Kirchen sehen gesellschaftlichen Wandel als Ursache

Weniger Paare in Stadt und Kreis Kassel lassen sich trauen

Kassel. Die Zahl der Eheschließungen in Stadt und Kreis Kassel ist seit Langem rückläufig. Dabei ist der Rückgang bei den kirchlichen Trauungen deutlich stärker als bei den standesamtlichen. Gaben sich im Jahr 1990 noch 1209 Paare das Jawort beim Kasseler Standesamt, sank die Zahl binnen zehn Jahren auf 993 (Jahr 2000).

Im vergangenen Jahr gab es 890 standesamtliche Trauungen in Kassel. Seit 1990 entspricht das einem Rückgang von 26,4 Prozent.

Die Zahl der kirchlichen Trauungen hat sich in diesem Zeitraum hingegen fast doppelt so stark reduziert. Während die katholische Kirche 1990 noch 168 Paare in Stadt und Landkreis traute, waren es voriges Jahr 90 (– 46,4 Prozent). Im evangelischen Stadtkirchenkreis Kassel ging die Zahl seit 1990 um 56,1 Prozent auf 142 Trauungen im Jahr 2010 zurück. Vor zehn Jahren gaben sich 192 Paare in evangelischen Kirchen in Kassel das Jawort. Im evangelischen Kirchenkreis Kaufungen, der sich zum Großteil mit dem Altkreis Kassel deckt, ist der Rückgang seit 1990 mit 68,2 Prozent am deutlichsten. Im vorigen Jahr trauten sich in den zugehörigen Gemeinden 134 Paare.

Den Rückgang erklären sich die Kirchen vor allem mit veränderten Lebensverhältnissen. Das Zusammenleben ohne Trauschein sei inzwischen gesellschaftlich akzeptiert, auch für Paare mit Kindern. Klar sei aber auch, sagt Dechant Harald Fischer von der katholischen Kirche Kassel, dass das religiöse Bewusstsein in der Gesellschaft abgenommen habe. Früher sei eine kirchliche Trauung selbstverständlich gewesen. Deshalb sei der Rückgang nicht unbedingt negativ. „Diejenigen, die in der Kirche heiraten, verbinden in der Regel wirklich etwas damit.“

Die evangelische Kirche hat auf den Wandel der gesellschaftlichen Realität und die veränderten Wünsche der Paare mit dem Entwurf eines neuen Trau-Leitfadens reagiert. Die neue Trauagende soll im Frühjahr von der Landeskirche beschlossen werden.

Von Katja Rudolph

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