Hauptangeklagter will mit Mitangeklagtem am Tatort gewesen sein

Lübcke-Mord: Sohn erinnert sich an Begegnung 2018 in Istha

Der 36-jährige Christoph Lübcke sagte gestern vor dem Oberlandesgericht aus.
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Der 36-jährige Christoph Lübcke sagte gestern vor dem Oberlandesgericht aus.

Im Staatsschutzverfahren vor dem Oberlandesgericht Frankfurt wurde gestern Christoph Lübcke, der älteste Sohn des ermordeten Walter Lübcke, als Zeuge vernommen.

Frankfurt – Markus H. (44), der wegen Beihilfe zum Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke angeklagt ist, grinst gern. Sein Grinsen ist in dem Staatsschutzverfahren vor dem Oberlandesgericht (OLG) bereits öfters negativ aufgefallen. Jetzt könnte ihm dieser selbstgefällige Gesichtsausdruck zum Verhängnis werden beziehungsweise vergehen.

Gestern schilderte Christoph Lübcke (36), der ältere Sohn des Mordopfers, im Zeugenstand eine Begegnung mit zwei Männern, die er zusammen mit seinem Vater im Frühjahr 2018 vor seinem Haus in Istha gehabt habe. Es sei an einem späten Samstagnachmittag zwischen Ende März und Mitte April gewesen, als er sich dort mit seinem Vater unterhalten habe. An den Zeitraum könne er sich noch so gut erinnern, weil damals kurz zuvor sein Sohn geboren worden war.

An dem Samstagnachmittag habe er mit seinem Vater ein Gespräch über einen Professor der Universität Kassel geführt, bei dem er seine Masterarbeit schreiben wollte.

Lübcke-Mord: Begegnung mit den Tätern

Plötzlich seien zwei fremde Männer in acht bis zehn Meter Entfernung aufgetaucht und hätten sie beide mit Blicken fixiert. Ein größerer und ein kleinerer Mann. Das Gesicht des kleineren Mannes habe er mit einer Guy-Fawkes-Maske assoziiert. Wegen seines Grinsens und seines Bartansatzes. Nur das Gesicht des Mannes sei rundlicher gewesen als die Maske.

„Es war ein fixierendes Grinsen, kein freundliches Nicken“, so der 36-Jährige. Dieser Mann habe eine grün-blau gescheckte Jacke im Bundeswehr-Stil getragen. Nachdem die fremden Männer weitergegangen seien, habe sein Vater noch zum ihm gesagt, was das denn für „skurrile Personen“ gewesen seien.

Diese Zeugenaussage passt zu Angaben, die der Angeklagte Stephan Ernst (47), der den Mord an dem Regierungspräsidenten bereits gestanden hat, in der vergangenen Woche vor dem OLG gemacht hat. Ernst schilderte, dass er an einem Samstag im Frühjahr 2018 mit Markus H. zusammen in Istha gewesen sei, um das Umfeld von Lübcke auszuspähen.

Lübcke-Mord: Ernst soll Haus identifizieren

Dort habe er den Regierungspräsidenten mit einem „Nachbarn“ vor einem rötlichen Haus stehen sehen. Ernst erklärte, dass er daraufhin zu Lübcke gehen und ihn wegen seiner Flüchtlingspolitik zu Rede stellen wollte. H., der eine Camouflage-Jacke getragen habe, habe ihn zurückgehalten.

Am nächsten Verhandlungstag, der am morgigen Donnerstag stattfindet, sollen Ernst mehrere Bilder von Häusern in Istha vorgelegt werden. Darunter befindet sich auch ein Foto des Hauses von Christoph Lübcke, das in der Nachbarschaft des Hauses seiner Eltern steht. Das Gericht will feststellen, ob Ernst das Haus des 36-jährigen Unternehmers wieder erkennt.

Zuvor hatte der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel sich bei Christoph Lübcke nach dessen Befinden erkundigt. Der gewaltsame Tod des Vaters sei ein „unendlich großer Verlust“ für die Familie, so der gelernte Elektroingenieur und Diplom-Ökonom. Auch für die Enkelkinder. Je älter sein Sohn werde, desto mehr Fragen stelle er zum Tod seines Großvaters, schilderte der 36-Jährige unter Tränen. Sein Sohn sage, dass der Opa von ein oder zwei bösen Männern am Kopf verletzt worden sei. Und er sage: „Der Opa ist jetzt im Himmel.“ (Ulrike Pflüger-Scherb)

Guy-Fawkes-Maske.

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