Im Schnitt zehn Prozent mehr Besucher

Weltkulturerbe Bergpark: Der Titel hilft bei Marketing

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Herausragend: Der Herkules als Krönung des Bergparks und der Wasserkünste hat beste Chancen, Ende Juni zum Weltkulturerbe ernannt zu werden.

Kassel. Wenn alles nach Plan läuft, ist der Bergpark Wilhelmshöhe Ende Juni Weltkulturerbe. Darauf haben der Verein Bürger für das Welterbe, das Land, das für den Herkules und die Wasserspiele viele Millionen investiert, und auch die Stadt seit Jahren hingearbeitet.

Doch was bringt der Welterbetitel eigentlich? Ist er nur schmückendes Beiwerk oder kann man damit auch Geld verdienen?

Ein Selbstläufer sei der Titel auf keinen Fall, sagt Thomas Bracht, der für Tourismus und Marketing in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) zuständig ist. Der Titel helfe auf jeden Fall bei der Vermarktung der Fachwerkstadt. Vor zu großen Erwartungen warnt er allerdings auch. Gegenüber traditionellen Touristenmagneten wie Heidelberg oder Rothenburg ob der Tauber könne Quedlinburg nicht mithalten.

Fachleute gehen davon aus, dass der Kölner Dom mit jährlich 5,5 Millionen Besuchern oder die Museumsinsel in Berlin auch ohne Welterbetitel ihre Spitzenstellung in der deutschen Besuchergunst halten würden.

Kassel hat dagegen noch Luft nach oben. „Es gibt einen internationalen Welterbetourismus, der den Bergpark noch entdecken kann“, sagt Prof. Bernd Küster, der Leiter der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Insbesondere aus dem asiatischen Raum seien mehr Besucher zu erwarten.

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Fachleute empfehlen Bergpark als Welterbe

In Euro und Cent sind die Auswirkungen nur indirekt zu berechnen. Der Verein Unesco-Welterbestätten Deutschland hat für seine 37 Mitglieder einige Fakten zusammengetragen.Rund 50 Millionen Besucher sehen sich demnach die deutschen Stätten an. Das seien überwiegend Tagestouristen, die im Schnitt 30 Euro am Zielort ausgeben. Bundesweit komme man auf einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Übernachtungen sind dabei nicht berücksichtigt.

Glück auf für die Kasseler Bewerbung“, wünscht die Geschäftsführerin der Grube Messel, Dr. Marie-Luise Frey. Auch sie hat die Erfahrung gemacht, dass der Welterbetitel durchaus zieht, aber nur ein Baustein für eine erfolgreiche Arbeit ist.

Nachdem die Grube mit ihren berühmten Fossilienfunden 1995 Weltnaturerbe geworden ist, hätten sich die Besucherzahlen in der ländlichen Region auf bis zu 60.000 pro Jahr mehr als verdoppelt. Dafür müsse man aber auch attraktive Ausstellungen und Aktionen machen.

Die deutschen Welterbestätten haben im Schnitt eine Steigerung der Besucherzahlen um zehn Prozent verzeichnet. Durch attraktive Besucherzentren, gutes Infomaterial und ansprechende Souveniers kann man nach Einschätzung der Welterbe-Fachleute auch da für Umsatz sorgen, wo kein Eintritt verlangt wird. Bei den Wasserspielen im Bergpark ist das so - und soll auf jeden Fall auch so bleiben.

Mehrere Titelträger in Hessen: Grimm-Bücher sind Welterbe

Das Kloster Lorsch im Kreis Bergstraße mit seiner berühmten Torhalle ist das älteste Welterbe in Hessen. 1991 gab es den Titel.

Das Obere Mittelrheintal von Rüdesheim und Bingen bis Koblenz gehört als Kulturlandschaft seit 2002 zum Welterbe.

Seit 2005 ist der Limes als Grenze des Römischen Reiches Welterbe. Ein Teil der historischen Befestigung verläuft auch auf hessischem Boden.

Der Bergpark Wilhelmshöhe mit den Wasserkünsten und dem Herkules könnte im Juni hinzukommen.

In Hessen gibt es zweimal den Titel Weltnaturerbe. Bereits seit 1995 trägt ihn die Grube Messel bei Darmstadt. Im Jahr 2011 kamen die naturbelassenen deutschen Buchenwälder hinzu. Ein Teil davon ist der Nationalpark Kellerwald-Edersee.

Zum Weltdokumentenerbe gehört seit 2001 der Stummfilm „Metropolis“ (1927) von Fritz Lang, der zur Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung (Wiesbaden) gehört.

Kassel hat bereits Welterbestatus. Die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm von 1812/1815 gehören seit 2005 zum Weltdokumentenerbe.

Von Thomas Siemon

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