Kasseler Hochschule will mehr Studenten für Auslandssemester motivieren

Von der Uni in die Welt

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Hat den Schritt ins Ausland gewagt: Der Kasseler Student Christopher Clausen hat ein Semester im schwedischen Göteborg eingelegt. Während der sechs Monate hat er über das Erasmus-Stipendium 190 Euro Zuschuss bekommen.

Kassel. Erasmus wird 25: Der niederländische Humanist aus Rotterdam, nach dem das europäische Austauschprogramm für Studenten benannt ist, hat natürlich 500 Jahre mehr auf dem Buckel.

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Ein Vierteljahrhundert ist es aber her, dass zum ersten Mal Studenten mit dem Erasmus-Stipendium ins europäische Ausland gingen.

Im ersten Jahr nahmen in Kassel ein bis zwei Dutzend Studenten aus dem Fachbereich Anglistik und Romanistik teil. Die Zahlen sind seitdem kontinuierlich gestiegen. Etwa 130 Studierende der Uni Kassel gehen derzeit pro Jahr für ein oder zwei Auslandssemester an eine der 250 Partner-Unis in 31 Ländern. Die Bandbreite reicht von Belgien bis Zypern und von Island bis Rumänien.

Sarah Guttenhöfer

Trotz der steigenden Teilnehmerzahl ist der Anteil der Studenten, die das Erasmus-Stipendium in Anspruch nehmen, in Kassel vergleichsweise gering. Mit einer Quote von knapp 0,7 Prozent im Mittel der vergangenen Jahre wagt also nicht einmal jeder 100. Student den Schritt ins Ausland. Zum Vergleich: An der Uni Göttingen legten 2,2 Prozent der Studenten ein Auslandssemester ein, in Marburg 1,7 Prozent. Der Bundesschnitt lag zuletzt bei 1,2 Prozent.

Deshalb hat die Uni Kassel das Projekt „Go International!“ ins Leben gerufen. Ziel dabei ist, die Auslandsmobilität der Studierenden zu erhöhen, sagt Projektleiterin Sarah Guttenhöfer vom International Office der Hochschule. Um mögliche Hemmnisse herauszufinden, soll eine Umfrage unter Studierenden gemacht werden. „Viele denken: Das ist ein Stipendium, das kriege ich eh nicht“, sagt Sarah Guttenhöfer.

Leistungen anerkannt

Bei Erasmus gehe es aber nicht um Förderung von Hochbegabung. „Man muss kein Überflieger sein, bewerben lohnt sich.“ Außer in den sprachlichen Studiengängen, wo Auslandssemester Pflicht seien, seien die Chancen auf Erfolg sehr hoch. Viele Studierende hätten zudem Sorge, dass sie durch den Auslandsaufenthalt Zeit verlören und Studienleistungen nicht anerkannt würden. Es werde aber im Vorfeld mit der Partneruni abgesprochen, welche Kurse dort belegt werden, sodass die ECTS-Leistungspunkte in der Regel gewährleistet seien.

Um die Schwelle zum Auslandssemester noch niedriger zu machen, wolle man in dem neuen Projekt aber auch ein Konzept für ein „Mobilitätsfenster“ im Studium erarbeiten. Also ein Semester festlegen, in dem Studenten ins Ausland gehen können, ohne befürchten zu müssen, eine Pflichtveranstaltung in Kassel zu verpassen.

Sarah Guttenhöfer, die selbst während des Studiums ein Semester in Schweden verbracht hat, rät allen Studierenden, auf die wertvolle Erfahrung nicht zu verzichten. Auslandssemester machten sich nicht nur im Lebenslauf gut. Abgesehen von fachlichen und sprachlichen Kenntnissen profitierten die meisten auch in ihrer persönlichen Entwicklung. Nicht zuletzt entstünden häufig Freundschaften fürs Leben, weiß die 31-Jährige. „Es sind schon Ehen durch Erasmus entstanden.“

Von Katja Rudolph

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