Das ist der Bergpark Wilhelmshöhe und seine Wasserspiele

Kassel. Geltungssucht gepaart mit ein bisschen Größenwahn - so ist der Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe entstanden. Landgraf Karl, der von 1677 bis 1730 regierte, wollte damit die Stellung der Kasseler Fürsten aufwerten.

Der ab 1696 entstandene Park mit den einmaligen Wasserspielen gilt heute als Parade-Beispiel des Europäischen Absolutismus. Symmetrie und Achsen der Barock-Anlage setzen bewusst auf Künstlichkeit und sichtbare Kunstfertigkeit.

Während der Wasserspiele fließen mehr als 750.000 Liter Wasser über Kaskaden, Becken, Rinnen und Aquädukte in rund 80 Meter Tiefe. Den Abschluss bildet eine große Fontäne oberhalb des Schlosses Wilhelmshöhe. Sie entsteht nur durch Druck, also ohne Pumpen - vor 300 Jahren eine technische Meisterleistung. Auf dem Gipfel des Parks thront auf einem rund 70 Meter hohen Sockel eine Herkules-Statue, mittlerweile ein Wahrzeichen Kassels.

Stichwort: Herkules

Herkules heißt er auf lateinisch, Herakles auf griechisch: In der Mythologie ist er der größte Nationalheld des antiken Griechenlands. Als Sohn von Gottvater Zeus und von Alkmene wurde Herakles als Halbgott verehrt. Schon als Kind soll er übermenschliche Fähigkeiten besessen haben, berühmt ist er aber vor allem für die von ihm verrichteten zwölf unlösbaren Arbeiten. Nach seinem Tod stieg Herkules in den Olymp auf und erlangte dort Unsterblichkeit. Auch die Römer verehrten ihn. In der Kunst des Mittelalters galt Herkules als Ideal an Tugendhaftigkeit und Kriegertum. Berühmte Darstellungen gibt es unter anderem von Leonardo da Vinci und Peter Paul Rubens.

Hintergrund: Die Herkulesstatue - ein permanenter Sanierungsfall

Zwölf Aufgaben hat der antike Herkules bewältigt, obwohl sie als unlösbar galten. Vielleicht wählten die Kasseler den antiken Halbgott deshalb aus, als sie vor 300 Jahren ein Wahrzeichen für ihre Stadt suchten. Im Auftrag von Landgraf Karl von Hessen-Kassel hat ihn der italienische Künstler Giovanni Francesco Guerniero entworfen. Seit dem Bau (1701 bis 1717) muss an der acht Meter hohen Statue ständig gearbeitet werden.

Es ist weniger das Kupferblech des Drei-Tonnen-Kolosses, das den Experten Kopfzerbrechen bereitet. Sorgenkinder sind vor allem der 32 Meter hohe Sockel - das Oktogon - und die knapp 30 Meter hohe Pyramide, auf der der Herkules ruht. Beide bestehen aus sehr erosionsanfälligem Tuffstein. Auch der 500 Meter hohe Berg selbst hat Probleme, das mehrere hundert Tonnen schwere Bauwerk zu tragen. Die letzte Sanierung kostete rund 30 Millionen Euro. (lhe)

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