Ausstellung beginnt Freitag

Noch eindrucksvoller: Carls Pläne für den Bergpark Wilhelmshöhe waren noch größer

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Gigantisch: Diese in einem Gemälde umgesetzte Idee zeigt eine mögliche Bebauung des Bergparks. Ganz weit hinten auf dem Berg ist der Herkules zu sehen. Der Maler war Jan van Nickelen.

Kassel. Noch großer, noch eindrucksvoller: Die Allmachtsansprüche von Landgraf Carl für den Bergpark Wilhelmshöhe waren enorm. Am Ende ist daraus bekanntlich nichts geworden. Bei der Landgraf-Carl-Ausstellung gibt es eindrucksvolle Gemälde zu sehen.

Der Herkules, so wie wir ihn heute kennen, ist seit 300 Jahren ein weithin sichtbares Symbol für Tatkraft und Macht. Die Anlage mit den barocken Wasserspielen und einem grandiosen Bergpark ist eigentlich groß genug – für die Anerkennung als Welterbe hat das bekanntlich gereicht. Doch Landgraf Carl – so schrieb er sich damals – hatte zunächst ganz andere Pläne im Kopf. Noch größer, noch eindrucksvoller als alles bisher Dagewesene sollte die Inszenierung seines Allmachtsanspruchs werden.

Gut, dass daraus nicht geworden ist, möchte man aus heutiger Sicht sagen. Denn die weitläufigen Anlagen von den Kaskaden über die Schlossbauten und weitere Wasserkünste hätten weit bis nach Wilhelmshöhe gereicht. Knapp bis zum Säulendach des heutigen Bahnhofs, schätzen Experten. Heute würden Architekten zu solchen Entwürfen Computeranimationen machen, damals beauftrage der Landgraf seinen Hofmaler Jan van Nickelen (1656 bis 1721). Die großformatigen Bilder sind in der Ausstellung „Groß gedacht! – groß gemacht?“ zu sehen, die heute im Fridericianum eröffnet wird. Diese Bilder unterscheiden sich teilweise erheblich von den später verwirklichten Entwürfen.

Durchaus reizvoll: Auch so hätte man die Kaskaden bauen können. Das Gemälde hängt im Fridericianum.

Großer Ehrgeiz

Da hat vermutlich zunächst der Auftraggeber Carl seine Vorstellungen dem Maler erläutert. Der Baumeister Guerniero, den Carl schließlich mit dem Bau des Oktogons und der Kaskaden beauftragte, hat dann noch gravierende Änderungen vorgenommen – natürlich in Absprache mit dem Landgrafen. Der hatte den Ehrgeiz, zumindest als Bauherr auf Augenhöhe mit dem französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. wahrgenommen zu werden. Dessen Schloss Versailles mit seinen Parkanlagen war im 17. Jahrhundert das Maß aller Dinge.

Auch im Hinblick auf diesen Aspekt bietet die Ausstellung im Fridericianum interessantes Anschauungsmaterial. Auf einer Karte sind das vergleichsweise riesige Königreich Frankreich und die ungleich kleinere Landgrafschaft von Hessen-Cassel zu sehen. Es gehörte schon mehr als ein Hauch von Größenwahn dazu, den Bergpark mit dem Herkules größer als Versailles zu denken.

Näher am heutigen Herkules: Ein weiteres Gemälde.

Die Landgraf-Carl-Ausstellung läuft bis 1. Juli. Geöffnet Di - So, Feiertage 10 -17 Uhr, Do bis 20 Uhr. Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Bis 18 Jahre sowie Studierende der Uni Kassel frei.

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