Für Kinder fehlt’s an nichts

Trotz wenig Rummel auf dem Zissel: Familien sind mit Angebot zufrieden

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Er vermisst gar nichts: Bastian Enzeroth aus Bad Emstal fährt eine Runde Karussell nach der nächsten.

Kassel. „Uns fehlt gar nichts. Wir haben einen Luftballon und es gibt ein Kinderkarussell“, sagt Birgit Schott aus Kassel. Am Samstagnachmittag ist sie mit ihrer Tochter und ihrem Enkelsohn Maximilian auf dem Auedamm unterwegs. Für Familien mit Kindern sei das Angebot ausreichend, sagt Schott.

Natürlich wäre es schöner, wenn große Fahrgeschäfte auf dem Zissel vorhanden wären. „Aber ich verstehe, warum das nicht geht“, sagt Schott.

In diesem Jahr wurden aus Angst, es könnten noch Blindgänger - nicht detonierte Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg - im Erdreich der Karlsaue liegen, kurzerhand beschlossen, dass keine schweren Fahrgeschäfte bei dem Volks- und Wasserfest aufgestellt werden dürfen.

„Ich finde das nicht so dramatisch“, sagt Justyna Enzeroth aus Bad Emstal. Sie sei zum ersten Mal überhaupt tagsüber auf dem Zissel. Das liegt an ihrem zweieinhalbjährigen Sohn Bastian. Und der amüsiert sich prächtig in dem Kinderkarussell neben dem Prinzeßgarten, das von vielen Eltern sowie lachenden und schreienden Kindern umlagert ist. Letztere wollen einfach nicht verstehen, dass jede Karussellfahrt mal zu Ende geht.

Astrid Rudolph schlendert am Samstagnachmittag mit einer Bekannten über den Auedamm. „Ich vermisse gar nichts“, sagt die Frau aus Kassel. „Wir gehen auch nur einmal hoch und runter, um sagen zu können, wir waren mal auf dem Zissel.“

Sind rundum zufrieden: Birgit Schott mit Enkel Maximilian.

„Mit 63 Jahren fehlen mir die Karussells nicht mehr“, sagt Edwin Eichelt, der mit seiner Frau Heidemarie an der Regattawiese flaniert. Er erinnert daran, dass es früher auch keine Fahrgeschäfte am Auedamm, sondern nur auf der Schwanenwiese gab. „Da war der Zissel noch mehr ein Fest der Bootshäuser.“ Dort sei es hoch hergegangen. Eine Zeit, an der sich Eichelt sehr gern erinnert.

Auch die Schausteller am Auedamm klagen nicht. Maik Zwanziger berichtet davon, dass die Geschäfte in seiner Wurfbude am Freitagabend sogar besser als im Vorjahr gelaufen sind. „Vielleicht geben die Besucher jetzt das Geld bei uns aus, das sie bei den Fahrgeschäften sparen.“ Das gleiche vielleicht auch aus, dass wegen der fehlenden Karussells weniger Gäste zur Meile kommen.

Auch Florian Göttermann, der gebrannte Mandeln und anders Naschwerk verkauft, hat keine Umsatzeinbußen gemacht. „Diejenigen, die hier sind, kaufen trotzdem.“ Nur an der Stimmung merke man, dass es dieses Jahr etwas anders ist. „Die Jugend fehlt“, sagt Göttermann.

An der Orangerie laufen drei Mädchen im Teenageralter entlang. Ganz enttäuscht stellen sie fest: „Nicht mal das Riesenrad ist da.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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