Werke zeitgenössischer Druckkunst

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Zeitgenössische Druckkunst: Ellen und Prof. Dr. Gerhard Schoenfeldt verkaufen äußerst vielfältige Siebdrucke der 70er-Jahre.

Eigentlich habe man auf eine Wertsteigerung der Originaldrucke gehofft, die Trends am Kunstmarkt habe man nicht vorhersehen können, räumt Ellen Schoenfeldt ein, deren Mann nun zahlreiche Siebdrucke aus Kunstkalendern der 1970er-Jahre verkauft.

Das Interesse an Kunst im Allgemeinen und Grafiken im Speziellen entwickelte der ehemalige Universitätsprofessor Dr. Eberhard Schoenfeldt bereits in jungen Jahren. „Ich war 17 oder 18 Jahre alt und lebte in Hamburg, als mich ein Kunsthändler auf den Geschmack brachte.

Zeit des Sammelns

Als Lehrling hatte ich zwar kaum Geld, kaufte dennoch meine ersten kleinen Originalgrafiken und Stahlstiche in seinem Laden“, erinnert sich Schoenfeldt an die Anfänge seiner Sammelleidenschaft. Zur gleichen Zeit versuchte er sich mit ersten Linolschnitten auch selbst als Künstler. Schnell trat aber die künstlerische Karriere hinter der Universitätskarriere zurück. „Während meines Berufslebens fehlte schlicht die Zeit und die Muße dafür, sodass ich mich rund 30 Jahre lang auf das Sammeln von Kunst verlegt habe“, so Schoenfeldt. Zunächst erstand er bevorzugt Konvolute auf Auktionen, also Sammlungen für kleines Geld, unter denen sich „viel Schrott befand, aber auch das eine oder andere schöne Stück“, wie der Sammler sagt.

Mit den neuen Einkommensverhältnissen erweiterte Schoenfeldt seine Sammlung und entwickelte zugleich seinen Kunstsachverstand weiter. Mit der Pensionierung kam die Zeit, um die zumindest aus künstlerischer Sicht versäumten 30 Jahre nachzuholen. Gemeinsam mit seiner Frau, die leidenschaftlich gern fotografiert, stellte er Ende vergangenen Jahres eigene Arbeiten in der Kunstwerkstatt auf der Marbachshöhe aus.

Zeit der Trennung

Nun, mit 80 Jahren, möchte sich Prof. Dr. Schoenfeldt von einigen Stücken seiner Sammlung trennen. „Meine Frau und ich ziehen in eine Seniorenresidenz, da haben wir nicht mehr den Platz für all die Bilder“, sagt er. Daher bietet er drei Serien zeitgenössischer Grafiken an. Die Bilder, im Siebdruckverfahren entstanden, stammen aus Kalendern namhafter Druckhäuser aus den 70er-Jahren. Viele andere Stücke habe Schoenfeldt bereits an Galerien und Auktionshäuser verkauft, für die Kalendergrafiken fand sich jedoch kein Interessent. „Insgeheim hatten wir auf eine Wertsteigerung der Bilder gehofft, die Trends in der Kunstszene sind aber sehr kurzlebig und offenbar sind solche Grafiken nicht mehr in Mode“, erklärt Ellen Schoenfeldt.

Ferner handele es sich bei den Drucken nicht um kunsthandelsfähiges Material, denn die Grafiken seien nicht von Hand signiert, nicht nummeriert und die Auflage mit 3 000 Stück zu hoch. „Aber für den Flohmarkt sind sie zu schade“, findet Eberhard Schoenfeldt. Bei den Sammlungen aus drei Kalenderserien handelt es sich auch um Konvolute. Da ein Kalender stets Abwechslung bieten muss, sind auch die Grafiken äußerst vielfältig. Teilweise zeigen sie abstrakte Motive, dann wieder Gegenständliches, mal kommen die Bilder leuchtend und farbkräftig daher, mal in gedeckten Farben. „Sicher wird nicht jede Grafik jedem gefallen, doch es ist bestimmt etwas für jeden Geschmack dabei“, betont Schoenfeldt. Bei den Drucken handelt es sich um eine Serie von 28 quadratischen Bilder von 42 mal 42 Zentimetern der Domberger Siebdruckkalender aus den Jahren 1972 bis 1974, die Schoenfeldt insgesamt für 30 Euro anbietet. Weitere Serien entstammen den Brückmann Künstler-Kalendern aus den Jahren 1972 bis 1978 und 1979 bis 1982 mit den Maßen 59 mal 41 Zentimeter. Die Serien umfassen 40 beziehungsweise 39 Bilder, für jede Serie ruft Schoenfeldt 40 Euro auf. „Es handelt sich dabei nicht um Wertgegenstände, sondern um zeitgenössische Druckkunst jener Jahre.

Das finanzielle Risiko hält sich in Grenzen“, unterstreicht der Sammler, dem es nicht besonders schwerfällt, sich von den Stücken zu trennen: „Man muss auch loslassen können. Ich habe mich 30 Jahre an den Grafiken erfreut, nun wünsche ich mir, dass sie einem anderen die gleiche Freude bereiten.“ (pee)

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