Nachbarn zahlen weniger

Werbeaktion verpasst, jetzt soll Anlieger für Fernwärmeanschluss 30.000 Euro zahlen

Noch heizt er mit Strom: Hermann Diehl will für seine Immobilie in der ehemaligen Graf-Haeseler-Kaserne einen Fernwärme-Anschluss. Allerdings möchte er dafür nicht ein Vielfaches von dem zahlen, was der Anschluss für seine Nachbarn kostete. Foto: Koch

Niederzwehren. Gern hätte Hermann Diehl für seine Immobilie auf dem Gelände der früheren Graf-Haeseler-Kaserne im Stadtteil Niederzwehren einen Fernwärme-Anschluss. Doch dazu haben die Städtischen Werke ihm ein Angebot unterbreitet, dessen Preis ein Vielfaches über dem liegt, was seine Nachbarn für ihre Anschlüsse zahlen mussten.

„Diese Ungleichbehandlung ärgert mich“, sagt Diehl. Noch dazu habe er keine schlüssige Erklärung bekommen.

Diehl liegt ein Angebot vor, wonach er für die Herstellung des Anschlusses ohne Mehrwertsteuer knapp 22.000 Euro zahlen soll. Hinzu kommen 7900 Euro unter anderem für die Fernwärme-Übergabestation mit Wärmetauscher sowie eine fünf Meter lange Innenleitung zwischen Hausanschluss und Übergabestation. Zusammen müsste Diehl etwa 30.000 Euro investieren.

Seine Nachbarn haben für nahezu die gleichen Leistungen nur einen Bruchteil gezahlt. Einem Anlieger der Johann-Sebastian-Bach-Straße seien zum Beispiel nur knapp 2400 Euro in Rechnung gestellt worden. Allerdings hatte der Nachbar die Tiefbauarbeiten selbst erledigt, die in Diehls Fall einen Großteil des Gesamtbetrags von 30.000 Euro ausmachen sollen. Die Gegebenheiten der einstigen Fahrzeughallen der früheren Graf-Haeseler-Kaserne sind ganz ähnlich. Alle stehen etwa zehn Meter von der Straße entfernt, in der die Fernwärmeleitung liegt.

Auch Niederzwehrens Ortsvorsteher Harald Böttger erscheint der Preis recht hoch. Von vergleichbaren Problemen wie im Fall von Hermann Diehl habe er bisher aber nichts gehört, sagte Böttger auf Anfrage.

Auf Nachfrage der HNA erklärte Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke: Diehls Nachbarn wurden in Folge einer Werbeaktion an das Fernwärmenetz angeschlossen. Dabei seien die Anschlusskosten seinerzeit in der Tat deutlich niedriger angeboten worden, teils um mehr als zwei Drittel weniger als heute. Damals seien alle Anlieger angeschrieben worden, nur hätten sich nicht alle für einen Anschluss entschieden.

Für den großen Preisnachlass hätten die Städtische Werke gute Gründe gehabt. Ziel sei es gewesen, mit der Aktion möglichst viele neue Kunden zu gewinnen. „Wir wollten eine kritische Masse erreichen, sonst hätten sich die Arbeiten nicht gerechnet“, sagt Pijanka. Es sei ganz normal - wie nach Werbeaktionen in anderen Branchen auch, dass nun höhere Preise verlangt werden müssten. Schließlich sei auch der Aufwand höher, einen einzelnen Anschluss zu installieren.

In den Hallen hat Diehl Wohnmobile und Wohnwagen untergestellt, an denen er dort auch herumschraubt. Und das Gebäude ist für ihn wie ein kleines Wochenendhaus. Im Hinterhof hat er sich mit seiner Ehefrau einen Garten mit Freisitz angelegt. „Das ist unser kleines Paradies.“ Beharren die Städtischen Werke nun auf ihrem Angebot, bleibe ihm nur eine Alternative. „Ich baue mir einen Schornstein in die Halle und heize mit einem Ofen.“ (clm)

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