Sie lagerten in Südfrankreich

Fremde Schönheit Bergpark: Bislang unbekannte Bilder aufgetaucht

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Der Lac ist zu groß, Schloss Wilhelmshöhe reichlich hoch und doch erkennt man den Bergpark auf den ersten Blick: Das Gemälde gehört zu einer Reihe von Bildern, die jetzt bei einer Kunstmesse verkauft wurden. Die Verbindung der Schlossflügel wurde übrigens erst 1829 gebaut. Repros:  Schmitz-Avila/nh

Kassel/Bamberg. Irgend etwas stimmt mit diesen Bildern aus dem Bergpark Wilhelmshöhe nicht und trotzdem haben sie ihren Reiz. Sie gehören zu einer Reihe, die jetzt bei den renommierten Kunst- und Antiquitätenwochen in Bamberg zum Verkauf stand. Wir zeigen die Schmuckstücke.

Der Kunsthändler Dr. Thomas Schmitz-Avila (Bad Breisig am Rhein) hat die Bilder von einem südfranzösischen Kollegen gekauft. Die Farben seien so frisch wie am ersten Tag, schwärmt er am Telefon. Die Begeisterung war offenbar ansteckend. Die Bilder aus dem frühen 19. Jahrhundert, die für 78 000 Euro angeboten wurden, sind verkauft.

Riesiger Wasserfall: Die Kaskaden wurden nie mit so viel Wasser überspült. Trotzdem kann man die Anlage zusammen mit dem Herkules sofort erkennen.

Die Vorlagen für die Bilder dürfte der Kasseler Stahlstecher und Maler Johann Gottlieb Kobold geliefert haben. „Das waren schon keine genauen Abbilder der Realität, mit jeder Bearbeitung anderer Maler setzte sich das fort“, sagt Dr. Alexander Link, der stellvertretende Leiter des Kasseler Stadtmuseums. So ist der Lac zu einem großen See gewachsen, die Kaskaden wirken verfremdet, die Teufelsbrücke ist nur mit einiger Fantasie erkennbar und die große Fontäne steht irgendwie seltsam in der Landschaft.

Der Abschluss der Wasserspiele: Die große Fontäne neben einem unbekannten, reißenden Gebirgsbach.

Ein Fest für die Augen sind diese Bilder dennoch. Sie wurden von einem Maler namens J. H. Martens signiert und sind auf das Jahr 1805 datiert. Gut möglich, dass der Künstler nie in Kassel war und seine Bilder ausschließlich nach Vorlagen angefertigt hat. Die Bilder - Fachleute nennen sie nach der Maltechnik mit halb deckenden und deckenden Wasserfarben Gouachen - sind 60,5 mal 82 Zentimeter groß.

An wen sie verkauft wurden, behält Kunsthändler Schmitz-Avila für sich. Ob sie jemals in Kassel gezeigt werden? Das liege am Käufer. Wir liefern jedenfalls schon mal einen Vorgeschmack. (tos)

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