Wenn die Zigarettenkippe fliegt - Die HNA auf Streife mit dem Ordnungsamt

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Schnell entsorgt: Wenn Raucher den Zigarettenstummel einfach auf die Straße werfen, kostet das 20 Euro, wenn sie vom Ordnungsamt erwischt werden und keine Einsicht zeigen.

Kassel. Kaugummis auf dem Gehweg, Kippen zwischen den Pflastersteinen, Radfahren in der Fußgängerzone – ständig wird in der Innenstadt gegen die Ordnung verstoßen. Wir haben eine Zivilstreife des Ordnungsamtes begleitet, die versucht, Vergehen zu ahnden.

Kopfhörer auf den Ohren, eine Zigarette im Mund: Ein Jugendlicher wartet am Königsplatz auf die Straßenbahn. Die rote Baseballkappe trägt er verkehrt herum auf dem Kopf. Als die Kippe aufgeraucht ist, lässt er sie aufs Pflaster fallen. Da greift das Ordnungsamt ein.

Uwe Schwarz

Dieter Hering spricht den Jungen an. Der Ordnungspolizist ist in Zivil unterwegs. Schwarze Jacke, blaue Jeans. Der 45-Jährige zeigt seinen Amtsausweis vor. Seine Kollegin Ursula Rosenblath steht ein paar Schritte abseits. Die beiden sind auf Streife und wollen Ordnungssünder in flagranti erwischen. So wie den 17-Jährigen aus Nieste.

Weil er minderjährig ist, darf er in der Öffentlichkeit nicht rauchen. Das verbietet das Jugendschutzgesetz. Die Ordnungspolizisten nehmen die Personalien auf. Später werden sie die Eltern anrufen. „Würde ich noch mehr Zigaretten finden, wenn ich nachsehe?“, fragt Hering. Der Junge zieht eine verknitterte Kippe aus der Tasche und muss sie in den Mülleimer werfen. Eine Strafe gibt es nicht.

Anders ist es beim nächsten Mann, den das Gespann vom Ordnungsamt anspricht. Auch er hat seinen Zigarettenstummel auf den Boden geworfen. Ihn kostet das 20 Euro. „Als ich ihn angesprochen habe, hat seine ganze Körperhaltung klar ausgesagt, dass ihm das egal ist“, sagt Hering nach der Kontrolle.

„Die Einsicht muss erkennbar sein“, erklärt Uwe Schwarz, „dann reicht auch eine mündliche Verwarnung.“ Er leitet die Abteilung Sonderdienste des Ordnungsamts. Zwölf Vollstreckungsbeamte hat er in seinem Team. Die Einsatzgruppe besteht seit 1992. Ursula Rosenblath (62) ist von Anfang an dabei, Hering kam vor drei Jahren dazu.

Wenn es die Personaldecke zulässt, sind sie als Zivilstreife unterwegs. „Wir wollen Präsenz zeigen, damit die Leute sehen, dass wir da sind“, sagt Schwarz, „aber in Uniform fliegt man bei Kontrollen natürlich sofort auf.“

Dass ein Verstoß nicht immer Geld kostet, zeigt das Beispiel einer 54-jährigen Kasselerin. Auch sie lässt ihre Kippe fallen, als sie gegenüber vom Rathaus ein Schaufenster anschaut. „Sie haben völlig recht, das war falsch“, sagt die gebürtige Italienerin sofort. Weil sie einsichtig ist, muss sie nicht zahlen.

Kein Pardon kennt das Duo beim Urinieren in der Öffentlichkeit. Rosenblath und Hering erwischen einen Mann, der am Lutherplatz an eine Mauer pinkelt. „Das geht gar nicht“, sagt Hering und fordert 35 Euro. Weil der Mann nicht zahlen will, wird ein Bußgeldverfahren daraus. Das kostet dann etwa 100 Euro.

„Wir wollen den Leuten kein Geld aus der Tasche ziehen, sondern erklären, warum es die Regeln gibt“, sagt Hering. Die hätten schließlich ihren Sinn: Wer bei Rot über die Straße geht, gebe ein schlechtes Vorbild für Kinder ab. Und wer mit dem Rad auf dem Bürgersteig fährt, gefährde sich und die Fußgänger. Hering und Rosenblath ist klar, dass sie nicht bei allen gut ankommen. „Aber wir haben auch Erfolgserlebnisse“, sagt Hering, „das macht den Ärger wett.“

Von Marcus Janz

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