Weitere Unterkunft für Flüchtlinge in Kassel

Kassel. Immer mehr Menschen flüchten aus ihren Heimatländern nach Deutschland. Auch die Zuweisungsquote für Kassel wurde in diesem Herbst deutlich erhöht. Hier hoffen derzeit über 300 Menschen auf Asyl.

Seit Kurzem verfügt die Stadt Kassel über eine weitere Unterkunft für Asylbewerber. In einem angemieteten Haus Im Druseltal 93 können über 100 Menschen Platz finden, erläutert der Leiter des Sozialamtes Detlev Ruchhöft.

Bis zum Frühjahr 2013 könne man die steigende Zahl der Flüchtlinge hier erst einmal aufnehmen. „Wir gehen davon aus, dass der Zuwanderungsdruck zunehmen wird“, sagt Ruchhöft. Wegen steigender Flüchtlings-Zahl wurde im Oktober Kassels Aufnahme von 64 auf 107 Personen erhöht. Im ersten Halbjahr kamen 61 Flüchtlinge nach Kassel.

Mit 134 Asylbewerbern ist die bisher einzige Gemeinschaftsunterkunft Jägerkaserne an der Ludwig-Mond-Straße längst voll belegt. Wie bereits bei der Jägerkaserne übernimmt der Caritas-Verband in der neuen Unterkunft im Druseltal die soziale Betreuung. Mit dem Ortsbeirat habe man sich über den Standort, der über eine gute Verkehrsanbindung verfüge, abgestimmt, sagt Ruchhöft. Auf die Suche der Stadt nach Unterkünften hätten sich einige Interessenten gemeldet.

Dabei seien Wohnungen gewesen, die man vor allem für Familien suche. Asylsuchende kommen aus Syrien, dem Irak, Iran, Afghanistan, Serbien, Mazedonien, Bosnien oder dem Kosovo. „Es braucht ganz viel Leidensdruck, um seine Heimat zu verlassen, seine Wurzeln aufzugeben und sich in ein ganz fremdes System einzufinden“, sagt Jutta Bohnen, Sozialarbeiterin vom Migrationsdienst des Caritas Verbands Nordhessen-Kassel, die die Familien betreut und Hilfen vermittelt.

Viele Flüchtlinge kämpften auch mit Traumata durch Inhaftierung, Folter und Vergewaltigungen. „Sie leben noch immer in der Angst, dass sie wieder zurück müssen“, sagt die Soziologin. Extrem gestiegen ist die Zahl der Asylbewerber aus Somalia. Bei diesen Flüchtlingen und Menschen aus anderen afrikanischen Staaten gehe es meist ums nackte Überleben.

Von Martina Heise-Thonicke

Hintergrund: Zuweisungen vom Land steigen

Insgesamt leben nach Angaben der Stadt in Kassel zurzeit 332 Asylbewerber, davon sind 134 in der Gemeinschaftsunterkunft ehemalige Jägerkaserne untergebracht. Im vergangenen Jahr waren der Stadt Kassel vom Land Hessen insgesamt 120 Flüchtlinge zugewiesen worden. Dem Kreis wurden dieses Jahr 280 Menschen vom Land zugewiesen.

Insgesamt sind es derzeit über 600 Flüchtlinge. Untergebracht sind sie im ehemaligen Freizeitheim Rotte Breite in Nieste, in einem Asylheim in Ihringshausen und dem ehemaligen Hotel Rosengarten in Vellmar. Auch die ehemalige Pommern-Kaserne in Wolfhagen soll Ende Januar nach einem Umbau zur Verfügung stehen. (hei)

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