Wasserkünste einmalig auf der Welt

Bergpark ist Weltkulturerbe - Technik wie vor 300 Jahren

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Wassersturz über eine inszenierte Ruinenlandschaft: Das Aquädukt gehört zu den fünf großen Bildern im Park.

Kassel. Es hat einige Jahre gedauert, bis aus der Idee, den Bergpark als Weltkulturerbe vorzuschlagen, ein schlüssiges Konzept entwickelt wurde. Zunächst ging es noch um eine Art Sammelbestellung für die Karlsaue, Schloss Wilhelmsthal und den Bergpark.

Das Problem: Barocke Gärten gibt es auf der Welterbeliste schon mehr als genug, die von der Unesco geforderte herausragende universelle Bedeutung, die Einzigartigkeit, hätte man nicht erfolgversprechend begründen können.

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Bei den Wasserkünsten ist das anders. Die sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch eine technische Meisterleistung. Seit fast 300 Jahren funktionieren sie ausschließlich durch das natürliche Gefälle, ohne Pumpen und vor allem ohne moderne Hilfsmittel. Erst durch den Bewerbungsprozess, der seit 2007 intensiv vorangetrieben wird, sind die Besonderheiten der Wasserkünste ins Bewusstsein gerückt worden. Das fängt schon beim Sammeln der Wasservorräte unterhalb des Essigberges an. Ein uraltes System von Gräben und Kanälen, das wahrscheinlich zur Trockenlegung von Weideflächen angelegt wurde, funktioniert bis heute.

In dieser Liga spielt der Bergpark jetzt

In einem Einzugsgebiet von 60 Kilometern kennt nahezu jeder den Bergpark Wilhelmshöhe mit dem Herkules und den Wasserspielen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die im Zusammenhang mit der Welterbe-Bewerbung gemacht wurde. Darüber hinaus lässt die Bekanntheit aber rapide nach. © 
Das soll sich ändern, wenn Kassel ab sofort nicht nur documenta-, sondern auch Welterbe-Stadt ist. Diese Anerkennung ist ein Ritterschlag, der den Bergpark auf eine Stufe mit den berühmtesten Bauwerken der Welt stellen würde. Einige davon haben wir hier zusammengestellt. © 
Seit 1984 auf der Welterbe-Liste: Die Freiheitsstatue.
Seit 1984 auf der Welterbe-Liste: Die Freiheitsstatue. © 
Welterbe seit 1996: Der Kölner Dom. Fotos:  dpa
Welterbe seit 1996: Der Kölner Dom. Fotos:  dpa © 
Weltberühmt: Die Cheops-Pyramide, Welterbe seit 1979.
Weltberühmt: Die Cheops-Pyramide, Welterbe seit 1979. © 
Wahrzeichen von Paris: Der Eiffelturm, Welterbe seit 1991.
Wahrzeichen von Paris: Der Eiffelturm, Welterbe seit 1991. © 

Das Wasser ist die Voraussetzung für eine grandiose Inszenierung über fünf große Stationen von den Kaskaden bis zur 52 Meter hohen Fontäne zum Abschluss der Wasserspiele.

- Der Bergpark im Regiowiki

- Die Wasserkünste im Regiowiki

- Der Herkules im Regiowiki

All das wird durch die Anerkennung als Weltkulturerbe ebenso gewürdigt wie der Herkules, der als Kasseler Wahrzeichen alles überragt. Der sei technisch und künstlerisch das Beste, was die frühe Neuzeit zu bieten habe.

Die Menschen in Kassel und Umgebung haben das schon immer gespürt und für die Rettung des Herkules fast eine halbe Million Euro gespendet. Das war die Initialzündung für die groß angelegten Sanierungsarbeiten im Bergpark und auch ein Mutmacher für die Welterbe-Bewerbung.

