documenta-Kunstwerk

Kunst, die in die Tiefe geht: Dieser Mann bohrte den Erdkilometer

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Große Kunst: Dr. Heinrich Anger und seine Leute bohrten bei der Documenta 1976 den vertikalen Erdkilometer. 

„Wenn die merken, was das kostet, lassen die das schnell sein“. Dr. Heinrich Anger war sich sicher, dass sich die Anfrage der documenta schnell erledigen würde. Von wegen...

Der damalige Chef der in Hirschhagen ansässigen Bohrfirma „Heinrich Angers und Söhne“ hatte 1976 die Aufforderung erhalten, ein Angebot für das Bohren eines „Vertikalen Erdkilometers“ abzugeben. Der bekannte Land-Artkünstler Walter de Maria hatte den Machern der Kunstschau das Projekt vorgeschlagen und es war von den Gremien angenommen worden.

„Man wusste in Kassel, dass wir gut tiefe Löcher gerade bohren können“, ist der damalige Geschäftsführer noch immer vom damaligen Können und Know-how überzeugt.

Tag und Nacht: Der Bohrturm war damals 24 Stunden täglich im Einsatz.

Den Künstler Walter de Maria, hat Heinrich Anger nie selbst getroffen hat. „Er soll die Menschen dazu anregen, über die Erde und ihren Ort im Universum nachzudenken“, so hatte dieser den Sinn des Projekts „Erdkilometer“ beschrieben.

Während man in der Öffentlichkeit laut und heftig um das von Sponsoren finanzierte Projekt stritt – immerhin wurde der geliebte Rasen vor dem Fridericianum zerstört – war für die Bohrfirma der Lärmschutz zu beachten. Denn eine solche Baustelle muss Tag und Nacht arbeiten.

Auch das hessische Landesamt für Umwelt und Geologie wurde auf das Projekt aufmerksam. Zwar sind die geologischen Begebenheiten wissenschaftlich bekannt und auch nicht sonderlich spannend. Da aber nun die Möglichkeit einer genauen Sondierung bestand, sollte diese auch genutzt werden. Im Treppenhaus des Naturkundemuseums kann man als Ergebnis nun die Abfolge der Erdschichten sehen.

Schmunzelnd erzählt Heinrich Anger, dass seine Mitarbeiter das Bohrgut aus 1000 Metern in Fläschchen füllten und durch den Zaun verkauften, was er ihnen untersagen musste. Die Idee nahmen dann Waldorfschüler auf, die die Behälter für einen guten Zweck verkauften.

Documenta 6-Kunstwerk am Fridericianum: Der vertikale Erdkilometer von Walter de Mario

Der zwei Zoll starke massive Messingstab, ein Meter lange Stücke, die miteinander verschraubt sind, wurde in das Bohrloch versenkt, das Ganze dann mit Beton vergossen. Heute erinnern noch ein rundes Messingstück und eine Platte im Boden an der Südseite des Parthenon, der Attraktion der aktuellen Kunstschau, an das von Aufwand und Ausmaß größte Documenta-Projekt.

Als 1996 die Tiefgarage unter dem Friedrichsplatz gebaut wurde, war Anger nochmals am Rande mit dem Erdkilometer befasst. Denn da mussten umfangreiche Untersuchungen vorgenommen werden. Der Kilometerstab wurde damals in die Betonkonstruktionen integriert. „Wir hätten ja gerne noch mehr solcher Löcher gebohrt“, sagt Anger lachend. Den Markt für solche Kunst gab es aber dann doch nicht.

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