Population größer als sonst

Weintrauben lenken Wespen ab

Landeplatz Marmeladenbrötchen: Süßes, aber auch Fleisch wirkt auf Wespen anziehend. Besonders die zwei Arten Deutsche Wespe und Gewöhnliche Wespe empfinden die Menschen dieser Tage als störend. Foto: dpa

Kassel. Die Schädlingsbekämpfer in Kassel können derzeit nicht über fehlende Aufträge klagen. „Wespennester entfernen ist momentan tägliches Geschäft. Die Population ist größer als sonst.“

Das sagt Carsten Roß, Geschäftsführer vom Herkules Hygieneservice. Die Kosten für eine Entfernung lägen – je nach Aufwand – zwischen 100 und 200 Euro. „Wenn wir eine Arbeitsbühne benötigen, schlägt sich das im Preis nieder“, sagt Roß. Auch werde geprüft, ob eine Entfernung zwingend ist. „Ist das Nest in einer Hecke im Garten, ist das eher nicht der Fall“, sagt Roß.

Auch bei Richter Gebäudedienste in Kassel klingelt das Telefon derzeit öfter. 10 bis 15 Anfragen gebe es täglich zur Entfernung von Nestern. Der Schädlingsbekämpfer sei gut ausgelastet. Ähnlich ist die Lage beim Kasseler Unternehmen Gebäudereinigung Schöne, die ebenfalls Kammerjäger im Einsatz haben. Besonders häufig nisteten sich die Wespen unter den Dachziegeln und im Rollokasten ein. Aber auch Hausdämmungen seien ein beliebter Platz.

Königin legt Standort fest

„Letztlich entscheidet die Königin im Frühjahr, wo sie ihr papierenes Nest baut“, erläutert Dr. Kai Füldner, Leiter des Naturkundemuseums. Sie baue die ersten paar Waben selbst und lege dort ihre Eier hinein, aus denen sich die ersten Arbeiterinnen entwickelten. Im Juni fielen die Wespen in der Natur noch überhaupt nicht auf, weil es nur sehr wenige Tiere seien. Das Nest werde nur ein Jahr lang genutzt – im Herbst gehe das Volk zugrunde. Übrig blieben nur die neu geschlüpften Königinnen, die bis zum nächsten Jahr überwinterten, erklärt Füldner.

In der Notaufnahme des Kasseler Klinikums haben die Ärzte trotz der großen Wespenpopulation derzeit nicht verstärkt mit Wespenstichen zu tun, sagt eine Klinikumssprecherin. Das Kasseler Gesundheitsamt weist indes darauf hin, dass Stiche vor allem für Allergiker lebensbedrohlich seien. „Hochgradige Allergiker sollten ein Notfallset bei sich tragen“, sagt Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamtes.

Ebenfalls bestehe Lebensgefahr, wenn Wespen und Bienen nach einem versehentlichen Verschlucken im Mund- und Rachenbereich stechen. In dem Fall sollten die Betroffenen die Stelle mit Eiswürfeln oder Kaltgetränken kühlen und einen Notarzt rufen.

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Wespen-Alarm: Tiere nerven wie lange nicht

Was gegen Wespen hilft und was nicht

Hier einige Empfehlungen des Naturschutzbundes:

• Tiere nicht an- oder wegpusten. Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt im Wespennest als Alarmsignal.

• Heftige Bewegungen vermeiden - dadurch fühlen sich Wespen bedroht.

• Überreife Weintrauben zur Ablenkung etwa fünf bis zehn Meter abseits des Esstisches platzieren. Unverdünnte Marmelade oder reiner Honig wirken als Ablenkung weniger gut. Sie machen die Tiere aggressiv.

• Bunte Kleidung, Parfums und Cremes wirken anziehend auf Wespen. Auch Angstschweiß kann Angriffe auslösen.

• Wenn das Einflugloch eines Wespennestes am Haus einfach verschlossen wird, suchen sich die Tiere einen anderen Ausgang und können so ins Haus gelangen. Am verschlossenen Einflugloch muss zudem mit aggressiven Tieren gerechnet werden.

• Wespen können Holzverkleidungen beschädigen, da sie Holz als Grundstoff zum Bau ihrer Nester verwenden. Wenn Sie sicher gehen möchten, dass Ihre Holzverkleidungen intakt bleiben, sollten Sie diese mit Lacken und Farben regelmäßig pflegen.

• Nach dem ersten Frost im Herbst gehen die Tiere ein. Man kann das Nest entfernen.

Nur zwei von 630 Arten nerven

• In Deutschland gibt es nach Informationen des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) etwa 630 Wespenarten. Aber nur zwei Arten, die Gewöhnliche Wespe (auch Gemeine Wespe genannt) und die Deutsche Wespe nerven die Menschen. Denn diese Arten werden von Fleisch und Süßem angelockt.

• Auch wenn die Wespen, anders als die Bienen, nicht die Bestäubung von Pflanzen übernehmen, erfüllen sie dennoch einen Zweck. Ein kleiner Wespenstaat frisst bis zu 3000 Fliegen, Mücken, Raupen, Motten, Spinnen und andere Kleintiere pro Tag.

• Auch Hornissen zählen zu den Wespen. Sie interessieren sich aber nicht für die Mahlzeiten der Menschen. Sie ergreifen eher die Flucht. Allerdings machen sie Jagd auf Deutsche Wespen und Gewöhnliche Wespen. Wenn Hornissen stechen, ist das zwar schmerzhafter, aber (entgegen aller Vorurteile) weniger giftig. (bal)

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