Kasseler Fraunhofer-Institut IBP hat Energiekonzept für Bürokomplex in München entwickelt

Weltmeisterlich sparsames Haus

Im Energieverbrauch kaum zu unterbieten: Der Bürokomplex „NuOffice“ in München kommt im Vergleich zu anderen modernen Gebäuden mit einem Drittel von Strom und Wärme aus. Foto: nh

Kassel. Moderne Bürogebäude sollen nicht nur möglichst wenig Strom und Wärme verbrauchen, sondern auch komfortabel, benutzer- und umweltfreundlich sein. Kurzum: Nachhaltiges Bauen ist angesagt.

Mit der Entwicklung eines Energieeffizienzkonzepts für das Bürohaus „NuOffice“ in München hat das Kasseler Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) nun einen Meilenstein gesetzt. Der Gebäudekomplex, dessen erster von drei Teilen bereits fertig ist, wurde kürzlich als Weltmeister in Sachen Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Das Bürogebäude, in das sich unter anderen der Formel-1-Rennstall von McLaren eingemietet hat, kommt mit wenig mehr als einem Drittel an Strom und Wärme aus, die ein modernes Bürogebäude sonst benötigt. Der Verbrauch liege unter 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, sagt Dr. Michael Krause vom Kasseler IBP. Um das zu erreichen, mussten die Wissenschaftler an mehreren Stellschrauben drehen: Sie überzeugten mithilfe von Simulationen Investor und Architekten davon, dass die ursprünglich vorgesehene Glasfassade zu viel Wärmeverlust verursacht. Das Gebäude erhielt unter anderem eine sogenannte Lochfassade, Fenster mit Dreifachverglasung, selbsttönende Scheiben, eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung, ein außen liegendes Verschattungssystem und eine Fotovoltaikanlage.

„Es gibt bereits viele Komponenten, die die Energieeffizienz steigern. Man muss sie nur intelligent zusammenstellen“, sagt Krause. Das IBP hat dabei zwischen Investor, Architekten und technischen Gebäudeausstattern vermittelt und deren Wünsche in das Energiekonzept integriert. Darüber hinaus haben die Kasseler Forscher aber auch technisches Neuland betreten. Sie haben das mit Fernwärme betriebene Gebäude mit einer Art Turboheizung ausgestattet: Eine Absorptionswärmepumpe, die bisher nur zur Kälteerzeugung eingesetzt wird, ließen sie so umbauen, dass diese – ohne Verbrauch elektrischen Stroms – dem Grundwasser Energie entzieht und so den Wirkungsgrad der Fernwärme auf bis zu 150 Prozent steigert.

Daher benötigt das Gebäude nur etwa ein Drittel der üblichen Fernwärme-Menge. „Das ist eine echte Innovation“, sagt Krause. Das Konzept sei auch am Markt durchsetzungsfähig. Bereits vor Baubeginn seien 95 Prozent der Büroflächen vermietet worden.

Die Kasseler Forscher werden das Funktionieren ihres Energiekonzepts weiter begleiten: Das Haus wurde als eines von insgesamt drei Gebäuden für das EU-Projekt „Direction“ ausgewählt. Dabei sollen Erfahrungen für den Bau der Bürogebäude von morgen gesammelt werden. Foto: Dilling

Von Peter Dilling

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