Interview: Vize-Direktorin der Museumslandschaft über das Welterbe und die Folgen

Besuchermasse und Probleme im Bergpark: "Parken muss kosten"

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Besuchermasse und Probleme im Bergpark

Kassel. Zweieinhalb Wochen, nachdem Bergpark und Herkules den Welterbetitel erhalten haben, sind die Folgen unübersehbar: Mehr Besucher tummeln sich im Park. Wir sprachen mit Dr. Gisela Bungarten, stellvertretende Direktorin der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), über die Auswirkungen:

Gibt es Schätzungen zur Besucherzahl bei den jüngsten Wasserspielen?

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Dr. Gisela Bungarten: Die Besucherzahlen sind in den letzten Wochen nach dem Welterbeentscheid merklich angestiegen und haben sich vor allem an den Wasserspieltagen verstärkt. Mittwochs besuchen seit der Entscheidung ebenso viele Besucher die Wasserkünste, wie normalerweise nur an den Sonntagen. Genaue Zahlen gibt es noch keine. Die MHK geht von etwa 8000 Besuchern je Wasserspieltag aus.

Muss sich die MHK auf die gestiegene Besucherzahl anders vorbereiten als bislang?

Alles über den Bergpark und das Weltkulturerbe in unserem Spezial

Bungarten:  Die Weitläufigkeit des Park lässt es zu, dass sich die Besucher nach wie vor frei im Park bewegen können. Durch die steigenden Besucherzahlen müssen sich alle Beteiligten, das heißt Stadt, Land und MHK, auch auf ein deutlich ansteigendes Verkehrsaufkommen vorbereiten. Gemeinsam mit der KVG und der Stadt Kassel arbeiten wir an einem Konzept.

Was schlagen Sie vor?

Bungarten: Da die Überlastung der nahe gelegenen Parkplätze zu bekannten Spitzenzeiten erfolgt, müsste eine ÖPNV-Verbindung zwischen einem Park&Ride-Parkplatz und dem Bergpark nur zu diesen Zeiten möglichst in Direktverbindung ermöglichen. Eine Steuerung ist aber nur durch die Einführung von Stellplatzgebühren sowohl an den Parkplätzen in Bergparknähe als auch für einen entfernteren Park&Ride-Parkplatz, dort eventuell in Kombination mit einem ÖPNV-Ticket, möglich.

Bei den jüngsten beleuchteten Wasserspielen sind Besucher auf die Kaskaden und anderen Wasserkünste geklettert. Welche Verstöße gegen die Parkordnung beobachten Sie?

Bungarten: Der Bergpark sowie die Wasserspiele sind ein über 300 Jahre altes Denkmal. Die Baumaßnahmen am Herkules und den Stationen der barocken Wasserkünste zeigen, wie empfindlich die Materialien sind. Durch betreten, klettern oder laufen auf den Kaskaden werden Steine gelockert, beziehungsweise können herabstürzen. Das führt schlimmstenfalls zur Sperrung der Wasserbilder und zu kostenintensiven Restaurierungen. Aus Respekt vor dem Ort, vor seiner jahrhundertealten Geschichte und seiner Anerkennung als Weltkulturerbe der Menschheit bittet die MHK alle Besucher, sich die Verletzbarkeit des Ortes ins Gedächtnis zu rufen. Gleichzeitig möchten wir unsere Gäste bitten, die Mülleimer für Abfall zu nutzen.

Wie viel Geld muss die MHK – neben den großen Bauarbeiten wie die Herkulessanierung – jährlich für die Instandhaltung ausgeben?

Bungarten: Der Betrag für die Unterhaltung und Pflege des Parks und die Reparatur- und Sanierungsarbeiten der Straßen, Wege und Parkplätze liegt im sechsstelligen Bereich. Hinzu kommen Personalkosten für festangestellte Gärtner und Auszubildende. Ein weiterer umfangreicher Kostenposten ist der Bauunterhalt an den Kleinarchitekturen und den Wasserkünsten im Park, der aber jährlich schwankt, entsprechend den baulichen Erfordernissen. In den letzten zwei Jahren sind hierfür jährlich rund 500 000 Euro aufgewendet worden.

Zur Person

Dr. Gisela Bungarten, geboren 1968, ist Kunsthistorikerin. Sie hat Kunstgeschichte, Anglistik und Romanistik in Berlin und Neapel studiert. Mittlerweile arbeit sie als stellvertretende Direktorin der Museumslandschaft Hessen Kassel.

Müll, Chaos, Wasserspiele: Besuchermassen im Bergpark

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