Bergpark nach dem Welterbe-Titel: Mehr Besucher, aber auch mehr Müll

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Sie lernen in einer ganz besonders schönen Umgebung: Die Azubis Lena Vollbracht (links) und Vanessa Flörke pflegen ein Beet vor dem Gewächshaus. Fotos: Zgoll

Kassel. Es sei schon etwas ganz Besonderes, in einer Weltkulturerbestätte zu arbeiten, sagt Lena Vollbracht. „Da wählt man die Pflanzen noch gewissenhafter aus.“ Vollbracht ist Auszubildende in der Gartenabteilung des Bergparks Wilhelmshöhe.

In diesen Tagen ist die 240 Hektar große Fläche für die Osterfeiertage herausgeputzt worden.

Darunter sind zwölf Hektar Grünfläche, die intensiv gepflegt werden müssen, 83 Hektar extensiv gepflegte Grünfläche, 45 Kilometer (zehn Hektar) Wege sowie bewaldete und mit Gehölzen bepflanzte Flächen mit 140 Hektar.

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Seitdem der Bergpark den Welterbetitel habe, sei die Arbeit eigentlich nicht mehr geworden, sagt Landschaftsgärtnerin Sandra Latendorf. Es falle durch die Zunahme der Besucherzahlen allerdings mehr Müll an. „Die Mülleimer müssen unsere Mitarbeiter dann halt öfter leeren.“

Damit keine Berge mit Abfall abseits der Eimer entstehen, lasse die Museumlandschaft Hessen Kassel (MHK) zu den vorhandenen 30 Mülleimern bis zum 1. Mai noch 20 weitere aufstellen.

Sandra Latendorf

56 Mitarbeiter (darunter 14 Azubis) sind in der Gartenabteilung für den Bergpark beschäftigt – genauso viele wie vor der Verleihung des Titels, sagt MHK-Sprecherin Lena Pralle. „Wir bekommen ja jetzt auch nicht mehr Geld, können also auch keine weiteren Stellen schaffen.“ Die Arbeit im Park vor der Auszeichnung sei ja schon genauso intensiv gewesen wie jetzt. „Mit der Welterbeanmeldung mussten wir den Erhaltungsauftrag erfüllen.“

Das heißt: Täglich wird das historische Gartendenkmal in vielen Stunden gepflegt. Wenn ein Baum gefällt wird, muss ein neuer derselben Sorte an dieser Stelle gepflanzt werden, wie unter den Landgrafen und Kurfürsten einst geschehen. Viele Menschen würden vergessen, dass der Bergpark einen künstlichen Baumbestand hat, sagt Pralle.

Allein im Baumkataster seien rund 11 500 Bäume eingetragen, sagt Gärtnermeister Ulfert Pilling. Mit den Waldbeständen im Bergpark seien es noch wesentlich mehr. Die Baumpflege habe durch den Welterbetitel natürlich nicht zugenommen.

Allerdings würden durch die vielen Besucher die Wege jetzt schneller abgenutzt, sagt Pilling. „Wie müssen deshalb jetzt öfter neuen Splitt auftragen.“ Mehrarbeit entstehe in jüngster Zeit allerdings auch durch Vandalismus: Jüngst traten Unbekannte 25 Lampen zwischen Parkplatz und Fußweg um, zudem würden die Parkbänke im Fontänenbereich immer wieder mit Farbe beschmiert. „In der Karlsaue sind die Vandalismusschäden aber immer noch viel höher“, sagt Pilling.

Über die Feiertage zeigt sich der Bergpark hoffentlich nur von seiner schönsten Seite. Bei gutem Wetter könne man an Feiertagen (ohne Wasserspiele) mit etwa 2000 Besuchern rechnen, schätzt MHK-Sprecherin Pralle. Verweilen können diese auch auf den rund 200 Bänken, die es im Bergpark gibt.

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