Interview mit dem Leiter der Familienkasse

Plötzlich kein Kindergeld: Bearbeitung von Anträgen verzögerte sich

Viele Eltern sind darauf angewiesen: Wenn der Kindergeldanspruch nach dem 18. Lebensjahr aber nicht rechtzeitig bearbeitet werden kann, dann wird die Zahlung eingestellt. Foto: dpa

Kassel. Wenn Kinder volljährig werden oder einen neuen Ausbildungsabschnitt beginnen, muss der Kindergeldanspruch neu nachgewiesen werden. Mit dem Start des neuen Ausbildungsjahres gab es bei der Familienkasse zuletzt Verzögerungen bei der Bearbeitung. Viele warteten auf ihr Geld.

Das Wartezimmer des Kasseler Servicebüros der Familienkasse (Theaterstraße 3) war in den vergangenen Wochen oft voll besetzt. Viele Eltern saßen dort, nachdem sie feststellten, dass das Kindergeld nicht überwiesen wurde. Über die Gründe sprachen wir mit Ewald Howard, Leiter der Familienkasse Hessen.

Wie kann es kommen, dass Familien mit Kindergeldanspruch plötzlich keine Zahlungen mehr erhalten? 

Ewald Howard: Nach der Geburt eines Kindes erhalten die Eltern auf schriftlichen Antrag zunächst 18 Jahre lang Kindergeld. Das läuft in der Regel völlig reibungslos. Probleme gibt es oft erst mit der Volljährigkeit. Ungefähr einen Monat vor dem 18. Geburtstag und auch zum Ende jedes Ausbildungsabschnitts schreiben wir die Eltern an und weisen darauf hin, dass sie den Kindergeldanspruch neu belegen nachweisen müssen. Das ist der Fall, wenn die Kinder etwa weiter die Schule besuchen, eine Ausbildung beginnen oder ein Studium aufnehmen. Wenn dies nicht zeitnah nachgewiesen wird, wird die Zahlung automatisch eingestellt.

Und wo liegt das Problem?

Howard: Das fängt schon damit an, dass viele Familien in den 18 Jahren oft umgezogen sind, ohne uns das mitzuteilen. Das heißt, wir müssen erst die aktuelle Anschrift ermitteln. Somit erreicht die Eltern unser Anschreiben später. Dann ist die Zahlung oft schon eingestellt, bevor wir überhaupt eine Rückmeldung haben.

Wie lange brauchen Sie denn für die Bearbeitung eines Antrags? 

Howard: Normalerweise bearbeiten wir innerhalb von sechs Wochen. Derzeit sind wir aber etwas in Rückstand, weil in den Sommerferien auch viele unserer Mitarbeiter im Urlaub waren. Nach dem Start des neuen Schul- und Ausbildungsjahres schieben wir noch eine kleine Welle unbearbeiteter Anträge vor uns her.

Das heißt, einige müssen ein paar Monate ohne Kindergeld auskommen? 

Hinweise der Familienkasse

• Bei allen Mitteilungen die Kindergeldnummer angeben.

• Bitte folgende Adresse benutzen: Familienkasse Hessen, 34196 Kassel oder E-Mail an: familienkasse-hessen@arbeitsagentur.de

• Wichtige Änderungen (Umzug, Abbruch der Ausbildung etc.) mitteilen.

• Bei Rückfragen kostenlose Servicenummer nutzen: 0800 / 4 5555 30.

Howard: Wir wissen, dass die Eltern auf das Kindergeld angewiesen sind und bemühen uns darum, dass es zu keiner Unterbrechung der Zahlung kommt. Das ist wegen der schieren Masse an Anträgen nicht immer möglich. Sollte der Kindergeldanspruch bestehen, wird das Geld aber rückwirkend überwiesen.

Warum schreiben Sie die Eltern nicht schon viel frühzeitiger an und weisen auf das Auslaufen des Kindergeldes hin? 

Howard: Früher haben wir die Eltern drei Monate vorher informiert. Das hat aber dazu geführt, dass viele Eltern unser Schreiben erstmal beiseite gelegt und oft vergessen haben.

Was können Eltern tun, damit die Bearbeitung so schnell wie möglich läuft? 

Howard: Wichtig ist, unsere Schreiben zeitnah zu beantworten und die geforderten Unterlagen beizufügen. Am Standort Kassel betreuen wir ca. 80.000 Kindergeldberechtigte mit 126.000 Kindern; pro Monat erhalten wir 9.000 bis 10.000 Posteingänge. Diese bewältigen wir mit 17,5 Vollzeitstellen. Viele Eltern rufen schon nach wenigen Tagen in unserem Servicecenter an und fragen, wie weit die Bearbeitung ist. Oder sie kommen direkt in die Theaterstraße in Kassel. Dabei ist das nicht nötig.

Wann ist es sinnvoll, Sie zu kontaktieren? 

Howard: Wenn Eltern nach sechs Wochen nichts von uns gehört haben, sollten sie im Servicecenter anrufen. Wenn beim Ausfüllen der Anträge Verständnisprobleme auftreten, können sie selbstverständlich persönlich in der Theaterstraße vorsprechen.

Von Bastian Ludwig

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