Stadt gilt als überversorgt

Wenn in Kassel ein Supermarkt erweitert wird, macht ein anderer zu

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Seit Samstag geschlossen: Der Penny Forstfeld wird vom Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiter betrieben.

Mit fast 80.000 Quadratmetern Verkaufsfläche gilt Kassel im Lebensmittelbereich als überversorgt. Der Konkurrenzdruck steigt.

„Es gibt in Kassel eigentlich nur noch Verdrängung“, sagt Martin Schüller, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Hessen Nord. „Wenn irgendwo ein Markt erweitert wird, dann bedeutet das oftmals das Aus für ein kleineres Geschäft in unmittelbarer Nähe.“

Aktuelles Beispiel ist der Penny Forstfeld an der Ochshäuser Straße. Die Schilder mit den Logos sind bereits abmontiert, seit Anfang der Woche ist der Discounter in Bettenhausen Geschichte. Auf Plakaten werden die Kunden informiert: „Wir schließen.“ Zukünftig müssen die Kunden dann auf die Filiale im Nachbarstadtteil Waldau ausweichen.

Auf Nachfrage heißt es von Penny, dass aufgrund der verschärften Wettbewerbsbedingungen die Filiale in der Ochshäuser Straße nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden konnte. Im Stadtteil gibt es bereits mehrere Discounter und Supermärkte. Der Penny Forstfeld ist nicht der einzige Supermarkt, der seinen Betrieb aufgegeben hat. Auch der Rewe an der Leuschnerstraße 99 und der Edeka am Umbachsweg haben im vergangenen Jahr geschlossen.

Derzeit gibt es im Kasseler Stadtgebiet gut 70 Lebensmittelmärkte der bekannten Ketten (siehe Grafik). Hinzu kommen noch Bioläden und internationale Supermärkte.

Das beste Beispiel für eine Verdrängung wäre für Schüller, wenn die geplante Erweiterung des Lidl-Marktes an der Kohlenstraße in Wehlheiden genehmigt würde. Der Einzelhandelsverband lehnt den Ausbau ab. „Wenn der Discounter auf 1500 Quadratmeter erweitern dürfte, wäre das ein Dammbruch“, sagt Schüller. Dann würden auch andere Discounter in Mischgebieten auf Erweiterung drängen. Beispielsweise habe sich auch der Lidl an der Wolfhager Straße in Rothenditmold ebenfalls vergrößern wollen, das sei aber vorerst vom Tisch, so Schüller.

Der Druck habe zuletzt zugenommen, weil Discounter in Mischgebieten auf eine Größe von 800 Quadratmetern beschränkt sind, die neuen Konzepte von Lidl und Aldi würden aber deutlich mehr Fläche benötigen. Dann müsse die Fläche aber als Sondergebiet ausgewiesen werden. Schüller geht davon aus, dass die Vergrößerung der Discounter auf längere Sicht das Aus für die fußläufige Nahversorgung in den Stadtteilen bedeute.

In Harleshausen, mit über 12 000 Einwohnern einer der größten Stadtteile, gibt es keinen Discounter. Wenn sich aber die Discounter in den umliegenden Stadtteilen Jungfernkopf und Rothenditmold vergrößern, wäre das über kurz oder lang auch das Aus für die kleineren Läden im Harleshäuser Ortskern, schätzt der Geschäftsführer. Oftmals würden die Einkäufe dann notwendigerweise mit dem Auto erledigt. Man fahre in die Nahversorgungszentren, wo oft Discounter, Supermärkte und eine Drogerie in unmittelbarer Nähe angesiedelt seien. Wer kein Auto zur Verfügung habe, für den werde es dann zukünftig schwieriger, Einkäufe zu erledigen.

Die Anzahl der Lebensmittelmärkte ist in den einzelnen Stadtteilen sehr unterschiedlich, so gibt es beispielsweise in Wehlheiden eine Vielzahl. Am Brasselsberg gibt es lediglich einen Nahkauf, die größeren Märkte sind nur mit dem Auto zu erreichen. Ähnlich ist es in Philippinenhof-Warteberg oder am Rothenberg in Rothenditmold.

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