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Stillstand am Kasseler Olof-Palme-Haus

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Von: Anna Lischper

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Eine Narzisse wächst inmitten von Unkraut und Müll am Olof-Palme-Haus.
Ein wichtiger Treffpunkt verkommt: Das Olof-Palme-Haus in Süsterfeld/Helleböhn ist marode und kann seit Jahren nicht genutzt werden. Zuvor besuchten jährlich 70 000 Menschen das Haus und mehr als 4000 Veranstaltungen fanden im Jahr statt. © Anna Lischper

Familienfeste könnten gefeiert werden, Kurse stattfinden, es könnte ein Treffpunkt für Kinder und Jugendliche auch über die Stadtteilgrenzen hinaus sein – so wie es das Olof-Palme-Haus an der Eugen-Richter-Straße einmal war. Stattdessen herrscht hier Stillstand. Das Gebäude ist zerfallen und die Fläche um das Haus verwahrlost.

Süsterfeld/Helleböhn – „Endlich passiert etwas“, sagte Ortsvorsteher Helmut Alex im Juli vergangenen Jahres, als das Kasseler Rathaus nach zwei Jahren Hängepartie entschied, das Haus werde abgerissen und an selber Stelle neu aufgebaut. Fast ein Jahr später steht Alex inmitten eines vermüllten und verschmutzten Areals und stellt fest: Sichtbar passiert ist seitdem nichts.

Im Juli hatte die Stadt angekündigt, Gespräche mit den bisherigen Nutzern führen zu wollen. Jetzt hieß es aus der Pressestelle: Gemeinsam mit der VHS Region Kassel seien in einem „ämterübergreifenden Abstimmungsprozess“ Ideen und Anforderungen an künftige Nutzungen entwickelt und zusammengetragen worden. Die wiederum seien Grundlage für Bedarfsplanung und Aufstellung eines Raum- und Funktionsprogramms. Erst danach könne man sich zu den Kosten für den Neubau äußern.

Indessen prüfe das städtische Hochbauamt derzeit, ob das Gebäude komplett abgerissen werde. Oder, ob das Kellergeschoss in einen Neubau integriert werden könne. „Erst nach Abschluss der Prüfung kann eine Aussage zum Zeitplan und zu den Kosten eines Abbruchs getroffen werden“, so ein Sprecher.

Er wolle nicht auf die Stadt schimpfen, sagt Helmut Alex, sondern formuliert es als Appell: „Wir müssen jetzt mal vorankommen. Wir brauchen Investoren.“ Interessenten dafür gebe es, merkt er an, ohne Namen nennen zu wollen. Doch dafür müsse man eben erst einmal wissen, was der Abriss überhaupt koste und was die Planung. Wehmütig merkt er an, dass ja vor einigen Jahren bereits 300 000 Euro im Haushalt für die Brandschutzsanierung des Hauses vorgesehen waren. „Die könnten wir jetzt gut gebrauchen.“

Um die Vorstellungen von VHS, Familienzentrum und Bürgern unter ein Dach zu kriegen, biete der Standort viele Möglichkeiten, sagt Helmut Alex. Gemeinschaftsräume, Gruppenräume und Küche, wie es sie auch in der Vergangenheit gab, und vielleicht sogar einen Bereich für Kindertagesbetreuung wären aus seiner Sicht wünschenswert.

Helmut Alex Ortsvorsteher
Helmut Alex Ortsvorsteher © Anna Lischper

Und: „Früher gab es hier mal eine Kneipe. Es wäre schön, wenn es wieder eine gäbe, als Dienstleister des Hauses, der auch der VHS mal einen Kasten Wasser hinstellen kann.“ Die versiegelte Fläche hinter dem Haus, die zuletzt der Parkplatz war, könnte man zur Bürgerfläche umfunktionieren – „etwa mit fest installierten Stehtischen. Die Pandemie hat uns gezeigt, dass Treffen auch draußen stattfinden können“. Die Höhe des Kellers auf der Südseite, spinnt er weiter, könnte man nutzen als tiefergelegten Parkplatz. Passend dazu hätte er den Eingang des Bürgerhauses künftig gern auf der Nordseite – „damit das Haus den Bürgern zugewandt und von Stadtseite besser einsehbar ist“.

Von Anna Lischper

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