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Prinzip Bares für Rares: Diese Schätze brachten die Kasseler mit

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Von: Katja Rudolph

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Das Prinzip Bares für Rares wurde nun auch in Kassel angewendet. Der Andrang bei einer Sprechstunde eines Auktionshauses war groß.

Kassel – Ein bisschen ist es wie in der Disko: Erst mal muss man am Türsteher vorbeikommen. Bei der Kunstsprechstunde des Auktionshauses Miltenberg war Ralph Martucci am Empfang zugleich „das grobe Sieb“, wie der Mitarbeiter des Kunsthandels aus dem Odenwald es formuliert. Wessen Schätze er auf den ersten Blick als Flohmarktware erkannte, den schickte er mit einem freundlichen Hinweis nach Hause.

Porzellan, Schmuck, Omas Tafelsilber, Gemälde, Skulpturen und vieles mehr schleppten die Menschen zu der Sprechstunde an. Das Auktionshaus, das jeden Samstag durch ganz Deutschland tourt, machte erstmals Station in Kassel im Restaurant Gutshof. Die Resonanz war groß. „Wir hätten locker zwei Tage einplanen können“, sagt Charles Bamberger senior aus dem Familienbetrieb mit 30-jähriger Tradition. TV-Sendungen wie „Bares für Rares“ haben viele Menschen auf die Idee gebracht, dass sich zwischen Erbstücken und Trödel auch wahre Schätze befinden könnten.

Könnte 3000 Euro bringen: Diese Bronzeskulptur aus dem Besitz einer Kasseler Familie wird Ramon Bamberger nun im Auktionshaus im Odenwald anbieten.
Könnte 3000 Euro bringen: Diese Bronzeskulptur aus dem Besitz einer Kasseler Familie wird Ramon Bamberger nun im Auktionshaus im Odenwald anbieten. © Fischer, Andreas

Prinzip Bares für Rares in Kassel: „Nur der Name gilt“

Sylke Pierach aus Habichtswald hat vier Bilder aus dem Haus ihres verstorbenen Opas dabei – von Schiffen im Sonnenuntergang bis zum herbstlichen Waldidyll. „Wir können ihnen keinen Rembrandt bieten, aber ein paar ältere Gemälde“, sagt sie zu Aaron Gärtner. Der schaut auf dem Handy in einer Kunsthandelsplattform nach, die die Auktionsergebnisse der letzten 40 Jahre auflistet. „Nur der Name gilt“, sagt der Experte – da kann das Motiv noch so schön sein.

Wenig später weiß die Ehlenerin: Für das Mohnblüten-Bild des Malers Erich Krüger (1897-1978) kann sie 100 bis 150 Euro verlangen, der Rest ist für Kunstkenner uninteressant. Mit dieser Erkenntnis zogen Sylke Pierach und ihr Mann Jörg weiter zu den Antiquitätenhändlern auf der Friedrich-Ebert-Straße. Auch Margret Baller aus Ahnatal hat Erbstücke im Gepäck, darunter Porzellan und Schmuck. Einen kleinen medaillonartigen Anhänger nimmt Ramon Bamberger unter die Lupe.

Nur der Mohn ist etwas wert: Aaron Gärtner (links) vom Auktionshaus Miltenberg begutachtete die Gemälde von Jörg und Sylke Pierach aus Habichtswald-Ehlen.
Nur der Mohn ist etwas wert: Aaron Gärtner (links) vom Auktionshaus Miltenberg begutachtete die Gemälde von Jörg und Sylke Pierach aus Habichtswald-Ehlen. © ANDREAS FISCHER

Prinzip Bares für Rares in Kassel: Tafelsilber zum Marktwert des Edelmetalls

Das Miniaturbild, eine adlig anmutende Dame, ist handgemalt und schätzungsweise 150 Jahre alt, urteilt der 54-Jährige. Dann setzt er auf die glitzernden Steine des Anhängers den Diamantprüfer an. Das ist eine Art elektronischer Stift mit erhitzbarer Metallspitze, der die Wärmeleitfähigkeit der Steine anzeigt. Ergebnis: hohe Leitfähigkeit, echte Diamanten. Etwa 100 bis 150 Euro sei der Anhänger wert, sagt Bamberger. Interesse daran hat er aber nicht. „So was ist heutzutage sehr schwierig zu verkaufen.“ Für Margret Baller trotzdem eine wertvolle Erkenntnis. Sie will das frühere Schmuckstück der Schwiegermutter aufheben: „Das frisst ja kein Brot.“ Eine andere funkelnde Brosche kann sie aber nun aussortieren – sie ist als Modeschmuck entlarvt. Das Porzellan kommt wieder in den Keller: Zwar schlecht verkäuflich, wie die Ahnatalerin weiß: „Aber ich kann mich noch nicht trennen.“

Einige Raritäten haben die Miltenberger Kunstkenner auch angekauft, etwa Art Déco-Schmuck aus den 1920er-Jahren im Wert von rund 5000 Euro. Auch eine Sphinx-Skulptur des österreichischen Künstlers Ernst Fuchs geht aus Kassel mit in den Odenwald. Sie soll dort im Geschäft angeboten werden und kann nach Bambergers Schätzung um die 3000 Euro bringen.

Enttäuschung erlebte eine 78-Jährige, die das gute Tafelsilber dabei hatte. „Das hat meine Schwiegermutter Löffel für Löffel mühsam angekauft“, erzählt die Kasselerin. Doch im Spülmaschinenzeitalter wollte schon im Familienkreis keiner das Silberbesteck haben. Sie wurde es für 26 Euro los – den Marktwert des enthaltenen Edelmetalls. (Katja Rudolph)

In der Trödelshow „Bares für Rares“ gibt es einen neuen Rekord. Noch nie zuvor wurde ein Objekt in der ZDF-Sendung so schnell verkauft.

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