Eine Holding der anderen Art

Well Development investiert in erneuerbare Energie und gesunde Ernährung

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Künftiger Sitz der Well-Gruppe und Theatersaal für Schul- und freie Gruppen aus Kassel und Umland: das Gebäude Untere Karlsstraße 14. Investor ist Uwe Kleinkauf, der die Immobilie an seine Well Development Holding und Well Being Stiftung vermieten wird. 

Kassel. Die Well Development Holding mit der zugehörigen Well Being Stiftung hat bald einen neuen Sitz in Kassel: Er entsteht an der Unteren Karlsstraße.

Von der Öffentlichkeit kaum beachtet entsteht in der Unteren Karlsstraße/Ecke Seidenes Strümpfchen ein architektonischer Hingucker in bester Innenstadtlage. Das große, zum Teil vierstöckige Gebäude mit großen Glasfassaden und lichtdurchfluteten Räumen, die in den oberen Etagen den Blick übers Kasseler Becken bis weit auf die umgebenden Mittelgebirgszüge freigeben, ist kein gewöhnliches Geschäftshaus.

Denn neben der Well Development Holding (gute Entwicklung) und der zugehörigen Well Being Stiftung wird der Bau künftig eine moderne Spielstätte für freie und Schultheatergruppen der Stadt beherbergen, die die Stiftung den jeweiligen Gruppen und Initiativen kostenfrei zur Verfügung stellt.

Holding investiert in erneuerbare Energie und gesunde Ernährung

Hinter beiden – der gewerblichen Holding und der gemeinnützigen Stiftung – stehen Uwe Kleinkauf und Ehefrau Kirstin Homburg-Kleinkauf sowie Professor Dr. Werner Kleinkauf, der Mitbegründer von SMA und Mitinhaber des Niestetaler Solartechnik-Herstellers. Das Geld, mit dem die Gruppe arbeitet, stammt aus dem SMA-Börsengang im Jahr 2008 und einem späteren, abgestimmten Anteilsverkauf.

Die Holding, unter deren Dach die Kleinkaufs ein Dutzend Beteiligungen bündeln, ist kein gewöhnliches Unternehmen. Sie investiert ausschließlich in Projekte aus dem Bereich der regenerativen Energien und der gesunden Ernährung sowie über die Beteiligungsgesellschaft Little Rock in Neugründungen (Startups) aus dem Bereich Industrie 4.0/Digitalisierung. „Unsere Beteiligungen sind langfristig und auf nachhaltiges Wachstum angelegt“, erklärt Uwe Kleinkauf.

Der 49-Jährige, der an der Kasseler Goetheschule Abitur machte, an der Uni Kassel Betriebswirtschaft und in Braunschweig Elektrotechnik studierte und lange Jahre bei SMA Finanzen und Risikomanagement verantwortete, ist bei der Auswahl der finanziellen Engagements wählerisch. „Wir investieren in Themen, die uns wichtig sind, die wir für sinnvoll halten und die unsere Zufriedenheit steigern“, erklärt er. Natürlich habe man bei allen Geschäften Gewinnerzielungsabsichten, „um den schnellen Euro geht es uns aber nicht“, versichert er.

Das Ziel: Arbeitsplätze schaffen

Ziele der Holding mit ihren 15 Mitarbeitern sind seinen Angaben zufolge Investitionen in den realwirtschaftlichen Kreislauf und die Schaffung von Arbeitsplätzen. „Wir wollen bleibenden Mehrwert für die Gesellschaft schaffen“, sagt Kleinkauf und zeigt damit den Unterschied zu reinen Aktien- und Kapitalinvestments auf, bei denen es allein um Gewinnmaximierung geht – ohne positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die Holding begleitet und unterstützt die Unternehmen bei Geschäftsaufbau und Wachstum.

Das neue Gebäude in der Unteren Karlsstraße, das Kleinkauf 2015 vom Deutsch-Türkischen Moscheeverein erwarb, fristete bis vor Kurzem ein Mauerblümchendasein. Nun wird es „das neue Zuhause der Well-Gruppe“, wie Kleinkauf es formuliert, und soll die Offenheit und Transparenz von Holding und Stiftung widerspiegeln.

Zuletzt wurde das 1956 von Stararchitekt Paul Bode entworfene Gebäude als Nussrösterei, ursprünglich als Obst- und Gemüsehandel genutzt. Im Spätsommer will Kleinkauf einziehen.

Beteiligungen bei lokalen Projekten in Hessen

Die Beteiligungen der Well Development Holding beschäftigen in Summe 230 Mitarbeiter. Die bekannteste ist der Kasseler Renthof, den Kleinkauf und Gastronom Rainer Holzhauer (Grischäfer) gemeinsam in mühevoller Kleinarbeit und mit viele Liebe zum Detail zu Kassels schönstem Hotel mit internationalem Flair umgebaut haben. Holding und Holzhauer halten je 50 Prozent der Geschäftsanteile. Gemessen an der Mitarbeiterzahl größte Beteiligung ist der Kasseler Bio-Caterer Biond, der viele Schule und Kitas in der Region und deutschlandweit mit preiswerten Öko-Menus beliefert. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 70 Mitarbeiter. Well Development hält eine Mehrheitsbeteiligung. 

