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Gemäldegalerie im Schloss Wilhelmshöhe mit Fehlalarmen: Wenn’s bei Rubens plötzlich klingelt

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Von: Thomas Siemon

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Abstand halten: Viel näher sollte man dem Rubens-Gemälde nicht kommen. Matthias Richter (links) und Lena Pralle (beide MHK) beim Ortstermin zur neuen Sicherheitstechnik im Schloss Wilhelmshöhe.
Abstand halten: Viel näher sollte man dem Rubens-Gemälde nicht kommen. Matthias Richter (links) und Lena Pralle (beide MHK) beim Ortstermin zur neuen Sicherheitstechnik im Schloss Wilhelmshöhe. © Andreas Fischer

Die neue Alarmanlage im Schloss Wilhelmshöhe ist seit September in Betrieb. Sie muss noch feinjustiert werden und löst momentan oft noch zu früh den Warnton aus.

Kassel – Nein, sie waren es nicht. Die Schüler, die ein Stück weiter vor Rembrandts Saskia stehen, sehen sich überrascht um. Von ihnen hat niemand den Alarm ausgelöst. Der ertönt nicht schrill, sondern erinnert eher an einen Pausengong. Für den ist in diesem Fall Matthias Richter von der Bauabteilung der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) verantwortlich. Der Vorführeffekt in der Galerie Alte Meister von Schloss Wilhelmshöhe. Im konkreten Fall handelt es sich um das Gemälde „Der Triumph des Siegers“ von Peter Paul Rubens aus dem Jahr 1614. Aus der Sicht von Richter hat die neue Alarmanlage das gemacht, was sie soll. Nämlich warnen, wenn jemand zu dicht an das Gemälde herantritt. Die Aufsichten kennen das schon und stellen den Warnton schnell ab.

Andere sind eher genervt. Die Alarmanlage sei so oft zu hören, dass ein entspannter Kunstgenuss kaum noch möglich sei, hat uns HNA-Leser Werner Varnhorn geschrieben. Der ist regelmäßiger Besucher der Galerie Alte Meister und hofft, dass das Problem bald gelöst wird. „Seit September arbeiten wir in Zusammenarbeit mit der ausführenden Firma an der Feinjustierung der Technik“, sagt MHK-Mitarbeiter Matthias Richter. Das werde auch noch einige Wochen dauern.

Mit den aktuellen Protesten von Klimaaktivisten, die teilweise Kartoffelbrei auf (mit Spezialglas geschützte) Kunstwerke geworfen oder sich an Bilderrahmen festgeklebt haben, hat das übrigens nichts zu tun. Nach 20 Jahren habe es für die alte Anlage keine Ersatzteile mehr gegeben, auch der Wartungsvertrag sei ausgelaufen. Deshalb wurde jetzt eine neue Anlage installiert, die mit einer Lasertechnik funktioniert. Vor den meisten Bildern und weiteren Ausstellungsstücken noch in der Standardeinstellung. Das gilt auch für das Gemälde von Rubens.

Ein Problem: Wer die Schrift auf der kleinen Tafel mit den Erläuterungen lesen will, muss zwangsläufig ein Stück näher treten. Das ist in den meisten Fällen der Grund dafür, dass der Alarm ausgelöst wird. Schon jetzt kann man als Besucher dafür sorgen, dass der Warnton nicht erklingt. „Zur Orientierung gilt, dass man eine Armlänge Abstand zum Kunstwerk halten sollte“, sagt MHK-Sprecherin Lena Pralle. Da die Erläuterungstafeln in der Regel rechts vom Gemälde angebracht sind, kann die auch direkt ansteuern, ohne allzu nah am Bild vorbeizugehen. Ansonsten werde man in den nächsten Wochen noch daran arbeiten, dass die Computertechnik für die Lasersteuerung etwas weniger streng als bisher reagiert. Unter dem Strich sei es wichtig, die Millionenwerte im Schloss Wilhelmshöhe gut zu schützen.

Wer dort in diesen Tagen einen Rundgang macht, muss übrigens keine Angst davor haben, zu frieren. Damit die Gemälde nicht leiden, muss eine konstante Raumtemperatur gehalten werden. Die ist angenehm.

Hier sollte der Alarm noch nicht losgehen: MHK-Sprecherin Lena Pralle vor einer der Infotafeln in der Gemäldegalerie.
Hier sollte der Alarm noch nicht losgehen: MHK-Sprecherin Lena Pralle vor einer der Infotafeln in der Gemäldegalerie. © Fischer, Andreas

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