So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe

So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Der Herkules ist das Wahrzeichen der Stadt Kassel... © HNA/Archiv/Tornau
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
...und damit auch des Bergparks Wilhelmshöhe, der Weltkulturerbe der UNESCO werden soll. © HNA/Archiv/dpa
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Eine zeitlang war der gute Herr ohne Kopf, da dieser restauriert werden musste. Doch mittlerweile ist wieder alles an seinem Platz. © HNA/Archiv
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Ein Höhepunkt des Bergparks sind die Wasserspiele. Deren Eröffnung lockt Jahr für Jahr tausende Besucher an, hier vor dem Schloss. © HNA/Archiv/Fischer
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Auch bei Nacht gibt es die Wasserspiele, dann beleuchtet. © HNA/Archiv/Schachtschneider
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Bei Nebel ergeben sich die schönsten Lichtspiele. © HNA/Archiv/Fischer
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Was aber passiert bei den Wasserspielen? Oben vom Herkules läuft Wasser die Kaskaden hinunter, hier ein Bild aus dem Herbst. © HNA/Archiv/Koch
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Im Winter, wenn die Kaskaden zugeschneit sind, funktioniert das natürlich nicht. © HNA/Archiv/Koch
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Nachdem das Wasser sich seinen Weg durch den Park gebahnt hat, endet das Spektakel mit einer bis zu 52 Meter hohen Fontäne, die mit acht Bar Druck in die Luft geschossen wird. © HNA/Archiv/Fischer
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Romantisch, finden Sie nicht auch? © HNA/Archiv/Herzog
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Keimzelle des gesamten Bergparks ist das Schloss Wilhelmshöhe. Landgraf Moritz von Hessen-Kassel ließ es von 1606 bis 1610 als Jagdschloss erbauen. © HNA/Archiv/Fischer
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Nachts ist das Schloss beleuchtet und von vielen Punkten aus der Stadt zu sehen. © HNA/Archiv/Malmus
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Während der documenta 12 wurde der Hang vor dem Schloss zu einem Reisfeld umfunktioniert - eine Idee des Künstlers Sakarin Krue-On aus Thailand. © HNA/Archiv/Socher
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Die Löwenburg ist eine Nachahmung einer mittelalterlichen Ritterburg und wurde bewusst als künstliche Ruine errichtet. So gespentisch-schaurig wirkte sie vor einigen Jahren - ganz passend -  an Halloween. © HNA/Archiv/Koch
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An einem klaren Wintertag sieht das Bauwerk von Heinrich Christoph Jussow so aus. © HNA/Archiv/Koch
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Hier wagt unser Fotograf Jochen Herzog einen Blick in den Innenhof der Löwenburg. © HNA/Archiv/Herzog
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
All diese prächtigen Bauten locken jedes Jahr wieder hundertausende Touristen in der Bergpark Wilhelmshöhe, der damit eine echte Attraktion in Nordhessen ist. © HNA/Archiv/Koch
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Es gibt dort aber noch mehr zu sehen, als Herkules, Schloss und Löwenburg - hier: das Aquädukt. © HNA/Archiv/Malmus
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
34 Meter hoch ist dieses, das hier während der Lichtinstallation "Lichte Spiele" beleuchtet wird. © HNA/Archiv/Koch
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Die Teufelsbrücke ist ein weiterer beliebter Anlaufspunkt im Bergpark und auch ein gern genommenes Bildmotiv. © HNA/Archiv/Schachtschneider
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Besonders im Frühling führte schon der eine oder andere Spaziergang über den hoch gewölbten Bogen der Brücke. © HNA/Archiv
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Ein wahres Naturschauspiel gibt der Steinhöfer Wasserfall ab, der vor nicht allzu langer Zeit restauriert wurde. © HNA/Archiv/Schachtschneider
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Weitere Bauwerke sind das Ballhaus, ... © HNA/Archiv/Koch
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... der Jussowtempel, ... © HNA/Archiv/Malmus
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... hier zu sehen auf einem Leserfoto, ... © HNA/Archiv/Steinebach
