Gerät akzeptiert nur genau abgezähltes Geld

Weil sie nicht wechseln: Autofahrer hielt Parkautomat für kaputt

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Betriebsbereit, aber unflexibel: Ein HNA-Leser hielt die Parkautomaten an der Obersten Gasse für defekt. Er hatte schlicht nicht damit gerechnet, dass die Geräte so unflexibel sind.

Kassel. Das Ding ist defekt, dachte sich unser Leser Helmut Holle, als er jüngst vor einem Parkautomaten an der Obersten Gasse stand. Er zog sich also keinen Parkschein und legte stattdessen einen entsprechenden Hinweis auf den Defekt hinter die Windschutzscheibe seines Autos. Am Ende kassierte er ein Knöllchen.

Denn der Parkscheinautomat war nicht defekt. Das Gerät akzeptiert – wie alle anderen Kasseler Automaten – nur genau abgezähltes Geld für vier festgelegte Parkzeiträume.

Besonders für Autofahrer, die, wie Holle, nicht direkt aus Kassel stammen, ist dieses System kaum nachvollziehbar. Wer etwa wie der Autofahrer Holle in der „Parkgebührenzone Zentrum“ sein Fahrzeug für bis zu zwei Stunden abstellen will, muss genau 2,50 Euro in das Gerät einwerfen. Wer drei Euromünzen einwirft, weil er kein 50 Cent-Stück hat, erhält die Anzeige, dass er weiter Geld einwerfen soll. Denn der Automat wechselt nicht und der nächste mögliche Tarif liegt bei vier Euro für drei Stunden.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar über Kassels unflexible Parkautomaten.

Dies gilt etwa auch dann, wenn ein Autofahrer für 50 Cent eine halbe Stunde parken will und drei 20-Centstücke einwirft. Wieder wird er aufgefordert werden, weiteres Geld einzuwerfen, bis er genau die Summe für einen der Tarife erreicht hat.

Hintergrund: Was tun bei defekten Geräten?

Wenn ein Parkscheinautomat tatsächlich defekt ist, so darf nach der Straßenverkehrsordnung bis zur Höchstdauer geparkt werden. In diesem Fall muss eine Parkscheibe verwendet werden. Diese Störung muss am Gerät selbst auftreten und nicht infolge defekter Münzen, die durchfallen. Stehen mehrere Automaten an der Straße, so sind Autofahrer bei Ausfall eines Gerätes verpflichtet, am nächstgelegenen einen Parkschein zu lösen, wenn dieser nicht weiter als 150 Meter entfernt ist. (bal)

Für jemanden, der die Tücken der Technik nicht kennt, liegt ein Defekt vor. Unser Leser Holle war mit seiner Interpretation keinesfalls allein. Er hatte an dem Tag eine andere Autofahrerin vor ihm am Parkautomaten beobachtet, die sich ebenfalls keinen Parkschein zog, weil sie an ein kaputtes Gerät glaubte.

Der Automat war aber an besagtem Tag nicht defekt, dies war für die Stadt erkennbar, weil alle Geräte per Funk mit der Verkehrsüberwachung verbunden sind und Störungsmeldungen senden.

Mit der für den Sommer angekündigten neuen Parkgebührenregelung – bei der die Tarife im Schnitt um 66 Prozent steigen – sollen die Tarife flexibler werden. In der Innenstadt soll es Parkscheine im 15-Minuten-Takt geben. Die Geräte sollen zudem alle Münzen, außer 1-, 2- und 5 Cent, akzeptieren. Bisher ließ sich nicht einmal ein Zwei-Euro-Stück einwerfen. In der Innenstadt soll es auch möglich sein, Parkscheine per Handy zu bezahlen. Dies geht derzeit nur auf dem Karlsplatz.

Die Stadt erwartet durch die neue Parkgebührenregelung jährliche Mehreinnahmen von 1,2 Mio. Euro. Noch muss diese von den Gremien der Stadt verabschiedet werden.

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