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Kasseler MHK macht auf hunderten Plakaten Werbung für den „Berkpark“

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Von: Katja Rudolph

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Prangt an vielen Litfaßsäulen: Das MHK-Plakat mit dem Rechtschreibfehler ist unter anderem gegenüber der Friedenskirche im Vorderen Westen zu sehen.
Prangt an vielen Litfaßsäulen: Das MHK-Plakat mit dem Rechtschreibfehler ist unter anderem gegenüber der Friedenskirche im Vorderen Westen zu sehen. © Katja Rudolph

Kassels Bergpark ist auf hunderten Plakaten vorübergehend zum „Berkpark“ umbenannt worden. Wir fragen: Was ist denn da los?

Kassel – In Kassel scheint vermehrt der Fehlerteufel unterwegs zu sein. Auf Plakaten, die an mehreren Werbeflächen in der Stadt zu sehen sind, macht die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) unter dem Titel „Neueroberung“ auf die Wiedereröffnung der Löwenburg am 16. Juli aufmerksam. Der Löwenburg im „Berkpark“ Wilhelmshöhe (die trendige Kleinschreibung, die streng genommen orthografisch auch falsch ist, lassen wir mal unter den Tisch fallen).

Erst kürzlich hatte ein Schild des Straßenverkehrsamts in Waldau für Schmunzeln gesorgt, auf dem in großen Lettern auf eine Sperrung im Bereich der „Paldemar-Wetersen-Straße“ hingewiesen wurde. Die Straße ist eigentlich nach Waldemar Petersen benannt. Zwar ist nun der Bergpark nicht zum Pergbark geworden. Trotzdem fragt man sich: Was ist denn da los?

Unter anderem stellt sich die Frage: Ist der neu kreierte Berkpark überhaupt noch Weltkulturerbe? Ist das ein verstecktes Rätsel? Oder hat nur die nordhessische Aussprache ihre Spuren in der Schriftsprache hinterlassen? Bekanntlich neigt der Nordhesse ja dazu, weiche Konsonanten wie B, D und G hart auszusprechen als P, T und K. Da klingt Grippe gern mal wie Krippe, Bulle wie Pulle und Dorf wie Torf.

In der Sprachwissenschaft nennt man das übrigens stimmlose und stimmhafte Konsonanten. Um den Exkurs in die Germanistik zu vertiefen: Am Ende von Wörtern ist die sogenannte Auslautverhärtung typisch für die deutsche Sprache. Beim Aussprechen von Wörtern wie „lieb“ oder „schwieg“ klingt dabei das B wie ein P und das G wie ein K. In Kassel und Nordhessen ist diese Lautverhärtung hingegen auch am Wortanfang verbreitet. Oder anders gesagt: Hiesigen Einheimischen liegt das Stimmhafte nicht so.

Unser Leser Sebastian von Nolting, der uns auf die fehlerhaften Plakate aufmerksam gemacht hat, schreibt deshalb auch mit einem Augenzwinkern: „Konsequenterweise hätte man hier auch Löwenpurk schreiben müssen.“

Auch der MHK ist der Fehler inzwischen aufgefallen. „Wir ärgern uns selbst total darüber“, sagt Alfonso Meoli von der Kommunikationsabteilung der MHK auf Anfrage der HNA. Man habe damit weder eine nordhessische Lautschrift umsetzen noch eine Umbenennung des Bergparks anstoßen wollen, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu. Druckerzeugnisse gingen vor der Freigabe durch mehrere Hände, sagt Meoli. „Aber hier arbeiten eben auch nur Menschen.“

Insgesamt seien für die Löwenburg-Plakate 410 Stellen im öffentlichen Raum von der MHK gebucht worden. Bis maximal Ende Juni werden sie noch zu sehen sein. Man habe entschieden, die Plakate mit dem Tippfehler so zu belassen und nicht durch eine korrigierte Version zu ersetzen, sagt Meoli. „Nach einer Abwägung der Kosten und nicht zuletzt auch der Materialressourcen stehen diese in keinem Verhältnis zum Mehrwert einer Umwandlung von einem ärgerlichem K zu einem richtigen G.“

Alle Kasseler dürfen gespannt sein, wo der Fehlerteufel als Nächstes zuschlägt. Auch in der HNA werden ja Tag für Tag seitenweise Texte produziert. Aber Rechtschreipfehler? Das kipt’s pei uns nicht.

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