Der weiße Riese holt leise den Müll

Kasseler Stadtreiniger testen neues Müllfahrzeug, das mit Diesel und Strom fahren kann

Weißer Riese statt oranger Koloss: Stefan Weiland, Werkstattmeister bei den Stadtreinigern, zeigt, wie das neue Hybridfahrzeug die Mülltonnen leert.

Kassel. Rund 145.000 Tonnen Abfall sammeln die Müllfahrzeuge der Stadtreiniger pro Jahr ein. Die 30 orangefarben lackierten Boliden sind beim Leeren der Tonnen sehr laut.

Deswegen setzt Betriebsleiter Gerhard Halm sie frühmorgens nicht in dicht besiedelten Wohngebieten ein. Doch seit einigen Tagen hat er testweise einen weißen Riesen im Fuhrpark, der nicht nur die Ohren der Anwohner, sondern auf Dauer auch die Umwelt und den Treibstoffetat der Stadtreiniger schonen könnte.

Das weiße Abfallfahrzeug Rotopress Dualpower der Firma Faun Umwelttechnik ist dreimal leiser und arbeitet mit so genannter Hybridtechnik. Neben dem üblichen Dieselmotor verfügt es über einen zusätzlichen Elektromotor, einen Generator und einen Doppelschichtkondensator, der die beim häufigen Bremsen des Fahrzeugs an den Mülltonnen freigesetzte Energie speichert. Auf diese Weise können die Stadtreiniger während der kurzen Fahrten von Tonne zu Tonne und beim Entleeren der Müllbehälter auf den lauten Dieselmotor verzichten - der ist nur noch für die Anfahrt ins Sammelgebiet nötig.

Nach Angaben des Herstellers soll die neue Technik fast ein Drittel Kraftstoff und ein Drittel des sonst ausgestoßenen, klimaschädlichen Kohlendioxids sparen. In den südhessischen Städten Darmstadt und Offenbach laufen seit Anfang des Jahres bereits Pilotprojekte mit finanzieller Unterstützung des Bundes aus dem Programm für Elektromobilität. Die wissenschaftliche Begleitung hat dort das Kasseler Fraunhofer Institut Iwes übernommen. Das hat auch Interesse daran, die Kasseler Stadtreiniger zu unterstützen.

Ob die Fuldastadt in absehbarer Zeit ein solches Hybridfahrzeug anschafft, ist offen. Man habe schon viel Geld in die Umweltfreundlichkeit der Müllwagen-Flotte investiert, sagt der Abfalldezernent, Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD). Fast jeder fünfte Wagen erfülle die aktuellste Abgasnorm. Die Mitarbeiter würden in spritsparender Fahrweise trainiert. Ein Pferdefuß des Hybridwagens ist sein hoher Anschaffungspreis. Der ist mit 300 000 Euro ein Drittel teurer als ein herkömmliches Fahrzeug. Und seine Zuverlässigkeit muss er noch unter Beweis stellen: Am dritten Einsatztag versagte zeitweise der Mülltonnen-Lifter am Heck, weil ein Regelventil ausgefallen war.

Von Peter Dilling

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