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Weniger Infarkte in Kliniken behandelt: Patienten meiden Krankenhäuser aus Angst vor Corona-Infektion

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Von: Anna-Laura Weyh

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Die Angst, sich anzustecken: Viele Menschen alarmieren nicht oder nur verzögert bei Beschwerden den Rettungsdienst.
Die Angst, sich anzustecken: Viele Menschen alarmieren nicht oder nur verzögert bei Beschwerden den Rettungsdienst. © Marijan Murat/picture alliance/dpa/dpa-bildfunk

Deutschlandweit werden weniger Patienten mit Schlaganfällen und Herzinfarkten in den Krankenhäusern behandelt, so eine Studie. In Kassel stimmt das nur zum Teil.

Kassel – Das ergab der Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Demnach gab es im vergangenen Jahr einen deutlichen Rückgang im Bereich der Notversorgung. Ein Blick in Kassels Krankenhäuser spiegelt diese Entwicklung jedoch nur zum Teil wider.

Experten vermuten, dass Patienten den Aufenthalt im Krankenhaus meiden und deshalb erst spät ärztliche Hilfe suchen – aus Angst vor einer Corona-Infektion oder der damit einhergehenden sozialen Isolation. Im Bereich der Schlaganfälle sei diese These nicht durchgängig haltbar, heißt es vonseiten des Klinikums Kassel.

Am Klinikum waren die Zahlen der Schlaganfall-Patienten zwischen 2019 und 2021 zwar leicht rückläufig. „Das ist aber auch auf Belegungsmöglichkeiten bei uns infolge der Pflegepersonaluntergrenzen und des allgemeinen Pflegemangels zurückzuführen“, sagt Pressesprecherin Nina McDonagh. Genaue Zahlen nennt das Klinikum nicht.

Im Bereich der Notaufnahmen verzeichne der Betrieb in den vergangenen zwei Jahren – nach einer kleinen Senke in der ersten Jahreshälfte 2020 – insgesamt einen stetigen Anstieg bei den Anfahrten. Dies betreffe sowohl Schlaganfälle als auch andere Erkrankungen sowie Verletzungen.

In den Helios Kliniken in Kassel wurden im Jahr 2019 529 Schlaganfall-Patienten behandelt. 2020 waren es 550 und im vergangenen Jahr insgesamt sogar 562 Fälle, meldet der Betrieb. „Es lässt sich also eine Zunahme an Patienten feststellen“, sagt Marie Schindler, Pressesprecherin von Helios.

Auch bei den Herzinfarkten lag die Fallzahl vor Corona auf einem ähnlichen Level wie im vergangenen Pandemiejahr. So wurden im Jahr 2019 in den Helios Kliniken in Kassel 181 Herzinfarkte behandelt und im Jahr 2021 schließlich 185. Das erste Pandemiejahr liegt mit 166 behandelten Herzinfarkten etwas darunter.

Das Kasseler Klinikum hingegen bestätigt in diesem Punkt den Trend des Krankenhaus-Reports der AOK. „Auffallend in den vergangenen drei Jahren war ein stärkerer Abfall bei kleinen Herzinfarkten“, sagt McDonagh. Als kleine Herzinfarkte werden starke Einengungen der Blutgefäße bezeichnet, es handelt sich dabei nicht um einen kompletten Gefäßverschluss.

Die Beschwerden sind oft nur schwach spürbar und können gleichzeitig sehr vielseitig und damit unspezifisch sein. Viele Patienten erkennen einen kleinen Herzinfarkt daher selbst nicht.

Krankenhaus-Report: Neun Prozent weniger Herzinfarkte

Der diesjährige Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK ergab, dass im Jahr 2021 insgesamt neun Prozent weniger Herzinfarkt-Behandlungen in den Kliniken festzustellen waren als im Vorpandemiejahr 2019. Der Rückgang war damit noch ausgeprägter als im Jahr 2020 (minus sieben Prozent). Die Zahl der Schlaganfall-Behandlungen lag 2021 um sieben Prozent niedriger als im Vergleichsjahr 2019. In 2020 waren es ein Minus von fünf Prozent). Der Krankenhaus-Report 2022 analysiert die Behandlung der Covid-19-Patienten sowie die Auswirkungen der Pandemie auf andere medizinische Bereiche. 

Dass weniger Patienten mit kleinen Herzinfarkten im Klinikum behandelt wurden, könne ein Hinweis dafür sein, dass die Patienten aufgrund der Pandemie-Situation den Krankenhausaufenthalt scheuen, so das Klinikum.

Dieser Trend gebe Anlass zur Sorge, so das Wissenschaftliche Institut der AOK. „Eine Analyse zeigt, dass in den Kliniken eher schwerere Fälle angekommen sind“, berichtet Institut-Geschäftsführer Jürgen Klauber. Dabei sei auch eine höhere Sterblichkeit im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie festzustellen. „Die Verschiebung ist ein Hinweis darauf, dass Patienten mit milderen Symptomen vielfach nicht oder nur verzögert den Rettungsdienst alarmiert haben“, so Klauber. (Anna Weyh)

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