kommen, aus dem vor 4,6 Milliarden Jahren das Planetensystem entstanden ist. Sie können also auch Hinweise geben, woraus die Urmaterie besteht.

Alle Kometen, die heute auftauchen, gibt es schon seit dieser unvorstellbar langen Zeit. Etliche Millionen von ihnen sind im Weltall unterwegs, ihre Größe reicht von der eines Kieselsteins bis hin zu einer von 100 Kilometern Durchmesser.

Erst wenn sich zwei Kometen im All zu nahe kommen, wird einer aus seiner Bahn gekickt und kann mitunter Richtung Sonne und Erde fliegen. „So ist auch der Weihnachtsstern mal auf Kurs gebracht worden“, sagt Giesen. Auch den Kometen Ison, der kürzlich Schlagzeilen machte, hat es auf diese Weise in die Nähe der Sonne verschlagen. Ende November raste er haarscharf an ihr vorbei.

„Dabei hat es ihn zerlegt“, sagt der Kasseler Astrophysiker. „Er wurde regelrecht getoastet.“ Durch die extrem heißen Energiefelder der Sonne sei Ison in seine Einzelteile zerschmolzen. Für die Kasseler Wissenschaftler hätte das Ende von Ison nicht früher kommen dürfen: Sie hatten nämlich am Radioteleskop Iram in der spanischen Sierra Nevada eine Messzeit.

Wasserstoffperoxid im All?

Thomas Giesen und sein Team wollen herausfinden, ob schweres Wasserstoffperoxid (HOOD) im Weltall vorkommt. „Wenn es in Ison nachgewiesen werden kann, dann kommt es in allen Kometen vor“, sagt der 53-Jährige. Mit den Ergebnissen der Messung rechnen die Kasseler Forscher im Frühjahr.

Der Nachweis von Wasserstoffperoxid wäre ein wichtiger Meilenstein, um herauszufinden, wie das Wasser im Universum entstanden ist.

Von Katja Rudolph

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