Städtische Werke entschuldigen sich jetzt

Ärger wegen irreführender Werbung für Energieausweis in Kassel

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Der Energieausweis ist nur nötig, wenn man Haus oder Wohnung vermieten, verpachten oder verkaufen will.

Kassel. Eine missverständliche Formulierung in einem Schreiben der Stadtwerke zum Energieausweis sorgte für Aufregung bei Eigentümern. Jetzt haben sich die Stadtwerke entschuldigt.

„Ihr Energieausweis schützt Sie vor Bußgeld“, steht über dem Brief, mit dem die Kasseler Stadtwerke für den Ausweis werben. Er gibt Auskunft darüber, wie es um die Heizkosten in Haus oder Wohnung steht. Sollte der Ausweis fehlen oder ablaufen, „wird es höchste Zeit, sich um einen neuen zu kümmern“, rät Werke-Vertriebsleiter Kai Wacholder. Und kündigt zehn Euro Rabatt für alle an, die bis Ende Juni einen Ausweis bei den Städtischen Werken bestellen.

Kein Wort dazu, dass nur solche Eigentümer den Ausweis brauchen, die vermieten oder verkaufen wollen. Wer selbst im eigenen Haus oder der Eigentumswohnung lebt, braucht nämlich gar keinen Energieausweis.

Stadtwerke: „Es tut uns leid“

Im Brief wird darauf hingewiesen, dass ein Bußgeld von bis zu 15.000 Euro droht, wenn der Eigentümer keinen Energieausweis vorweisen kann. „Ich finde das unverschämt und an Nötigung grenzend, denn der Energieausweis wird nur bei Verkauf oder Vermietung benötigt“, ärgert sich Norbert Gronau, dessen Mutter den Brief bekam. „Es tut uns leid, dass wir missverständlich formuliert haben“, sagt Stadtwerke-Sprecher Ingo Pijanka. Es müsse klar gesagt werden, in welchen Fällen der Ausweis Pflicht ist. 

Der Brief sei kein Werbe-, sondern ein Informationsschreiben. „Wir wollten Kunden lediglich einen Hinweis geben, dass es eine Gefahr gibt, die sehr real ist, weil es die Gesetzeslage so vorsieht“, erklärt Pijanka den Hinweis auf das hohe Bußgeld. Dass man mit der gut gemeinten Verbraucherinformation auch negativ ankomme, „erschreckt uns und wir stellen uns schon kritisch die Frage, wie wir es in Zukunft besser machen.“

550 Kunden reagierten auf den Brief

550 Kunden hätten auf den Brief reagiert. Zwei Drittel davon hätten sich bedankt, etwa ein Viertel hätten sich beschwert. Hauptgrund dafür sei aber das Missverständnis, dass die Städtischen Werke Bußgelder verhängen könnten, sowie der Vorwurf der Papierverschwendung. „Wir wollten mit dem Schreiben informieren und keinesfalls unter Druck setzen“, beteuert Pijanka.

Die Information im Brief sei unvollständig, kritisiert auch Wolfram Kieselbach, Vorsitzender des Kasseler Haus- und Grundeigentümerverbandes. Vonseiten der seriösen Stadtwerke hätte man sich eine bessere Aufklärung gewünscht. So aber sorge das Schreiben für Verunsicherung vor allem bei älteren Eigentümern von Häusern oder Wohnungen.

Auch Kieselbach stellt noch mal klar: Den Energieausweis, den die Städtischen Werke in der einfachen verbrauchsorientierten Form ab 102 Euro anbieten, ist nur bei Verkauf, Vermietung oder Verpachtung von Gebäuden oder Wohnungen notwendig.

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