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... der Merkur-Tempel, ... © HNA/Archiv
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... der Marstall, ... © HNA/Archiv/Herzog
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... das Neptunbecken am Fuß der Kaskaden, ... © HNA/Archiv/Fischer
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... die Plutogrotte, in der sich auch mal bei Vollmond zum Trommeln getroffen wird, ... © HNA/Archiv/Schachtschneider
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... die Cestius-Pyramide und ... © HNA/Archiv/Koch
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... die Pagode im kleinen chinesischen Dorf Mou-lang, ... © HNA/Archiv/Schachtschneider
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
... hier in der Innenansicht. © HNA/Archiv/Koch
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Auch Sport wird im Bergpark betrieben. Wegen seiner Höhenmeter ist er bei Läufern berüchtigt. Auf diesem Foto laufen Teilnehmer beim Herkules-Berglauf um die Wette. © HNA/Archiv/Malmus
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Auf dem Lac, einem kleinen Teich, kommen im Winter bei richtig kalten Temeperaturen auch die Wintersportler zum Zuge. © HNA/Archiv/Herzog
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Unerreicht bleibt jedoch die Bergpark-Rallye, bei der Oldtimer über die Wege um die Platzierungen flitzen. © HNA/Archiv/Scholezchen
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Das stößt bei den Zuschauern immer wieder auf regen Zuspruch. © HNA/Archiv/Schoelzchen
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Wer es etwas ruhiger mag, der kann aber auch einfach nur spazierengehen und das einzigartige Ambiente genießen. © HNA/Archiv/Schachtschneider
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Naturfreunde sind im Bergpark meist von der Vielfalt der Flora beeindruckt. © HNA/Archiv/Koch
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Nicht nur vor dem Gewächshaus sprießt es in den warmen Monaten in allen Farben, ... © HNA/Archiv/Herzog
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
... sondern auch darin. © HNA/Archiv
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Wie dieser Schwan verirren sich auch viele Tiere in das Naturparadies. © HNA/Archiv
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Dieses kleine Entlein scheint auf der Suche nach seiner Mama zu sein. © HNA/Archiv/Meyer
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Nichts, was es im Bergpark nicht gibt. In der Konzertmuschel kommen auch Kulturfreunde auf ihre Kosten. Ob Konzerte... © HNA/Archiv/Meyer
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... oder Schauspiel (hier eine Aufführung von Shakespeares Sommernachtstraum), ... © HNA/Archiv/Socher
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
... für jeden Geschmack ist im bunten Programm etwas dabei. © HNA/Archiv/Koch
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Am besten zu erreichen ist der Berpark übrigens mit der Straßenbahn. Diese fährt bis zum Fuß des riesigen Gartenareals. © HNA/Archiv/Koch
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Ansonsten bietet sich die Fahrt mit dem Bus an. © HNA/Archiv/Stieler
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Das Auto sollten die Besucher jedoch zuhause lassen, denn die Parksituation ist eher schwierig. © HNA/Archiv/Herzog
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Wer es bis an den Fuß des Herkules geschafft hat, darf sich über diesen phänomenalen Ausblick über Kassel freuen. © HNA/Archiv/Fischer
So schön ist der Bergpark Wilhelmshöhe
Und so sieht der Bergpark aus der Luft aus - wenn dieser Anblick mal nicht Weltkulturerbe würdig ist... © HNA/Archiv/herzog

Ohne die Unterstützung der Kasseler Bevölkerung und der Kulturvereine hätte man das große Ziel nicht erreicht, sagt Prof. Bernd Küster, der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel. Als Beispiel nennt er den Verein Bürger für das Welterbe. Es sei alles andere als selbstverständlich, dass die Öffentlichkeit das Hinarbeiten auf die internationale Anerkennung so mittrage, wie das in Kassel geschehen sei. Der Welterbe-Titel sei ein Grund zur Freude und gleichzeitig eine Verpflichtung, den Bergpark auch für künftige Generationen zu erhalten.

Von Thomas Siemon

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