– Anbieter verweisen auf Kostendruck

Gewerkschaft kritisiert Löhne im Pflegebereich

Szene in einem Pflegeheim: Über die Bezahlung in Pflegeheimen streiten Gewerkschaft und Betreiber. Foto: dpa

Kassel. Pflegekräfte sind in Stadt und Kreis begehrt: 70 offene Stellen in Heimen hatte die Agentur für Arbeit zuletzt registriert. Doch auf das Lohnniveau wirkt sich dies offensichtlich nicht aus. Laut der Gewerkschaft Ver.di zahlt kaum ein Alten- und Pflegeheim nach Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD), oft seien die Löhne niedriger.

Arbeitgeber verweisen darauf, dass ein Tariflohn mit den Pflegesätzen nicht finanzierbar sei.

Nach Gewerkschaftsangaben sind nur eine Handvoll Einrichtungen an den TVöD gebunden. Genauere Angaben konnte Ver.di am Dienstag nicht machen. Die Gesamtzahl der Heime liegt laut Kasseler Versorgungsamt bei 69.

Michael Schmidt

Heike Grau, Gewerkschaftssekretärin bei Ver.di Nordhessen, betrachtet die Entwicklung mit Sorge: „Die Seniorenheime, die mit günstigen Preisen für die Versorgung der älteren Menschen werben, können dies nur leisten, wenn sie weniger Lohn zahlen.“ Zwar sei auch der Druck auf die Pflegeeinrichtungen groß, doch eine vernünftige Entlohnung sei aus ihrer Sicht möglich. „Einrichtungen in Süd- und Mittelhessen binden sich durchaus an den TVöD. Das Argument, niedrigere Löhne seien der besseren Finanzierbarkeit geschuldet, greift also zu kurz.“

So beginnt laut Tarif das Grundentgelt bei 2132,51 Euro brutto für Altenpfleger. Einzelne Fachkräfte aus Nordhessen berichten aber auch immer wieder von Jobs mit 1600 Euro Bezahlung.

Auch Michael Greiner vom Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen bestreitet nicht, dass es in einzelnen Einrichtungen Lohnunterschiede gibt. In jedem Fall gelte aber ein gesetzlicher Mindestlohn, der nie unterschritten werde.

Zudem gebe es in ländlich geprägten Regionen deutlich weniger Pflegebedürftige als in Ballungsgebieten. Das mache es für die Einrichtungen schwieriger, den Betrieb wirtschaftlich zu halten.

Einer der größten Anbieter in der Region ist die Arbeiterwohlfahrt (Awo): 2100 Euro Einstiegsgehalt gibt es hier nach Ende der Probezeit für eine Fachkraft – plus Zulagen und Boni, sagt Geschäftsführer Michael Schmidt. Damit liege die Awo bei den Löhnen in der Spitzengruppe. Für mehr Geld gebe es keinen Spielraum. Die Awo fordere deshalb einen Branchentarifvertrag: „Dann müssten alle das Gleiche bezahlen und der Wettbewerb würde über die Qualität ausgetragen“, sagt Schmidt. Archivfoto: Konrad

Von Göran Gehlen und Emily Spanel

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