Ex-Mitarbeiter und Linke klagen über Stellenabbau

Gesundheitsamt: Weniger Personal für mehr Infizierte

Arbeiten längst wieder unter Hochdruck: Mitarbeiter der Gesundheitsämter, die für die Kontaktnachverfolgung zuständig sind – auf unserem Bild in Hamburg. Archiv
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Arbeiten längst wieder unter Hochdruck: Mitarbeiter der Gesundheitsämter, die für die Kontaktnachverfolgung zuständig sind – auf unserem Bild in Hamburg.

Im neuen Jahr sollen nur noch 25 Mitarbeiter im Gesundheitsamt für die Kontaktnachverfolgung zuständig sein - trotz steigender Corona-Zahlen. Mitarbeiter sind unzufrieden und erheben Vorwürfe.

Kassel – Noch nie seit Beginn der Pandemie waren die Corona-Fallzahlen so hoch wie in diesen Wochen – doch im Gesundheitsamt gibt es immer weniger Mitarbeiter, die sich um die Kontaktnachverfolgung kümmern. So soll es ab Januar in diesem Aufgabenbereich nur noch 25 Mitarbeiter geben. Im Sommer waren 54 Verträge bis Ende Dezember verlängert worden. Ursprünglich hatte es laut der Kasseler Linken sogar 100 sogenannte Vollzeitäquivalente gegeben.

Die Partei beruft sich auf Zahlen aus dem Finanzausschuss im Dezember und fordert mehr Personal. Ein Kenner der Branche sagte der HNA: „Die Inzidenzen gehen hoch, die Mitarbeiter werden weniger. Das passt nicht.“ Ein ehemaliger Mitarbeiter klagt, dass die Stimmung bei seinen Ex-Kollegen wegen der unklaren Lage schlecht sei: „Viele sind schon woanders untergekommen.“

Mirko Düsterdieck von den Linken fordert daher von der Stadt „das Signal, dass alle, die weitermachen wollen, eine Verlängerung erhalten und um weiteres Personal geworben wird“. Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) hatte bereits Ende November auf eine entsprechende Kritik erklärt, dass sich die vom Land vorgegebene Strategie der Kontaktnachverfolgung geändert habe. Man konzentriere sich jetzt auf Alten- und Pflegeheime sowie andere betroffene Einrichtungen mit vulnerablen Personen. Nun versichert er auf Anfrage: „Wir beobachten die dynamische Lage und werden sie gegebenenfalls anpassen.“

Laut einem ehemaligen Mitarbeiter des Gesundheitsamts wurden teils Aufgaben nach außen vergeben. So hätten bei der Kontaktnachverfolgung in Schulen die Schulleitungen mehr Verantwortung übernehmen müssen. Trotzdem habe man zeitweilig sehr viele Überstunden machen müssen, um das Pensum noch zu schaffen. Zudem seien die Verordnungen des Landes oft unterschiedlich umgesetzt worden: „Manchmal haben sich die intern gesetzten Vorgaben zweimal wöchentlich geändert.“

Auch manche Anweisungen seien nicht nachvollziehbar gewesen. So seien die Mitarbeiter angewiesen worden, Eltern, deren Kinder positiv getestet wurden, nicht aktiv darauf hinzuweisen, dass man sich per negativem PCR-Nachweis aus der Quarantäne freitesten kann: „Man wollte, dass sie länger in Quarantäne bleiben.“

Viele der Kollegen würden die Arbeit in der Pandemie als sinnvoll ansehen. Umso enttäuschter seien sie nun, dass viele nicht mehr gebraucht würden. „Man hat nicht das Gefühl, dass man gehört wird. Für so einen Arbeitgeber will ich nicht mehr arbeiten“, sagt der Mann.

Der Stadt hatten wir am Montag ausführliche Fragen zu den Vorwürfen geschickt. Sie blieben bis gestern unbeantwortet. (Matthias Lohr)

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