Kassel: Weiter in der Kritik

Weiter Probleme bei Post-Zustellung: Briefkästen bleiben leer

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Briefträger unterwegs: Postkunden in Kassel beklagen weiterhin Probleme bei der Briefzustellung und das unzureichende Beschwerdemanagement der Post. Foto: dpa

Kassel. Die Post steht weiter in der Kritik: Tage- oder sogar wochenlang bleiben Hausbriefkästen leer, gibt es Probleme bei der Zustellung, beklagen Kunden.

„Seit fast vier Wochen haben wir keine Post erhalten“, berichtet ein 63-Jähriger aus Kirchditmold. Am 5. August lag endlich mal wieder ein Brief im Kasten. Der kam vom Jobcenter Kassel, datiert vom 10. April. „Jetzt reicht’s“, sagt der Mann, der anonym bleiben möchte. Von der Reaktion des Jobcenters will er abhängig machen, ob er einen Rechtsanwalt beauftragt. „Ich werde die Post verklagen, sollten uns finanzielle Nachteile entstehen“, kündigt der 63-Jährige an.

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Er sei kein Einzelfall in Kirchditmold, telefoniere häufiger mit dem Briefzentrum in Waldau, weil die Zustellung nicht funktioniere. Mal würden Nachbarn seine Post vorbeibringen, die im falschen Briefkasten gelandet sei, mal lägen Sendungen auf der Straße: „Es herrscht das absolute Chaos, Note: Ungenügend.“

In den vergangenen Wochen hatten viele Beschwerden über die Postzustellung auch die HNA-Redaktion erreicht. Kritik gibt es zudem am nicht funktionierenden Beschwerdemanagement der Post. Man wisse im Callcenter zwar über betriebsbedingte Störungen Bescheid, teile dies Anrufern auch tagelang mit, aber unternommen werde nichts.

„Ob und wie auf Beschwerden reagiert wird, erscheint weitgehend willkürlich“, berichtet ein genervter Postkunde aus Bad Wilhelmshöhe. Vor Ort sei nie jemand als Ansprechpartner zuständig, und das Callcenter-System diene anscheinend eher dazu, Verantwortlichkeiten zu verwirren, als Kundenbeschwerden ernsthaft nachzugehen. Es sei deshalb wichtig, Beschwerden gegen die Post stets auch an die Kontrollbehörde zu senden.

Kontrollbehörde ist die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen. Die Agentur schützt Verbraucherrechte und ist verpflichtet, Beschwerden nachzugehen. Die Adresse: Bundesnetzagentur, Postfach 8001, 53105 Bonn. Telefon 0228 / 14 0, Telefax 0228 / 14 88 72, E-Mail info@bnetza.de (ach)

Download: Beschwerdeformular

Zusteller im Urlaub oder krank

Post hatte in den vergangenen Wochen mit hohem Krankenstand zu kämpfen

In den vergangenen Wochen habe es in fünf von 76 Standorten zur Postverteilung in der Region Probleme gegeben, räumt Post-Pressesprecher Thomas Kutsch ein. Mitten in der personell ohnehin knappen Urlaubszeit habe ein Krankenstand von zehn Prozent die Probleme ausgelöst. „Deshalb kamen wir nicht mehr klar“, sagt Kutsch. Betroffen waren in Kassel die Bereiche Innenstadt sowie Harleshausen, außerdem Baunatal, Guxhagen und Fulda.

In den 76 Standorten arbeiten insgesamt 1700 Postler, in den fünf betroffenen Zustellbereichen sind es 120 Mitarbeiter. Wenn davon viele in Urlaub seien und jeder zehnte krank, könne sich jeder die schwierige Lage vorstellen, wirbt Kutsch um Verständnis. Die Post habe reagiert und zehn Studenten zusätzlich als Aushilfen eingestellt. Dass auch mangelnde Einarbeitung und schlechte Bezahlung der Aushilfen mit ein Grund für die Probleme in der Postzustellung gewesen sein könnten, weist Kutsch zurück.

Die Hilfskräfte würden ein bis zwei Wochen gründlich in ihre Arbeit eingewiesen. Bezahlt werde ein Mindestlohn von neun Euro, die meisten der ungelernten Kräfte würden zehn bis elf Euro pro Stunde verdienen und seien sozial abgesichert. Mit der Personalaufstockung „sind die Probleme gelöst“, sagt Kutsch. Zudem seien inzwischen viele Kranke wieder gesund und an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Allerdings habe die Zustellung gelitten, „dafür müssen wir uns entschuldigen“. Die Probleme seien aber „kein Massenphänomen“. (ach)

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