Bergpark zum Mitnehmen: Kasseler Künstler entwerfen Kneipen-Postkarten

Eines der Motive, mit denen die Künstler die Kneipenpostkarten bedruckt haben.

Kassel . Wie lässt sich die Bewerbung des Bergparks als Weltkulturerbe unterstützen? Das haben sich 13 Künstler gefragt. Ihre Antwort: So genannte Kneipenpostkarten, 140.000 Exemplare insgesamt, die jetzt überall in der Region auf Abnehmer warten.  

Es war genau vor einem Jahr, als die Idee zum ersten Mal auf den Tisch kam. „Der Herr Ostermann sagte, ich solle mir doch etwas einfallen lassen", erzählt Reinhold Weber, Zeichner und Illustrator aus Kassel. Es ging darum, die Bewerbung des Kasseler Bergparks als Weltkulturerbe zu unterstützen und dabei auch Zielgruppen anzusprechen, die nicht „im üblichen“ Alter waren. Da kamen Weber Postkarten in den Sinn. Postkarten, bemalt von heimischen Künstlern.

Fotos: Kneipenpostkarten für den Bergpark

Kneipenpostkarten für den Bergpark

Weil Künstler von Natur aus auch andere Künstler kennen, ging Weber los und suchte Mitstreiter. Er fand sie in dreizehn Zeichnern, Grafikern und Fotografen. Gemeinsam nahm man an einer Führung von Maren Brechmachern-Ihnen durch den Bergpark teil. Man traf sich mehrmals und besprach Motive, tauschte sich aus. „Das war etwas Besonderes“, sagt Weber. Normalerweise würden sich Künstler nicht in ihre Arbeit reden lassen. Doch diesmal war vieles anders.

Über 5000 Euro kostete die Produktion der Karten den Verein Bürger für das Welterbe, erzählt Schatzmeisterin Gisela Wiegand. „Das ist ganz schön viel für einen kleinen Verein wie unseren.“ Da blieb kein Raum für große Künstlergagen. Von Anfang an stand fest: Eine Bezahlung würde es für die Mitarbeit nicht geben. Und Einnahmen durch den Verkauf der Postkarten ebenfalls nicht. Sie sollten kostenlos sein.

Ansichtssachen: De beteiligten Künstler mit Mitgliedern des Vereins Bürger für das Welterbe.

An 90 Stellen in ganz Kassel wurden die 140.000 Karten verteilt. Hauptsächlich in Gaststätten, Clubs und Bars, erzählt Linus Borgolte von LoPo Media. Ab Donnerstag sollen die Motive auch als Plakate Toilettenrahmen zieren. Wasserspiele nannte das Ulrike Vater ironisch. Auch sie steuerte ein Motiv bei. „Wir haben alle auf Honorare verzichtet“, sagt Vater. „So konnten wir ganz persönlich rangehen und mussten nicht ständig im Hinterkopf haben, dass wir Werbung machen sollen.“ Die Illustratorin fertigte allein acht verschiedene Entwürfe ihres Geistes von der Teufelsbrücke an. Trotz allem Spaß sei es schließlich auch darum gegangen, „etwas Gutes abzuliefern“, sagt Weber.

Doch das war nicht die einzige Hürde. Christine Reinckens, auch durch ihre Zeichnungen von Gerichtsverhandlungen bekannt, tat sich bei der Ideenfindung schwer. „Oft hatte schon jemand anderes einen ähnlichen Weg gewählt“, erzählt sie. Und dann sei da noch das Problem mit dem Herkules gewesen. „Um den ins Querformat zu kriegen, musste ich sehr mit der Perspektive spielen.“

So hatte jeder der Künstler seine Geschichte zu erzählen. Was am Ende dabei herausgekommen ist, das gibt es noch bis Februar auf Postkarten und Toilettenplakaten in und um Kassel herum zu bestaunen. Und natürlich im Internet.

Von Jörgen Camrath

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