Handtücher sind sehr begehrt

Hotelgäste nehmen beim Auschecken manchmal sogar Fernseher mit

Begehrte Sammlerobjekte: Die wertvoll bestickten Handtücher und Bademäntel im Schlosshotel reizen manche Langfinger im Hotel. Für unser Foto präsentiert sie Schlosshotel-Mitarbeiterin Giuliana Rizzo. Foto: Schachtschneider

Kassel. Ob Handtuch, Kleiderbügel oder Hausschuhe: In Hotels ist fast nichts vor diebischen Gästen sicher.

Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Online-Reiseportals travel24.com. Durch Diebstähle in Hotels entstehen deutschlandweit jährlich 37 Millionen Euro Schaden.

Auch in Kasseler Hotels lassen die Gäste beim Auschecken schon mal das eine oder andere mitgehen.

Jasmin Rubel, Inhaberin des Hotels Papen-Änne in Harleshausen, sagt: „Es kommt immer wieder vor, dass Handtücher und Toilettenpapier mitgenommen werden. Gefährdet ist alles, was nicht niet- und nagelfest ist.

Es werden Birnen rausgedreht und Schalter abgeschraubt. Sogar eine ganze Matratze ist uns schon entwendet worden.“ Was Rubel immer wieder verblüfft: „Es sind oft Gäste, denen man es nicht zutrauen würde. Man sieht es niemandem an.“ Sie vermutet: „Es ist wohl der Thrill, sich nicht erwischen zu lassen.“

Auch Monika Jochinger (Schlosshotel Bad Wilhelmshöhe, Schweizer Hof) sagt: „Das sind dreiste Menschen, manche sind regelrechte Sammler.“ Und das beliebteste Sammler-Objekt seien ganz klar Handtücher und Bademäntel. Im Schlosshotel sind sie kostbar bestickt und werden, weil sie so attraktiv sind, von manchen Gästen auch käuflich erworben.

Ein skurriler Diebstahl im Schlosshotel seien einmal die Batterien aus dem Zimmertresor gewesen. Jochinger: „Ich war fassungslos.“

„Handtücher kommen am häufigsten weg“, sagt die Geschäftsführerin des Chassalla-Hotels an der Wilhelmshöher Allee, Miriam Schönauer-Seidel. „Aber uns wurden auch schon Wandlampen und Spiegel abmontiert.“ Sogar ganze Fernsehapparate seien verschwunden.

„Bei uns ist die Seife im Spender, und Bademäntel haben wir nicht“, sagt Robert Dabac, Inhaber des Stadthotels an der Treppenstraße. Das kann schon mal nicht geklaut werden. Ansonsten würden die Gäste gerne kleinere Gegenstände wie Nähsets und natürlich Handtücher mitnehmen.

Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) ist das allerdings alles andere als ein Kavaliersdelikt. Laut der Umfrage unter 5800 Reisenden stehen Kosmetikprodukte ganz oben auf der Liste der entwendeten Gegenstände. Rechtlich sei die Lage eindeutig, sagt Anna Homm, Geschäftsführerin des Dehoga-Bezirksverbandes Nord- und Osthessen. Selbst ein angebrochenes Shampoofläschchen mitzunehmen, sei der juristischen Definition nach Diebstahl. Kaum ein Hotelier werde deshalb aber gegen seinen Gast vorgehen. Anders sehe das aber schon bei Bademänteln aus, Platz 7 des am häufigsten geklauten Hoteleigentums.

Für die Region lasse sich der wirtschaftliche Verlust nicht beziffern. „Meist gehen die Hotels aus Reputationsgründen diskret damit um“, sagt Homm.

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