Serie "Made in Kassel"

Technoform Extrusion Tooling ist das Herzstück der gleichnamigen Gruppe

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Lagebesprechung: Die Teams organisieren sich bei Technoform selbst. Unser Foto zeigt (von links) Manuel Wiegand, Eduard Spirer, Hendrik Volland, Mike Seeger und Mario Freudenstein.

Kassel. Die Produkte der Technoform Extrusion Tooling GmbH (TET) im Industriepark Kassel sind weitgehend unbekannt. Nur eine sehr kleine Gruppe ausgewählter Menschen bekommt sie je zu Gesicht: die, die sie herstellen, und die, die später mit ihnen arbeiten müssen.

Denn das kleine Technologie-Unternehmen ist ausschließlich für die Schwesterbetriebe unter dem Dach der gleichnamigen, weltweit agierenden Gruppe tätig. Dort werden die immer aufwendiger werdenden TET-Werkzeuge in der Produktion von Abstandshaltern für Isolierglasfenster, Isolierprofilen und speziellen Kunststoffprofilen für industrielle Anwendungen eingesetzt.

„Wir sind das Herzstück der Gruppe“, beschreibt Geschäftsführerin Sara Brede die Stellung der TET bei Technoform. Die hochwertigen Werkzeuge ermöglichen die automatisierte Fertigung von großen Mengen langlebiger Profile in kurzer Zeit – und das bei gleichbleibend hoher Qualität und in einer Präzision, die Abweichungen von lediglich 0,05 Millimetern erlaubt, was der Dicke eines menschlichen Haares entspricht. Dabei werden die Geometrien der Profile immer komplexer und filigraner, was die Anforderung an das Extrusionswerkzeug ständig wachsen lässt. Bei diesem Verfahren wird flüssiger Kunststoff – wie in einem Fleischwolf – unter hohem Druck und hoher Temperatur gleichmäßig aus einer formgebenden Öffnung gepresst, wodurch in einem immerwährenden Prozess Endlosprofil in nahezu jeder denkbaren Form entsteht.

Was sich einfach anhört, ist aber sehr kompliziert. Teils in einem Erosionsprozess, bei dem die Öffnungen im Werkzeug durch einen gleichmäßigen Abrieb mittels Stromfunken erzeugt werden, teils in mühsamer Handarbeit stellen ausschließlich Werkzeugmechaniker – unterstützt von Technikern und Ingenieuren – die kleinen Wunderwerke her. Die hütet Technoform wie einen Schatz. Schließlich soll überlebenswichtiges Wissen nicht abfließen. Das ist auch ein Grund dafür, dass TET nicht für Dritte arbeitet. Die Werkzeugspezialisten bedienen die gesamte Technoform-Gruppe weltweit und stellen für die Isolierprofil-Sparte Bautec auch sämtliche Muster her.

Die 70 Beschäftigten arbeiten – wie in den anderen Technoform-Betrieben – weitgehend eigenständig. Eine Zeiterfassung gibt es nicht, dafür aber eine „Vertrauensarbeitszeit“, wie diese moderne und bei Technoform seit Langem praktizierte Arbeitsorganisation heißt. Niemand achtet darauf, wer wie viele Pausen macht. „Solange die Arbeit erledigt wird, lassen wir den Mitarbeitern fast alle Freiheiten“, sagt die 35-jährige Chefin. Der Erfolg gibt Technoform recht. Der Werkzeugprofi will in diesem Jahr neun Millionen Euro umsetzen – zweieinhalb Mal so viel wie 2003, als das Unternehmen mit 21 Leuten an den Start ging.

In unserer nächsten Folge stellen wir die Kasseler Bauunternehmung Hermanns AG vor.

Von José Pinto

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