Weniger Geld, mehr Arbeit: 800 Mitarbeiter der Diakonie-Kliniken sind betroffen

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Soll weiter wachsen: Die Diakonie-Kliniken Kassel werden im Vorderen Westen für 120 Millionen Euro ausgebaut. Die mit dem Ausbau verbundenen finanziellen Belastungen bekommen auch die Mitarbeiter zu spüren.

kassel. Die Mitarbeiter der Diakonie-Kliniken Kassel müssen erneut finanzielle Einbußen hinnehmen. Ab 1. Januar 2011 erhalten die 800 Beschäftigten des evangelischen Krankenhauses im Vorderen Westen und des Burgfeldkrankenhauses in Bad Wilhelmshöhe 3,5 Prozent weniger Gehalt.

Dies sieht eine nun geschlossene Dienstvereinbarung für die nächsten beiden Jahre vor.

„Unser Ziel ist es, in zwei Jahren wieder vollen Tarif zu zahlen.“

Geschäftsführer Jens Wehmeyer

Außerdem muss die Belegschaft auf die Hälfte des Weihnachtsgeldes verzichten und weiterhin anderthalb Stunden mehr in der Woche arbeiten. Die vor einem Jahr eingeführte 40-Stunden-Woche wird um weitere zwei Jahre verlängert. Die tarifliche Arbeitszeit beträgt 38,5 Stunden. Tariferhöhungen bis zu einer Gesamthöhe von 2,5 Prozent werden für die Laufzeit der Dienstvereinbarung ausgesetzt.

„Unser Ziel ist es, in zwei Jahren wieder vollen Tarif zu zahlen“, sagt Geschäftsführer Jens Wehmeyer. Das um die Hälfte gekürzte Weihnachtsgeld soll erst im März gezahlt werden. Wie viele andere Kliniken hätten die Diakonie-Kliniken 2008 und 2009 Verluste erlitten, heißt es zur Begründung. Um einer wirtschaftlichen Notlage entgegenzuwirken, hätten Geschäftsführung und Mitarbeitervertretung gemeinsam ein Zukunftssicherungskonzept erarbeitet.

Grund für den Engpass sind laut Wehmeyer die hohen Investitionen für den Ausbau des Krankenhauses. Im Vorderen Westen werden 120 Millionen Euro investiert. Einen Teil müsse man vorfinanzieren. „Wir bauen schneller, als wir Geld vom Land Hessen bekommen“, sagt Wehmeyer. Bislang habe man 7,5 Millionen Euro aus dem eigenen Budget finanzieren müssen. „Es ist ein sehr harter Weg“, sagt Wehmeyer. Eine Alternative zur Modernisierung gebe es aber nicht. „Mit alten Häusern lässt sich die Zukunft nicht gestalten. Unser oberstes und vornehmstes Ziel ist es, die Arbeitsplätze zu sichern.“ Der Ausbau soll dazu beitragen.

Seit 2005 haben die Mitarbeiter immer wieder Einbußen hingenommen. „Die Belegschaft ist nicht gerade begeistert“, sagt die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Bärbel Kranz, über die erneuten Kürzungen. Dennoch sei man bereit, den Weg in den nächsten beiden Jahren mitzugehen. „Wir sind dankbar, dass wir im harten Ringen mit der Mitarbeitervertretung eine einvernehmliche Lösung gefunden haben“, sagt Pfarrer Karl Leonhäuser, theologischer Geschäftsführer. Er spricht von schmerzlichen, aber notwendigen Einschnitten. Die Bauzeit sei mit zusätzlichen wirtschaftlichen Belastungen verbunden.

Die Diakonie-Kliniken sind aus dem Zusammenschluss des Diakonissen-Krankenhauses mit dem Burgfeldkrankenhaus entstanden. Im November haben die Diakonie-Kliniken die Klinik Dr. Koch in Bettenhausen übernommen.

Von Ellen Schwaab

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