Mehr als 200 Zuhörer informierten sich über Ursachen und Therapie des Schwindels

Wenn der Boden schwankt

Thema Schwindel im Gespräch: Hans-Jürgen Altenwischer (KK Gartenbau, von links), Carola Jantzen (KISS), Dr. Stefan Pollmächer, Dr. Karin Müller, Dr. Rolf Schröder, Markus Klose (BKK Henschel Plus) und HNO-Arzt Lutz-Michael Schäfer diskutierten. Foto: Dilling

Kassel. Die Attacke kommt häufig aus heiterem Himmel: Man hat das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Alles dreht sich, es wird einem übel, die Umgebung wird zum Karussell: Schwindel ist ein Symptom mit vielen Facetten. Sogar Neurologen, also Nervenärzte, stochern bei der Suche nach der Ursache oft „wie in einem schwarzen Kasten“, sagt der Kasseler Arzt und Psychotherapeut Dr. Rolf Schröder.

Er gehörte zu den Experten, die ihr Publikum von über 200 Zuhörern am Dienstag während einer von HNA-Redakteur Jörg Steinbach moderierten Diskussionsrunde der Reihe „Gesundheit im Gespräch“ über das Thema Schwindel informierten. Das Problem brennt vor allem älteren Menschen auf den Nägeln. Viele Betroffene kamen während der vom Gesundheitsamt Region Kassel, der Volkshochschule und dem Gesundheitsnetz Nordhessen organisierten und von den Krankenkassen Henschel Plus und Gartenbau gesponserten Veranstaltung mit ihren Leidensgeschichten zu Wort.

Fast jeder zweite Patient über 65 Jahre habe schon einmal über Schwindel geklagt, berichtete der HNO-Arzt Lutz-Michael Schäfer. „Wir bekommen hin und wieder Anrufe von Menschen, die verzweifelt sind, und sich nicht mehr trauen, die Wohnung zu verlassen“, sagte die Leiterin der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS), Carola Jantzen. Eine Selbsthilfegruppe für Schwindel gebe es noch nicht. Betroffene könnten sich aber an die Tinnitus- oder Angstselbsthilfegruppe wenden.

Schwindel macht Angst und kann gefährlich werden, wenn man beispielsweise gerade Auto fährt. Bei schweren Fällen sollte der Patient am Besten immer ein Notfallmedikament dabei haben, riet Schäfer.

Sorgfältige Diagnose wichtig

Schwindelanfälle sind aber kein Grund zu verzweifeln, sagte der Allgemeinmediziner Dr. Stefan Pollmächer. Wichtig sei, aktiv mit der Erkrankung umzugehen, eine sorgfältige Diagnose stellen zu lassen und sich mit gezielten Übungen, homöopathischen Mitteln oder Akupunktur gegen die Attacken zu wappnen. Denn die Ursachen für Schwindel sind vielfältig. Es könne beispielsweise eine Beschädigung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr, eine Blockierung der Halswirbelsäule, ein Innenohrschaden oder eine Kreislauferkrankung eine Rolle spielen, sagte Schäfer. Sogar bestimmte Medikamente könnten zu Schwindel führen.

Am wichtigsten ist es, dem Teufelskreis des Schwindels und der Angst davor zu entkommen. Gerade wenn sich die Angst vor der Attacke verselbstständigt habe oder es eine psychische Triebfeder für Schwindelanfälle gebe, empfehle sich die Behandlung durch einen Psychotherapeuten, sagte Schröder. (pdi)

Fernsehaufzeichnung Gesundheit im Gespräch zum Thema Schwindel am Montag, 24. Mai, ab 18.15 und ab 22.15 Uhr im Offenen Kanal Kassel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.