Wenn Pflege plötzlich nötig wird

Kassel. In Deutschland werden zurzeit 2,13 Millionen Menschen gepflegt, davon 1,45 Millionen zu Hause. Wenn Pflege plötzlich nötig wird, ist guter Rat teuer. Mit diesem Thema befassten sich am Dienstag Experten in der Kasseler Reihe „Gesundheit im Gespräch“.

Von Mirko Konrad

Kassel. Häufig stehen Menschen plötzlich vor der Situation, Angehörige pflegen zu müssen, sei es, weil alte Menschen nicht mehr allein zu Hause zurechtkommen oder nach Operationen und Unfällen pflegebedürftig aus dem Krankhaus entlassen werden. Dann sind Angehörige und Betroffene mit einer Reihe von Fragen konfrontiert:

Bin ich eigentlich pflegeversichert?

Alle Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) sind auch pflegeversichert, egal ob sie pflicht- oder freiwillig versichert sind. Privatversicherte müssen dieses Risiko privat versichern. Ehegatten und Kinder, die in der GKV familienversichert sind, haben einen Anspruch auf eine kostenfreie Mitversicherung.

Wo beantrage ich die Pflegeleistungen?

Zuständig ist die Krankenkasse, bei der man versichert ist. Anspruch auf die Leistungen der Pflegeversicherung hat, wer in den vergangenen zehn Jahren zwei Jahre vorversichert war. Für versicherte Kinder reicht es aus, wenn ein Elternteil diese Frist erfüllt. Zudem muss eine Pflegebedürftigkeit vorliegen und die zu pflegende Person einer der drei Pflegestufen zugeordnet sein. Hilfe finden Betroffene unter anderem in Beratungsstellen, Pflegestützpunkten, Krankenhäusern oder bei ambulanten Pflegediensten.

Wann liegt eine Pflegebedürftigkeit vor?

Wenn man für mindestens sechs Monate infolge von Krankheiten oder Behinderungen für die regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Alltag in erheblichem Maß Hilfe benötigt. Wiederkehrende Verrichtungen sind vor allem Körperpflege, Ernährung und Mobilität. Die drei Stufen der Pflegeversicherung richten sich nach dem zeitlichen Hilfebedarf, der dafür pro Tag notwendig ist. Das ermittelt der Medizinische Dienst, der von den Krankenkassen beauftragt wird.

Was leistet die Pflegeversicherung?

Bei der Pflege zu Hause leistet sie generell Unterstützung durch ambulante Pflegedienste und Pflegegeld, in der stationären Pflege bei der Unterbringung in Pflegeheimen. Ebenso ist eine Kombination von Geld- und Sachleistungen möglich sowie eine Reihe weitere Optionen wie technische Hilfen oder Pflegekurse.

Was ist, wenn die Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen?

Zusätzliche finanzielle Unterstützung und Sozialleistungen können bei Pflegebedürftigkeit auch über das Sozialamt beantragt werden. Das können etwa Hilfen zum Lebensunterhalt, zur Grundsicherung, zur Pflege oder anderer Verrichtungen wie Körperpflege oder Nachtbereitschaft sein. Die Höhe ist abhängig von den Einkommens- und Vermögensverhältnissen. Bei der Beantragung von zusätzlichen Leistungen über das Sozialamt wird auch das Familieneinkommen und -vermögen der Kinder bis zu einem bestimmten Grad berücksichtigt.

Werden Umbauten der Wohnung unterstützt?

Sind aufgrund der Pflegebedürftigkeit Umbauten, etwa des Badezimmers, nötig, unterstützt die Pflegeversicherung diese mit maximal 2500 Euro. Das gilt nicht nur für Eigenheime, sondern auch für Mietwohnungen. Allerdings müssen solche Umbauten dann vorher mit dem Vermieter abgesprochen werden.

Was ist, wenn pflegende Angehörige Urlaub machen möchten?

In solchen Fällen können sogenannte Verhinderungs-, Tages- oder Kurzzeitpflege-Angebote in Anspruch genommen werden. Bei der Kurzzeitpflege wird die pflegebedürftige Person für die Dauer der Abwesenheit in einem Pflegeheim aufgenommen. Bei der Verhinderungs- und Tagespflege ist bis zu 28 Tage im Jahr eine ambulante Stunden- oder Tagesbetreuung möglich.

• Eine Aufzeichnung der Veranstaltung ist am kommenden Montag, 7. November, ab 18.45 Uhr im Offenen Kanal Kassel zu sehen. Zudem ist die Sendung im Anschluss an die Ausstrahlung im Internet auf www.gesundheitimgespraech.de abrufbar. Die Patenschaft für diesen Themenabend im Vhs-Saal des Kreishauses hatte die Krankenkasse DAK übernommen. Organisiert wird die Reihe vom Gesundheitsamt der Region Kassel in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule der Region Kassel, der HNA, dem Gesundheitsnetz Nordhessen und der KISS Kassel. (mkx)

Service: Ansprechpartner

• Pflegestützpunkt der Stadt Kassel, Rathaus, Zimmer K 302, K 304, K 305, Obere Königstraße 8, 34117 Kassel, Telefon 0561 / 787-5630, pflegestuetzpunkt@stadt-kassel.de

• Pflegestützpunkt des Landkreises Kassel, Kulturbahnhof, Südflügel, Rainer-Dierichs-Platz 1, 34117 Kassel, 0561 / 1003-1371 oder -1399, pflegestuetzpunkt@landkreiskassel.de

• Beratungsstelle „Älter werden“, Obere Königstraße, Rathaus Kassel, Telefon 0561 / 787-5636, beratungsstelle-aelterwerden@stadt-kassel.de

• Zudem stehen Krankenkassen und ambulante Pflegedienste als Ansprechpartner zur Verfügung. (mkx)

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