Treffen am Samstag für betroffene Familien in Kassel

Welt-Down-Syndrom-Tag: „Ein absolutes Wunschkind“

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Zusammen glücklich: Baby Maja hält ihre Mütter Martina Ross (links) und Sonja Müller-Ross (rechts) auf Trab.

Kassel. „Maja ist ein Wunschkind“, sagt Martina Ross. „Ein absolutes Wunschkind“, betont Sonja Müller-Ross, die das kleine Mädchen vor 17 Monaten zur Welt gebracht hat. Ein Porträt zum Welt-Down-Syndrom-Tag.

Dass Maja, die still vergnügt im elterlichen Wohnzimmer auf dem Holzfußboden sitzt und alles erkundet, was sich in ihrem Umfeld greifen lässt, fröhlich und wohlauf ist, ist für die kleine Familie keine Selbstverständlichkeit. Ein wochenlanger Krankenhaus-Aufenthalt, bei dem Maja mit vier Monaten am Herzen operiert wurde, liegt hinter ihnen.

Maja ist mit Down-Syndrom geboren worden. „Über 60 Prozent dieser Kinder haben einen angeborenen Herzfehler“, sagt Martina Ross (40), eine Förderschullehrerin, die mit Sonja Müller-Ross, (40), einer Polizistin, seit drei Jahren verheiratet ist. Beide Frauen arbeiten in Teilzeit, sodass Maja rund um die Uhr von mindestens einer ihrer Mütter versorgt werden kann. Sie seien schon immer ein gutes Team gewesen, sagen die Frauen.

Majas Vater ist kein anonymer Samenspender, erzählen sie, sondern ein Bekannter der beiden lesbischen Frauen. „Wir sind eine komplette Familie“, sagt Sonja Müller-Ross und lacht. Von Majas Vater werde als real existierende Person gesprochen. „Wir glauben, dass das wichtig für Majas Identitätsfindung ist.“ Außerdem gehört noch Hund Paula, ein wuscheliger Puli-Mix aus dem Tierheim, zur Regenbogenfamilie.

Während der Schwangerschaft wollte Sonja Müller-Ross zunächst keine pränatale Untersuchung durchführen lassen. Als die Gynäkologin um die 20. Schwangerschaftswoche aufgrund der Ultraschalluntersuchungen bei dem Baby einen Herzfehler vermutete, wollten die Frauen Gewissheit und ließen nach langem Zögern eine Fruchtwasseruntersuchung machen. Der Pränataldiagnostiker konfrontierte sie schließlich ohne Vorwarnung am Telefon mit der Diagnose Trisomie 21, Down-Syndrom. „Wissen Sie denn schon, wie Sie sich entscheiden?“, fragte der Mediziner Sonja. „Wovon reden Sie, etwa von einer Abtreibung?“, fragte sie zurück. Er antwortete: „Ja.“

Auch später konsultierte Ärzte seien wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass die Eltern eine Abtreibung wünschen. Eine Entscheidung, die von 95 Prozent aller Eltern mit der Diagnose Trisomie 21 gefällt wird, sagt Martina Ross.

Doch das war für die beiden Frauen zu keinem Zeitpunkt ein Thema. „Wer sind wir denn, dass wir über Leben und Tod entscheiden?“, sagt Sonja Müller-Ross. In den folgenden Schwangerschaftsmonaten habe sie ein besonders zärtliches und behutsames Verhältnis zu ihrem ungeborenen Kind entwickelt, erzählt sie.

„Maja hat uns gelehrt, dass das Leben ein Wunder ist.“

Maja, die sich aufgrund ihrer behinderungsbedingten Muskelschwäche langsamer entwickeln wird als die meisten anderen Kinder, bewegt sich geschmeidig wie ein Kätzchen, aber sie fängt erst jetzt an, sich aufzurichten. Auch sprechen wird sie später lernen, wissen ihre Mütter und ebenso, dass sie wahrscheinlich kein Abitur machen wird. Doch Maja habe sie gelehrt, dass das Leben ein Wunder ist, sagt Sonja: „Dass alles einen tieferen Sinn hat und es eine höhere Macht geben muss.“

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