Kleine Bergpark-Bauten werden saniert und erhalten historische Bedeutung zurück

Kasseler Bergpark: Tempel mit neuer Kuppel

Arbeiten im Merkurtempel: Die Zimmerer Arno Wachs (vorn), Kurt Bracht und Viktor Schweigert (hinten, von links) rekonstruieren die hölzerne Dachkonstruktion. Foto: Herzog

Kassel. Der Merkurtempel im Bergpark Wilhelmshöhe wird schön gemacht und bekommt seine historische Bedeutung zurück.

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"Seit Ende des Zweiten Weltkriegs bestand die Hoffnung, den Merkurtempel und seine vielfältigen Blickbezüge im Sinne des Originals wiederherstellen zu können“, sagt Judith Reitter von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Erst jetzt, im Rahmen des MHK-Investitionsprogramms, werde dieser lang gehegte Wunsch realisiert.

Zuletzt wurde auf der Grundlage restauratorischer Befunde die weiße, marmorimitierende Erstfassung des Merkurtempels rekonstruiert. Jetzt wird die hölzerne Kuppelkonstruktion aufgerichtet und anschließend wieder mit einer traditionellen Schiefereindeckung versehen. Für nächstes Jahr ist zum Abschluss der Arbeiten geplant, eine neue Merkurstatue aufzustellen. Gesamtkosten: 170 000 Euro. Der Merkurtempel steht auf dem Jungfernkopf im Bergpark. Der Ort über dem Nordhang des sogenannten Philosophentals war bereits ein beliebter Aussichtspunkt, bevor der Tempel errichtet wurde.

Eingerüsteter Rundbau: Der Merkurtempel von außen. Foto: MHK/nh

Unter Landgraf Friedrich II. wurden im Park zahlreiche stimmungsvolle Bauwerke (Staffagen) angelegt. Themen waren die antike Philosophie, Religion und Mythologie. So erhielt auch der Jungfernkopf mit dem Bau des Merkurtempels 1783 eine neue Ausrichtung. In der Mitte des Tempels wurde eine Gipsfigur des Merkur aufgestellt. Er galt als Gott der Händler, Kaufleute und Diebe und sollte nach der Mythologie als Götterbote in seinem Tempel auf Erden die Seelen ins Elysium begleiten.

Sicht durch Rundbögen

Beim Neubau des Aquädukts durch Wilhelm IX. wurde der oberhalb gelegene Merkurtempel in die Gestaltung einbezogen: So wird das vom Aquädukt herabstürzende Wasser durch einen der Rundbögen für den Blick vom Merkurtempel aus in Szene gesetzt. Außerdem wird der Tempel aus dem Tal unterhalb des Aquäduktes durch einen Rundbogen in den Blickpunkt gerückt. Aufgrund des baufälligen Zustandes wurde der Rundtempel 1823 durch Johann Conrad Bromeis in massiver Bauweise aus Rotsandstein erneuert. Wie der hölzerne Vorgängerbau wurde der offene Tempel mit einer weißen Fassung versehen. Die schiefergedeckte Kuppel und die bleierne Merkurstatue, 1825 von dem Bildhauer Heyd geschaffen, sind seit dem Zweiten Weltkrieg verloren.

„Durch die Baumaßnahmen bekommt der Merkurtempel seine Bedeutung zurück“, sagt Reitter. Sie empfiehlt: „Vom Tempel lohnt der kurze Spaziergang zur Eremitage des Sokrates, die in den letzten beiden Jahren restauriert und instand gesetzt wurde.“ Gerade sei ein hölzernes Rankgitter angebracht worden, sodass auch hier das äußere Erscheinungsbild dem historischen Vorbild gemäß wiederhergestellt sei. Das Gitter wird jetzt mit „Echtem Geißblatt“ bepflanzt. (chr)

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