Vielseitiges Engagement Außerdem hat Kleinkauf unter anderem in den Hessisch-Lichtenauer Kraftwerksbauer Seeger Engeneering, in ein Biohotel am Voralberg, in den Kasseler Handel mit ayurwedischen Lebensmitteln Desha und in den Anbieter gesunden Fastfoods, Ben Green um Fernsehkoch Steffen Henssler, investiert. Zu den Beteiligungen gehören auch das Fuldataler Startup drywoodboxx, das ein neuartiges, energiesparendes Verfahren zur Trocknung von Holz entwickelt hat, sowie Immobilienprojekte. 

Well Development strebt nach Angaben Kleinkaufs keine 100-prozentigen Beteiligungen an. Vielmehr gehe es darum, gemeinsam mit den Firmensinhabern und Gründern Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Die Holding unterstützt die Unternehmer mit Strategien, Controlling, Buchhaltung, Banking, IT, Web-Design sowie im Bereich Recht und Steuern. Nach Investments suchen muss Kleinkauf nicht. „Die meisten kommen auf uns zu“, berichtet er.

Das ist die Well Being Stiftung

Die Well Being Stiftung (Wohlfühlstiftung) hat sich zum Ziel gesetzt, Kinder- und Jugendhilfeprojekte und -Initiativen in Nordhessen „langfristig und berechenbar“ zu unterstützen, in dem sie Personal stellt und finanziert. Beispiele sind die Skater-Initiative Mr. Wilson, der integrative Zirkus Zirkutopia, die Freestyle-Halle und die Kopiloten, die Kinder und Jugendliche auf (politischen) Bildungsreisen begleiten. 

Außerdem organisiert Well Being Seifenkisten- sowie Kajakbau-Workshops und Segeltörns für benachteiligte Kinder und Jugendliche. „Die Wechselwirkung zwischen wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Engagement tut einfach gut“, sagt Kleinkauf. Auch die Mitarbeiter profitierten, weil sie in ihrer Tätigkeit einen Sinn sähen. Professor Dr. Werner Kleinkauf finanziert mit der nach ihm benannten Stiftung Professuren im Bereich der Erneuerbaren Energien und Energie-Effizienz an die Universität Kassel. 

Das Theaterprojekt der Well Being Stiftung

Das Theaterprojekt der Well Being Stiftung in der Unteren Karlsstraße ist ehrgeizig und dürfte bundesweit einmalig sein. Eine große Bühne, moderne Beleuchtungs- und Beschallungstechnik, Platz für 120 Zuschauer auf der Tribüne, Foyer, Ateliers, Umkleidekabinen, Sanitäranlagen, Garderoben- und Probenräume – der neuen Theaterspielstätte, die einmal den Namen Theaterzentrum Nord tragen könnte, wird es an nichts fehlen. Hobby-Schauspieler dürften dort ideale Bedingungen für ihre Freizeitbeschäftigung und auch der Nachwuchs im Bereich der Bildenden Künste eine neue Heimat finden. 

Stadt und Land wollen sich finanziell und personell am Theaterspiel- und Kunstbetrieb beteiligen. Außerdem soll das Theater- und Bürogebäude hinter der Commerzbank, in direkter Nachbarschaft zum Kulturzentrum Dock 4 und einen Steinwurf vom Königsplatz entfernt für private und öffentliche Veranstaltungen geöffnet werden. Zu den Kosten des Gesamtprojekts macht Kleinkauf keine Angaben. Sie gehen in die Millionen. Bis zur Fertigstellung des Komplexes sitzt die Stiftung im Kulturbahnhof, die Holding in der ehemaligen Tapeten-Passage in der Kohlenstraße. Auch diese Immobilie hat Kleinkauf jüngst erworben.

Zur Person: Das ist Professor Dr. Werner Kleinkauf

Professor Dr. Werner Kleinkauf (79) ist einer der Wegbereiter der Erneuerbaren Energien und der Energiewende in Deutschland. Der Kasseläner, der am Albert-Schweitzer-Gymnasium Abitur machte und in Braunschweig Elektrotechnik studierte und promovierte, wandte sich bereits Anfang der 1970er-Jahre alternativen Energien zu, insbesondere der Windenergie. Dafür wurde er anfänglich von vielen Kollegen belächelt, wovon sich der Visionär aber nicht beirren ließ. 

1976 trat der damals erst 37-Jährige seine Professur an der Gesamthochschule Kassel im Bereich Leistungselektronik an, wo er Anfang der 1980er-Jahre die Regeltechnik für die erste deutsche Großwindanlage Growian entwickelte. Dass die ein Flop wurde, lag allerdings nicht an seiner Hochleistungselektronik, sondern an fehlerhaften Schweißnähten der 100 Meter hohen Ungetüme. Jedenfalls war mit dem Growian der Grundstock für die heutige Windenergietechnik gelegt. 1988 gründete Kleinkauf das Vorgängerinstitut des Fraunhofer-Instituts Iwes, das Kassel einen weltweiten Spitzenplatz in der Windenergieforschung sicherte.

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