Vor und nach der Bombennacht

Historische Fotos vom alten Kassel – Bisher unveröffentlichte Bilder entdeckt

Schwer beschädigt, aber nicht komplett zerstört: die Ruine des Theaters nach dem Krieg.
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Schwer beschädigt, aber nicht komplett zerstört: die Ruine des Theaters nach dem Krieg.

Bislang noch unveröffentlichte Fotos vom alten Kassel sind aufgetaucht. Sie zeigen die Stadt vor der Bombennacht im Zweiten Weltkrieg.

Kassel – Diese Fotos gehören an die Öffentlichkeit. Davon ist die Kasseler Zahnärztin Dr. Binja Rassner eigentlich schon länger überzeugt. Jedes Mal, wenn sie die historischen Aufnahmen von Kassel im Freundes- und Verwandtenkreis gezeigt hat, gab es entsprechende Kommentare. Die Fotos seien doch richtig gut und auch für andere interessant. „Ich habe die Bilder dann wieder in den Schrank gelegt und nicht mehr groß darüber nachgedacht“, sagt sie.

Bei jedem historischen Foto und Artikeln über die Bombennacht in der HNA war das Thema aber wieder da. Zumindest kurzfristig. Jetzt hat sie endlich zum Telefonhörer gegriffen und bei einem Treffen die Geschichte zu den Bildern erzählt. „So gut ich es noch weiß, ich kenne ja vieles nur aus zweiter Hand“, sagt sie.

Das Preußische Staatstheater: Der prachtvolle Bau markierte den Übergang vom Friedrichsplatz zur Aue.

Fotos vom alten Kassel: Arwed Kaess macht im Zweiten Weltkrieg Aufnahmen

Fest steht, dass ihr Opa Arwed Kaess, der 1903 geboren wurde und 1969 starb, seine Heimatstadt Kassel in- und auswendig kannte. Gearbeitet hat er bei Kadruf in Bettenhausen. Das Kürzel steht für Kasseler Druckerei und Färberei. Auf dem früheren Gelände der Firma, die in finanzielle Schieflage geriet und 1965 in Konkurs ging, gibt es heute einen Gewerbepark.

Arwed Kaess war oft mit seinem besten Freund, dem Schreiner Johannes Heicken, unterwegs. Beide wohnten an der Wilhelmshöher Allee in Höhe des heutigen Standortes des Friedrichsgymnasiums an der Humboldtstraße.

Wenn die Freunde loszogen, hatte Arwed Kaess ganz oft einen Fotoapparat dabei. Und dann haben sie unter anderem markante Gebäude in der Kasseler Altstadt fotografiert, waren an der Fulda, rund um den Bahnhof, im Hohenzollernviertel (heute Vorderer Westen) und im Bergpark unterwegs. Wann genau die Fotos entstanden, das weiß Binja Rassner nicht.

Blick entlang der Bebauung am Friedrichsplatz: Hinten ist das Fridericianum zu sehen, das im Krieg zwar beschädigt, aber nicht zerstört wurde.
Trümmerlandschaft nach dem Krieg: Die Säulen des Fridericianums kann man immer noch erkennen.

Fotos vom alten Kassel aufgetaucht: Sie zeigen Stadt vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Aber es muss auf alle Fälle vor der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 gewesen sein. Denn die Fotos zeigen Kassel vor der Zerstörung. Mit intakten Altbauten und Straßenzügen. Nach dem Krieg haben die beiden Freunde ihre Spaziergänge dann zwischen den Trümmern der zerstörten Stadt wieder aufgenommen. Und sie haben den Ehrgeiz entwickelt, die Ruinen genau aus dem Blickwinkel aufzunehmen, der auf den Vorkriegsfotos auch zu sehen war.

Bislang wurden sie noch nie veröffentlicht. Wir haben die Fotos zu Vorher-/Nachheraufnahmen zusammengestellt, die zeigen, wie groß die Zerstörung im Krieg war. Man kann das etwa am Friedrichsplatz sehen, wo von der früheren Bebauung lediglich das Fridericianum und der Portikus vom heutigen Modehaus Sinn übrig geblieben sind. Das Theater wurde komplett abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. (Thomas Siemon)

Der Hauptbahnhof: So sah das Gebäude mit dem Vorplatz vor der Zerstörung im Oktober 1943 aus.
Die Nachkriegsansicht: Vor der Ruine des Hauptbahnhofs stehen Militärlaster der Amerikaner. Die Straßenbahn fährt wieder.

Vor einigen Wochen sind bereits Fotos vom alten Kassel aufgetaucht – in einer Wohnung in Berlin. Die Aufnahmen sind zum größten Teil Ende der 1930er-Jahre entstanden.

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