„Die Gefahr ist gegenwärtig“

Wenn man im Wald auf Wildtiere trifft: Experte gibt Tipps für Spaziergänger

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Uwe Zindel

Kassel. Kürzlich ist einer Besucherin des Tierparks Sababurg die Fingerkuppe abgebissen worden, als sie verbotenerweise ein Wildschwein fütterte. Dass man sich nicht nur im Wildpark an Regeln mit Tieren halten sollte, sondern auch in freier Natur, darüber sprachen wir mit Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen.

„Ein Kollege von mir ist vor einem halben Jahr im Habichtswald von einer Bache (Anmerkung der Redaktion: weibliches Wildschwein) über den Haufen gerannt worden“, sagt Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen, zuständig auch für den Habichtswald. Zum Glück sei dem Mitarbeiter von Hessen Forst nicht viel passiert, sagt Zindel. Denn Wildschweine seien nicht ungefährlich: „Wenn die einen Menschen in die Wade beißen, heilen die Wunden ganz schlecht. Zudem besteht die Gefahr von Entzündungen.“

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Besonders gefährlich seien Bachen, die Junge bekommen haben. Das sei früher eigentlich nur im März/April der Fall gewesen. Durch den massiven Maisanbau und milde Winter würden Wildschweine aber immer früher geschlechtsreif. Das habe zur Folge, dass mittlerweile über das ganze Jahr Frischlinge geboren würden, sagt Zindel. Er geht davon aus, dass die Wildschwein-Population allein im Habichtswald auf aktuell 300 Tiere angestiegen ist. „Die Gefahr ist gegenwärtig.“ Besonders im Unterholz sollte man sehr achtsam sein.

Ein Umstand, der auch gefährlich für Hunde werden kann: In hessischen Wäldern gebe es keine Anleinpflicht, sagt der Leiter des Forstamtes. „Aber wenn ein Hund ins Unterholz läuft, kann er schnell zum Opfer von Wildschweinen werden.“ Sein Rat an Hundehalter: „Jeder weiß, ob sein Hund in kritischer Situation gehorsam ist oder nicht und ob er gern jagt. Wer einen nicht gehorsamen Hund ausführt, sollte ihn im Wald unbedingt anleinen.“ Zindel empfiehlt zudem den Besuch einer Hundeschule. In der Regel bewirke dieser „Wunder in Bezug auf die Folgsamkeit“.

Die überwiegende Zahl der Hundebesitzer, die durch den Wald gingen, hätte das Temperament der Tiere zum Glück im Griff, sagt Zindel. Begegnungen mit Hunden, die Wildtiere durch den Habichtswald hetzen, habe er aber leider in jedem Jahr.

Das sei besonders gefährlich für Rehwild. Vor zwei Jahren hätte ein Besitzer über längere Zeit drei „riesengroße“ Hunde durch den Wald hetzen lassen. Er habe den Mann dann angesprochen und um Rücksichtnahme gebeten.

Zindel versteht, dass es viele Menschen in den Habichtswald zieht. „Wir haben hier einen wunderbaren und artenreichen Lebensraum vor den Toren der Stadt Kassel, der aber auch besonders schützenswert ist.“ Die Pflanze Frauenschuh, den Eremit (großen Rosenkäfer), den Schwarzstorch, den Luchs oder Wildkatzen zählt Zindel als Beispiele auf.

Von daher sei es wichtig, dass die Besucher auf den festen und naturfesten Wegen blieben - Pilzsammler einmal ausgenommen. Und für Sportler (Skifahrer, Mountainbiker, Kletterer) habe man rund um das Hohe Gras Flächen für deren Hobbys zur Verfügung gestellt, sagt der Forstamtsleiter.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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