Attentat auf den Jakobssegen 1977

Vor 40 Jahren wurde Museum im Schloss Wilhelmshöhe eröffnet

Wer näher rangeht, löst den Alarm aus: Oberaufseher Hans Kandler vor Rembrandts Jakobssegen. Nach einem Säureattentat 1977 ist das Bild ebenso wie andere Meisterwerke heute von einem kaum sichtbaren Sicherheitsglas geschützt. Fotos:  Schachtschneider

Kassel. Schloss Wilhelmshöhe hat schon so einiges erlebt. Nach der Teilzerstörung durch die Bomben des Zweiten Weltkriegs - seitdem hat das Schloss keine Kuppel mehr - gibt es ein Ereignis, das weit über Kassel hinaus für Furore gesorgt hat.

Im Oktober 1977 sorgte ein Säureanschlag auf eines der wichtigsten Werke der Sammlung Alte Meister für Entsetzen.

Ein geistig verwirrter Mann hatte den weltberühmten Jakobssegen von Rembrandt zerstören wollen. Das ist ihm nicht gelungen, weil die Restauratoren ganze Arbeit geleistet haben. Heute gehört der Jakobssegen neben der Saskia zu den Publikumsmagneten in der Galerie Alte Meister, die seit nunmehr 40 Jahren in Schloss Wilhelmshöhe beheimatet ist.

Aus diesem Anlass wurde gestern mit zahlreichen Aktionen im und vor dem Schloss gefeiert. Die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) hatte ein umfangreiches Programm mit Führungen und Kinderprogramm auf die Beine gestellt. Immer wieder zogen Gruppen durch die Gemäldegalerie, das Depot, die Restaurierungswerkstatt, die Graphische und die Antikensammlung.

Ein wachsames Auge auf die Besucher hatten Oberaufseher Hans Kandler und seine Kollegen. Einen so gravierenden Zwischenfall wie im Jahr 1977 habe es zum Glück nie wieder gegeben, sagt Kandler. Der 58-Jährige hat viel Erfahrung und findet immer die richtige Mischung aus freundlicher und dennoch bestimmter Ansprache.

Viele jüngere Menschen hätten kaum oder gar keine Museumserfahrung, sagt er. Das habe sich in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr in diese Richtung entwickelt. Dabei seien die Verhaltensregeln im Museum ganz einfach. „Nicht essen, nicht trinken, nichts anfassen. Wer das beherzigt, macht schon mal vieles richtig“, sagt der Oberaufseher.

Doch auch ältere Menschen sorgen mitunter dafür, dass er eingreifen muss. „Manche sehen schlecht und gehen dann zu nah an die Gemälde heran“, sagt er.

Seit dem Säureattentat vor 37 Jahren sind nicht nur im Schloss Wilhelmshöhe die Sicherheitsvorkehrungen erheblich verschärft worden. Der Attentäter beschädigte damals unter anderem wertvolle Bilder in Hamburg, Lübeck, Essen und Dortmund, ehe er gefasst wurde. Darunter waren Gemälde von Dürer, Paul Klee und Lucas Cranach dem Älteren.

Alarmanlage

Heute sind die Alten Meister deutlich besser geschützt als damals. Wenn man ganz genau und von der Seite hinsieht, dann erkannt man zum Beispiel vor dem Jakobssegen eine Glasscheibe. „Die spiegelt nicht und ist sehr stabil“, sagt Oberaufseher Kandler. Wann das Alarmsystem auslöst, verrät er nicht. Nur so viel: Man sollte nicht zu dicht an die Bilder herangehen und sie auf keinen Fall berühren.

Von Thomas Siemon

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