Frankfurter Straße

Das Weinberg-Geheimnis: Woher kommt das Loch?

Ausbau der zum Beamtenviertel unterhalb des Weinbergs führenden Beamtenlaufbahn: 1926 wurde die Straße unterhalb des Weinbergs ausgebaut. Die Straßenbahn forderte Raum. Archivfoto:  nh

Kassel. Das Loch am Weinberg auf der Frankfurter Straße bewegt weiter die Gemüter. Am Wochenende war aufgefallen, dass sich der Straßenbelag auf der rechten Fahrspur stadteinwärts auf einer Fläche von circa zwei Metern Durchmesser zum Teil um 20 Zentimeter abgesenkt hatte.

Seit Montag sind Fachleute auf der fieberhaften Suche nach den Ursachen für die Schadstelle.

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Baugrundgutachter sind zurzeit mit Spezialgeräten damit beschäftigt zu untersuchen, wie verdichtet der Boden unter dem Straßenbelag ist. Auch das Umfeld der Schadstelle werde untersucht, sagt Stadt-Sprecher Ingo Happel-Emrich: Wir haben keine Hinweise darauf, dass weitere Absenkungen drohen. Es scheint sich um ein punktuelles Problem zu handeln.“ Die Untersuchungen dauerten an. Mit ersten Ergebnisse rechnet die Stadt am Donnerstag.

Für die Zeit der Erdarbeiten sind die zwei rechten Fahrspuren der Frankfurter Straße an dieser Stelle noch bis nächste Woche über mehrere Meter gesperrt. Da nur ein Fahrstreifen für den Straßenverkehr verbleibt, muss zu den Stoßzeiten mit Behinderungen gerechnet werden.

Arkaden wurden gefüllt

Noch mehr Löcher: Mit Probebohrungen erkundet Karl-Heinz Lengtat die Fahrbahn auf eventuell weitere Hohlräume. Foto:  Malmus

Derweil erreichen die HNA Auskünfte von vielen Kasselern, die die Örtlichkeit Weinberg gut kennen: „Die Frankfurter Straße wurde an dieser Stelle mehrfach, zuletzt 1977, umgebaut und verbreitert“, sagt der Stadtteil-Historiker Heinz Körner. Er vermutet darin auch die Ursache für das Loch in der Straße. Oberhalb der Hofbleiche war die Frankfurter Straße mit Arkaden abgestützt, die gefüllt wurden. Historische Keller habe es an dieser Stelle nicht gegeben.

Auch Ingenieur Wolfgang Rausch aus Kassel vermutet, dass die diversen Umbauten der Straße die Ursache für die Absenkung sein könnten. „Das Viadukt unter der Straße wurde nur gefüllt, nicht abgerissen.“

„Unter der Frankfurter Straße gibt es viele Hohlräume“, sagt auch Helmut Lutze (72) aus Kassel. Er habe in den Arkadenbögen, mit denen die Straße unterhalb des Weinbergs abgestützt wurde, gespielt. „Vielleicht sind die nicht richtig aufgefüllt worden, als sie verschlossen wurden.“ Auch der gleichaltrige Gerhard Schnasse aus Habichtswald kennt das Areal aus früheren Zeiten. „Ich bin dort groß geworden.“ Auch er vermutet, dass nicht ausreichend dicht verfüllte Hohlräume nachgegeben haben.

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Führungen durch den Weinberg

Heinz Körner, der Stadtteil-Historiker, Buchautor und Kenner der Kasseler Südstadt, insbesondere der Weinberg-Historie, vermutet hinter der Absenkung der Frankfurter Straße „kein gravierendes Problem“. Stollen, Keller und Bunker habe es nur im Bereiche des Weinbergs gegeben, nicht aber unter der Frankfurter Straße. Er vermutete, dass die verfüllten Arkaden unterhalb der Straße im Zusammenhang mit dem Loch am Weinberg stehen könnten.

1927 habe es eine erste große Straßenerweiterung der Frankfurter Straße und 1977 eine zweite um zehn Meter gegeben.

Heinz Körner hält am heutigen Mittwoch, 16 Uhr, einen Vortrag zum Weinberg: Kommissionszimmer 1 des Rathauses, zum Thema „Vom Trümmerhang zum Kulkturdenkmal“, Eintritt ist frei.

Am Sonntag, 25. August, ab 15 und ab 17 Uhr bietet Körner zusammen mit dem Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr in Kassel Bunkerführungen im Weinberg an. Anmeldung erforderlich unter Tel. 0561/493001, Treffpunkt ist auf dem Weinberg, Bauplatz Grimm-Welt. Am Mittwoch 28. August, 16 Uhr, gibt es eine Abschlussdiskussion zum Thema Weinberg. (chr)

Bilder des Loches

Straße sackt ein - das Loch am Weinberg

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